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Natur

16.05.2018

Warum diese Frau sich glücklich schätzen kann

Andrea Ehm hatte Glück: Weil ihre Familie seit langem eine Kleingartenparzelle gepachtet hat, kann sie ihre Freizeit im eigenen Garten verbringen. Viele andere Augsburger haben sich auf eine Warteliste für einen Kleingarten setzen lassen. Doch die ist lang.
Bild: Annette Zoepf

Mehr als 1500 Bürger warten auf einen Kleingarten. Die Liste der Interessenten wird immer länger. Doch die Stadt tut sich schwer, weitere Anlagen auszuweisen. 

Andrea Ehm hat eine Wohnung ohne Garten. Während der Woche arbeitet sie im Büro. Entspannung und Ausgleich findet die Augsburgerin in ihrem Kleingarten im Stadtteil Oberhausen. Die 51-Jährige sagt: „Ein Leben ohne den Garten könnte ich mir nicht vorstellen.“ Andrea Ehm hat das Glück, dass ihre Familie die Parzelle schon seit Generationen gepachtet hat. Viele andere Augsburger können von einer grünen Oase nur träumen. Über 1500 Bürger stehen nach den neuesten Zahlen von Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) auf der Warteliste für einen städtischen Kleingarten. Das soll sich nun ändern.

Gärtnern liegt im Trend. Auch bei Stadtbewohnern wird es immer beliebter, selber Gemüse, Kräuter oder Blumen anzupflanzen. Das macht sich in vielen deutschen Großstädten bemerkbar. Auch in Augsburg ist die Nachfrage nach Kleingärten enorm. Nach Angaben des Stadtverbandes der Kleingärtner beträgt die Wartezeit auf eine Parzelle aktuell zwischen drei und sechs Jahren. „Die Leute sind sehr geduldig, aber der Druck ist groß“, heißt es dort.

Diesen Druck aus der Bevölkerung bekommen auch die Politiker im Rathaus zu spüren. Stadträte von CSU und SPD sprachen im März von einer „äußerst angespannten Situation“. Denn die Einwohnerzahl in Augsburg ist stark gewachsen. Andererseits habe es die Stadt in den vergangenen Jahren nicht geschafft, neue Kleingärten in dem notwendigen Umfang zu schaffen, kritisiert Dieter Benkard (SPD).

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Es gibt eine Planung bis 2020

Zwar wurden im Umweltausschuss des Stadtrates immer wieder Anträge gestellt, neue Anlagen auszuweisen. Es gibt auch einen städtischen Kleingartenentwicklungsplan bis 2020, der eine Linie für die Verwaltung vorgibt. Teils scheiterten die Vorschäge auf dem Papier aber am nötigen Geld, teilweise fehlte es auch an geeigneten Grundstücken. Ein Beispiel: Ein Projekt auf Erweiterungsflächen des Nordfriedhofs ließ sich nicht realisieren, weil der dortige Baumbestand erhalten bleiben sollte und die Kosten für eine neue Anlage zu teuer geworden wären. Aktuell werden auch viele neue Wohnungen gebaut und die Grundstückspreise sind entsprechend hoch. Auch das macht die Suche nach neuen Flächen für Kleingärten nicht einfacher, wie aus einem Bericht des Amtes für Grünordnung hervorgeht.

Von den ursprünglich geprüften Flächen blieben am Ende nur noch drei Standorte übrig, so Erben: einer für die Erweiterung der Anlage „Reinhold Wolff“ in Göggingen, einer für die Anlage am Wasenmeisterweg nahe der Wertach, deren Bau vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth für weggefallene Flächen beim Flussumbau zugesichert ist, und einer für die Schrebergartensiedlung am Neuen Ostfriedhof. Für letztere wird gerade ein Bebauungsplan erarbeitet. Weil gerade auch im Augsburger Norden die Nachfrage nach Schrebergärten besonders groß ist, soll am Oberen Schleisweg im Stadtteil Bärenkeller eine weitere Anlage entstehen.

Andere Städte machen es ähnlich

Bislang gibt es in Augsburg knapp 5000 städtische Kleingärten. Wenn die neuen Anlagen kommen, wie geplant, werden im besten Fall rund 250 weitere Parzellen entstehen, davon 121 städtische. Dabei greift die die Stadt allerdings auch zu einem Trick, um schneller mehr Schrebergärten anbieten zu können. Umweltreferent Erben kündigt an, dass neue Parzellen um ein Drittel verkleinert werden sollen – von durchschnittlich 300 auf 200 Quadratmeter. Dieser Vorschlag kam vom Runden Tisch fürs Augsburger Kleingartenwesen, in dem Stadträte und Experten zusammensitzen. Diese Lösung sei auch mit dem Stadtverband der Kleingärtner abgesprochen, die neue Größe auch in anderen Städten üblich, sagt Benkard, der mit in den Gremien sitzt.

Jetzt wird es darauf ankommen, ob die Stadt in den kommenden Jahren die nötigen Gelder für neue Kleingärten im Haushalt zur Verfügung stellt. Allein die Erweiterung der Anlage Reinhard Wolff südlich der Friedrich-Ebert-Straße soll 900 000 Euro kosten. Der Neubau im Bärenkeller am Oberen Schleisweg wird auf 450 000 Euro veranschlagt. Noch fehlen Mittel. Sie sollen auf Beschluss des Umweltausschusses für den städtischen Haushalt 2019/20 angemeldet werden.

Die Kommunalwahl könnte helfen

Benkard ist optimistisch, dass die beiden Anlagen kommen. Denn 2020 ist in Augsburg Kommunalwahl. Auf Wunsch der Grünen sollen außerdem Projekte für „urbanes Gärtnern“ mit jährlich 10 000 Euro gefördert werden, etwa für mobile Beete oder Pflanzsäcke. Grund: Gerade in der dicht bebauten Innenstadt ist wenig Platz für Schrebergärten. Erben zufolge zeigen all diese Vorhaben die Wertschätzung der Stadt für klassische und neue Formen des Freizeit-Gartenbaus. Dieser sei ein Wohlfühlfaktur für Bürger und steigere die Lebensqualität.

Andrea Ehm ist froh, dass sie schon eine Parzelle hat. Dort kann sie sich nicht nur im Grünen erholen, sie kommt auch mit Nachbarn in der Anlage an der Schönbachstraße ins Gespräch, die aus vielen unterschiedlichen Ländern stammen. Sie sagt: „So ein Garten bringt Menschen zusammen.“

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