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Augsburg-Stadt

19.05.2015

Warum die Stadtwerke einen Tauchsieder bauen

Zur Netzstabilität bauen die Stadtwerke Augsburg direkt neben der Gasturbine in Lechhausen eine „Power-to-heat-Anlage“. Damit kann überschüssiger Strom kurzfristig sinnvoll für die Fernwärme genutzt werden. Auf unserem Bild wird der Trafo in das Anlagen-Gebäude gehoben.
Bild: Stadtwerke/Thomas Hosemann

Die Stadtwerke errichten in Lechhausen einen großen Tauchsieder. Was dies mit der Energiewende zu tun hat

Die Stadtwerke engagieren sich in einem neuen Energiegeschäft: Mit einem überdimensionalen Tauchsieder wollen sie das Stromnetz entlasten und überschüssigen Strom für die Fernwärme sinnvoll nutzen. „Power-to-heat“ heißt die Anlage, zu Deutsch: Strom zu Wärme. Sie entsteht direkt neben der Gasturbine in Lechhausen. Rund 1,5 Millionen Euro kostet die Anlage, die in den kommenden Wochen gebaut wird. In vier bis fünf Jahren sei sie durch die Erlöse refinanziert, heißt es. Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer sagt: „Wir können damit flexibel auf Schwankungen im Stromnetz reagieren, das Netz stabilisieren und leisten so einen Beitrag zur Energiewende.“

Mit der Energiewende wird regenerative Energieerzeugung gefördert. Vor allem die Stromanteile aus Photovoltaik und Windkraft haben deutlich zugenommen. So wird heute doppelt sowie Strom aus Windkraft erzeugt wie vor zehn Jahren, beim Sonnenstrom sind es sogar 60 Mal so viel. So entsteht mit dem Einspeisevorrang für erneuerbare Energie eine skurrile Situation: Weht der Wind und scheint die Sonne, dann ist mehr Strom vorhanden, als gebraucht wird und im Netz transportiert werden kann. Dann suchen die Netzbetreiber händeringend nach Verbrauchern, die schnell Leistung aus dem Netz nehmen. Etwa 1000 Mal war das im vergangenen Jahr der Fall. Und dann gibt es sogar Geld dafür, wenn Strom auf Abruf verbraucht wird. Dietmayer: „Umso wichtiger ist es, auf diese Situation richtig zu reagieren und den Strom nicht nur zu verbrauchen, sondern sinnvoll einzusetzen.“

Genau da setzt die Power-to-heat-Anlage an. Sie ist quasi ein überdimensionaler Tauchsieder. Je nach Bedarf wird das heiße Wasser entweder direkt in das Fernwärmenetz eingespeist oder für einen späteren Verbrauch im Wärmespeicher zwischengelagert. Die Anlage hat eine Leistung von 10 Megawatt (MW), das entspricht etwa 10000 haushaltsüblichen Tauchsiedern (mit 1000 Watt Leistung). Der Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Strom in heißes Wasser liegt bei nahezu 100 Prozent.

Die Anlage dient zur „Bereitstellung von negativer Sekundärregelleistung“, wie es fachsprachlich heißt. Und das macht eine zweite etwas seltsame Blüte der Energiewende deutlich: „Schon die Bereitstellung der Anlage, die Leistung aus dem Netz nehmen könnte, wird von den Netzbetreibern finanziell honoriert“, erklärt Dietmayer. „Wir bekommen also Geld dafür, die Anlage bereitzuhalten, egal ob sie nun läuft oder nicht.“ (AZ/möh)

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