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Augsburg

23.05.2016

Warum sechs Putten aus St. Anna auszogen

Die Putten wurden aus Sicherheitsgründen aus der Anna-Kirche entfernt.
Bild: Erich Pawlu

Die Figuren zierten bis vor Kurzem die Grabstätte der katholischen Fugger. Seit einiger Zeit sind sie verschwunden. Sie wurden in Sicherheit gebracht

Sie sind moppelig, auch deshalb nett anzusehen und sie sind wertvoll: Die sechs Putten, die im 16. Jahrhundert von Künstler Hans Daucher geschaffen wurden, zierten über Jahrhunderte hinweg die Balustrade der Fuggerkapelle in St. Anna. Nun sind sie weg: Die Familie Fugger ließ sie ins Maximilianmuseum bringen – aus Sicherheitsgründen.

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Die Figuren waren lediglich mit Stahlstiften auf der Balustrade befestigt. Eine leichte Beute für Diebe. Tatsächlich kam vor einigen Jahren auch schon eine Putte abhanden. Der Dieb erwischte damals aber kein Original von Daucher, sondern eine Replik, die irgendwann im Barock angefertigt worden war.

„Im Zuge der Sanierung der Annakirche haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Putten besser schützen oder versichern könnten“, sagt Wolf-Dietrich Graf von Hundt von den Fugger’schen Stiftungen. Schließlich entschloss sich die Familie für die sicherste Variante: Die Originale sollten ins Museum kommen und die Fuggerkapelle in der Annakirche stattdessen mit Kopien geschmückt werden.

Warum sechs Putten aus St. Anna auszogen

Verhandlungen mit der Stadt

Was folgten, waren längere Verhandlungen mit der Stadt. Die möchte die kleinen Kunstwerke nämlich gerne in Augsburg halten. Doch weil die Präsentation im Maximilianmuseum Geld kostet und die Stadt notorisch klamm ist, war die Euphorie zunächst nicht allzu groß. Nun scheint aber eine Lösung gefunden: Die Familie Fugger bezahlt die Kopien für die Annakirche, Graf von Hundt rechnet mit Kosten in fünfstelliger Höhe. Ebenfalls fünfstellig dürfte die Summe sein, die die Stadt für das Ausstellungskonzept und die Versicherung der Putten aufwenden muss. Derzeit ist man dafür auf der Suche nach Sponsoren.

Die Fuggerkapelle in der Annakirche hat von jeher eine besondere Geschichte. 1509 schlossen die Brüder Jakob und Ulrich Fugger eine Vereinbarung mit dem damals noch katholischen Karmelitenkonvent ab: In der Annakirche sollte eine Kapelle entstehen, in der die männlichen Mitglieder der Kaufmannsfamilie ihre letzte Ruhestätte finden würden. Tatsächlich wurden dort nur Georg, Ulrich und Jakob Fugger sowie Jakobs Neffen Raymund und Hieronymus beigesetzt. Denn Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche evangelisch. Die katholischen Fugger wurden seitdem in den verbliebenen katholischen Kirchen der Stadt oder denen ihrer Herrschaftsorte beigesetzt. Die Kapelle in der Annakirche, die zu den Fugger’schen Stiftungen gehört, blieb dennoch erhalten.

Dürer plante mit

Die Kapelle, die einst auch ein Zeichen für die wirtschaftliche Stärke der Familie sein sollte, wurde bei ihrem Bau reich ausgestattet. An der Planung war Albrecht Dürer beteiligt, die Kapelle gilt als erster sakraler Renaissanceraum in Deutschland.

Wann die Ausstattung wieder komplett sein wird, wann die kopierten Putten also zurückkehren werden, ist bislang nicht bekannt. Graf von Hundt rechnet nicht vor Winter damit. Auch die Frage, wann die Originale im Maximilianmuseum zu sehen sein werden, ist noch nicht geklärt. Dort muss erst der perfekte Ort für die Präsentation gefunden sein. Stadt und Besitzer sehen sich nach vielen Debatten jedoch auf einem guten Weg.

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