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Augsburg

28.03.2019

Warum sich Tauben in einem Stadtteil einnisten

Schon bald werden die Jungtiere flügge sein und keiner Nestwärme mehr bedürfen.
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Schon bald werden die Jungtiere flügge sein und keiner Nestwärme mehr bedürfen.

Auf den Balkonen im Umfeld des Schwabencenters wird im Frühling geturtelt und gebrütet. Bewohner bekommen die Standorttreue von Tauben zu spüren und müssen gegen verschmutzte Balkone kämpfen.

Eines hat die Seniorin auf ihrem Balkon im Herrenbach schon beobachten können. Die Taube an sich „hat Familiensinn“. Seit einer der Vögel auf dem Balkon unter dem ihren zwei Eier ausgebrütet hat und die Jungtiere geschlüpft sind, bekommen die Eltern regelmäßig Besuch von Onkeln und Tanten. In der sechsten Etage der Wilhelm-Hauff-Straße herrscht ein Kommen und Gehen – auch an diesem Nachmittag.

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Dieses Schauspiel konnte die Bewohnerin der Wohnanlage bereits mehrmals miterleben. Weil sie den Schmutz nicht dulden möchte, hat sie schon mehrfach gelegte Eier kaputtgemacht. Ein bereits geschlüpftes Junges würde sie aber nicht töten können, sagt sie. Dennoch ist sie der Meinung, dass der Taubenturm an der Ecke Heinestraße kaum etwas bringt. Im Gegenteil: „So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie.“

Zweifel am "Augsburger Modell"

Auch Josef Kränzle aus selbiger Straße hat seine Zweifel, dass das propagierte „Augsburger Modell“ zum Erfolg führt und die Taubenplage mindern hilft. Gegen die Einwände vieler Bürger im Herrenbach sei der Taubenturm für rund 70000 Euro ins Wohngebiet „implantiert“ worden, habe aber die Wirkung verfehlt. Schlimmer noch: Nach Ansicht Kränzles seien die Beschwichtigungen über die herrschende Beeinträchtigung des Umfeldes inzwischen „eindeutig widerlegt“.

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Andere Städte – etwa München, Nürnberg oder Erlangen – hingegen kommen laut Kränzle unkompliziert mit einem Taubenfütterungsverbot zurecht. Die Taubenpopulation sei dort keine Frage. Sabina Gaßner ist sich sicher, dass es ebenso viele Taubenfreunde wie -feinde gibt. Deshalb betont die Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Augsburg wiederholt, dass es einer gewissen Geduld bedarf, bis sich das Projekt Taubenturm erfolgreich zeigt. Ein Ziel sei, „mit den Tauben zu leben“. Denn die Tiere seien schon seit Jahrzehnten vor Ort und wissen nicht, warum sie das wegen des hölzernen Turms jetzt ändern sollten. Wer sich fragt, wie dieser gereinigt wird und die gelegten Eier mit Attrappen vertauscht werden können, dem sei von Sabina Gaßner gesagt: „Der Turm ist begehbar.“ Über eine Treppe im Inneren können die Pfleger hinein und auch kontrolliert füttern.

Taubenschläge auf Dachböden

Die Chefin des Tierschutzvereins macht jedoch kein Hehl daraus, dass es besser geeignete Standorte gibt, um den Bestand der Vögel zu kontrollieren. Ihrer Meinung nach wäre etwa ein Taubenschlag wie auf dem Dachboden im Haunstetter Rathaus oder der Stadtmetzg wesentlich besser angenommen. Denn an der Haltestelle Schwabencenter-West der Linie 6 gehe es nicht nur wegen des Verkehrs sehr unruhig zu.

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