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Augsburg

20.10.2016

Was das Theater der Stadt und den Augsburgern "bringt"

Was bringt das Theater der Stadt? Das hat eine Studie untersucht.
Foto: Ulrich Wagner

Das Theater Augsburg beschert der Wirtschaft laut einer Studie Vorteile. Auch die Theatersanierung könnte sich demnach lohnen. Die Ergebnisse im Überblick.

Salopp gefragt: Was bringt eigentlich ein Theater? Wie wirkt es sich wirtschaftlich aus und welchen Nutzen hat es für Menschen, die gar nicht hingehen? Diese und andere Fragen wurden in den letzten Monaten in Augsburg intensiv diskutiert. Auch der Förderverein „Wirtschaftsregion Augsburg“, eine Initiative der Industrie- und Handelskammer, hat sie sich gestellt. Um Antworten zu finden, beauftragte der Verein das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos mit einer Studie über das Dreispartenhaus und seine Einflüsse auf die Stadt. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Theater Augsburg im Vergleich mit sieben anderen

„Wir wollen damit keine Position beziehen, sondern die Fakten für eine sachliche Diskussion liefern“, macht Dieter R. Kirchmair vom Vorstand des Fördervereins deutlich. Wichtig war ihm deshalb auch, das Theater Augsburg nicht losgelöst zu betrachten, sondern den Vergleich mit anderen Städten und Theatern zu ziehen. Ein Überblick über die Studie:

Ausgangsbasis: Ein Vergleich ist nicht so einfach, denn obwohl Deutschland europaweit eines der größten Angebote an Theatern hat, gibt es nicht viele Häuser, die dem Augsburger ähnlich sind. Ermittelt wurden sie so: Prognos wählte zunächst die Theater in Großstädten mit 100.000 bis 500.000 Einwohnern aus und glich dann das Angebot an Plätzen je 1000 Einwohner ab. Eine weitere Voraussetzung war, dass nur Theater mit mindestens zwei Sparten für den Vergleich herangezogen werden. Am Ende blieben sieben Häuser übrig: die Staatstheater Kassel und Braunschweig, das Nationaltheater Mannheim, die Theater Freiburg, Regensburg und Ingolstadt und das Mainfranken Theater in Würzburg. Bis auf Ingolstadt, das weder über die Sparten Ballett noch Konzert verfügt, sind all diese Theater so breit aufgestellt wie Augsburg: Es gibt Musiktheater, Schauspiel, Tanz und Konzert.

Zuschüsse: Im Vergleich zu anderen Theatern benötigt das Augsburger Haus laut Prognos vergleichsweise wenig öffentliche Zuschüsse. Gerechnet auf die Bevölkerungszahl zahlt die Stadt Augsburg im Jahr 54 Euro pro Einwohner und liegt damit unter dem Schnitt fast aller verglichenen Theater. Nur Braunschweig hat mit 42 Euro eine niedrigere Bezuschussung, Mannheim liegt mit 107 Euro an der Spitze.

Öffnung: In der Diskussion um die Augsburger Sanierung wurde immer wieder gefordert, dass das Theater sich öffnen muss. Laut Prognos ist es in dieser Hinsicht ziemlich weit – zumindest, was die Zahl an Gastspielen betrifft, die in Augsburg stattfinden oder für die das Augsburger Ensemble auf Reisen geht. So wurden in der Spielzeit 2014/2015 zwölf Prozent aller Veranstaltungen im Theater Augsburg von externen Veranstaltern bestritten; seien es nun Augsburger Akteure oder Ensembles aus anderen Städten und Ländern. Besser steht im Prognos-Vergleich nur Freiburg mit 14 Prozent da. Nichtsdestotrotz gibt es hier nach Ansicht vieler Augsburger Kulturschaffender Verbesserungsbedarf. Da das Theater Augsburg selbst über die Vermietung seiner Spielstätten entscheidet, haben die Belange des Dreispartenhauses stets Vorrang vor anderen Anfragen. Die freien Ensembles wünschen sich deshalb einen Raum, der für sie zur Verfügung steht. Dass der Theater-Neubau hinter dem Großen Haus einen Multifunktionsraum bekommen soll, halten sie für gut. Allerdings: Für viele kleinere Ensembles wird er wohl zu groß sein. Die Befürchtung ist zudem, dass für Externe auch in diesem Saal nicht genügend Termine frei sind.

Bei einer Theatersanierung bliebe das Geld in Augsburg

Ausstrahlung: Kultur ist ein sogenannter „weicher Standortfaktor“. Eine Stadt, die entsprechende Angebote vorhält, gilt als attraktiv und lebenswert, sagt Peter Lintner, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK. Fachkräfte, die auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz sind, werden ihre neue Heimat laut Lintner nicht nur wegen eines guten Jobs auswählen, sondern auch wegen des Umfelds, das der neue Wohnort bietet. Ein Theater sei ein wesentlicher Faktor.

Wirtschaftliche Auswirkung: Was ein Theater der Stadt wirtschaftlich „bringt“, ist in Cent und Euro schwer darstellbar. Prognos hat jedoch Hochrechnungen aufgestellt. Grundlage sind einerseits die Theaterbesucher, die ihre Karte kaufen, den Theaterbesuch mit einem Bummel oder einem Restaurantbesuch verbinden. Andererseits gibt es die Mitarbeiter des Theaters, die hier Miete bezahlen, einkaufen und Steuern zahlen. Alles zusammengerechnet fließen so jährlich 32,8 Millionen Euro in den Wirtschaftsraum Augsburg. Rechnet man Touristen mit ein, die in Augsburg eventuell ins Theater gehen, sind es 38,4 Millionen. Zum Vergleich: Das Theater erhält jährlich rund 22,7 Millionen Euro an Zuschüssen von Stadt (14,8 Mio.) und Freistaat (7,9).

Sanierung: Der städtische Anteil an der Theatersanierung liegt nach derzeitiger Planung bei 91 Millionen Euro. Prognos geht davon aus, dass viele Aufträge in der Region vergeben werden. Laut Lintner beträgt dieser Anteil bei Bauprojekten im Schnitt 88 Prozent. „Selbst wenn auswärtige Dienstleister beauftragt werden, bleibt aber Geld in Augsburg, weil diese Menschen hier essen und übernachten müssen“, sagt Thomas Schörg, Regionalgeschäftsführer der IHK für den Wirtschaftsraum Augsburg. Hochgerechnet auf die gesamte Sanierungszeit könnten in der Region Umsätze in Höhe von 365 Millionen Euro zusammenkommen. Der städtische Anteil der Sanierung mache sich vor diesem Hintergrund laut Schörg eher gering aus.

Mehr zum Thema:

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.10.2016

Die unterschiedlichen städtischen Investitionen bringen auch unterschiedliche Wertschöpfung hervor. Zum Theaterstandort gibt es auch Studien der Max-Planck-Gesellschaft oder der Wirtschaftsuni HTWK in Leipzig hier: https://www.mpg.de/604734/pressemitteilung20100805

oder hier:

http://www.miz.org/dokumente/2014_HTWK_Studie_Umwegrentabilitaet_Kurzfassung.pdf

Die wirtschaftliche Bedeutung gerade von Theatern für die Städte ist immens. Das weiß die Wirtschaft (in diesem Artikel vertreten von der IHK) und die Politik weiß es und es kommt dann auch bei den Bürgern an.

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20.10.2016

Es ist erschreckend, wie man sich in Augsburg wegen der Theatersanierung das Leben schwer macht. In anderen bayerischen Städten wäre die Sanierung gar keine Frage. Die Investition ist eine Investition in die Zukunft und lohnt sich allemal! Irgendwann wird man froh sein, daß man das Theater in funktionsfähigem Zustand noch hat!

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20.10.2016

Will man uns für dumm verkaufen?

Weil Theatermitarbeiter Mieten bezahlen, fließt durch das Theater Geld in den Wirtschaftsraum Augsburg? Wie blöd ist das denn? Tut mir leid, allmählich reißt einem der Geduldsfaden. Wir haben in Augsburg akute Wohnungsnot und wenn die Wohnungen nicht von Theatermitarbeitern bewohnt werden, dann eben von anderen Menschen!

Im Gegenteil könnte man, wenn man sich auf dieses Niveau begeben wollte, behaupten, dass eine Aufgabe des Theaterstandortes die Wohnungsnot in Augsburg lindern könne.

Dieselbe Milchmädchenrechnung hinsichtlich der vergebenen Aufträge. Sicherlich fließt ein Teil davon als Einnahmen an die Stadt zurück. Aber die Zahlen gegenüberzustellen, und zu suggerieren, es sei blöde, wenn man nicht mit 91 Mio Euro geschätzte 365 Umsatz generiere ist schon dreist.

Wenn man die 91 Mio nämlich für andere Investitionen aufbrächte, wäre der Rückfluss derselbe. Es ist nicht so, dass es in der Stadt Augsburg keine anderen brennenden Aufgabenbereiche gäbe und der Vorwurf bzw. die Sorge lautet genau, dass die jährlichen 3,85 Mio, die das Theater auf xx Jahre bindet keine anderen wichtigen Projekte angegangen werden können.

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20.10.2016

Es ist interssant, wie die IKSA auf ihrer Facebook-Seite jetzt rigeros Kommentare löscht und Kommentatoren blockt. Es tauchen dort halt immer wieder Fakten auf, die nicht in das verbreitete Bild der Initiative passen. Herr Idrizovic möchte sachlich und fair sein, arbeitet jedoch dabei mit falschen Angaben.

Herrn Achatz selbst wurde noch nie ein Vorwurf wegen Kostensteigerung gemacht. Es gibt in Augsburg für das Große aus einen Kostenpuffer von 30%. In München wurde dieser Puffer im Vorfeld von der Politik gestrichen. Herr Rösener ist kein Brandschutzgutachter sondern macht Betonbau für Tiefgaragen. Das gesamte große Haus ist denkmalgeschützt.

Nur um ein paar Fakten zu nennen bzw. zurechtzurücken.

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