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Augsburg

27.11.2018

Was löste die Irrfahrt des Augsburger Taxifahrers aus?

Er rammte zwei Autos, eines davon frontal. Alle Beteiligten wurden nur leicht verletzt.
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Er rammte zwei Autos, eines davon frontal. Alle Beteiligten wurden nur leicht verletzt.
Bild: Dominik Bartl

Plus Warum ist ein 80-jähriger Taxler in die falsche Richtung gefahren und hat zwei Autos gerammt?  Der Anwalt des Mannes nennt Angaben der Polizei reine Spekulation.

Gut eine Woche nach der dramatischen Geisterfahrt eines 80-jährigen Taxifahrers aus Augsburg auf der A95 ist die Polizei noch immer auf der Suche nach der Ursache. Der 80-Jährige fuhr mit rund 150 Stundenkilometern in die falsche Richtung. Sein Taxi krachte gegen zwei andere Autos. Nach Informationen unserer Redaktion wird der Taxifahrer derzeit in einer Klinik für Neurologie und Psychiatrie behandelt. Die Ermittler der Polizei hoffen, noch in dieser Woche mit dem 80-Jährigen sprechen zu können.

Der Unfall hatte eine Debatte darüber ausgelöst, ob es eine Altersgrenze für Taxifahrer geben sollte. Bisher gibt es das nicht. Schon jetzt ist es so, dass sich Taxifahrer aber alle fünf Jahre von einem Mediziner untersuchen lassen müssen. Ab einem Alter von 60 Jahren fällt der Gesundheits-Check noch umfangreicher aus. Bei der Augsburger Taxigenossenschaft kennt man den 80-Jährigen und stufte ihn als sehr zuverlässig ein. Gearbeitet habe der Mann auch im höheren Alter noch, um sich seine Rente aufzubessern, sagt sein Anwalt Michael Weiss.

Wird er nicht mehr weiterbeschäftigt?

Damit wird es nun aber aller Voraussicht nach vorbei sein, unabhängig vom Ergebnis der Ermittlungen und dem weiteren Gesundheitszustand des Fahrers. Denn das Taxiunternehmen, für das der Mann gearbeitet hat, will ihn nach Informationen unserer Redaktion jetzt nicht mehr weiterbeschäftigen.

Dass die Polizei ziemlich genau weiß, wie schnell der Taxifahrer als Geisterfahrer unterwegs war, liegt an einem Handyvideo. Ein Autofahrer aus dem Kreis Weilheim-Schongau sah das Taxi auf der Gegenfahrbahn. Es fuhr parallel zu ihm in die gleiche Richtung – aber eben auf der anderen Seite des Fahrbahnteilers. Der Autofahrer filmte das Taxi, schwenkte auf den eigenen Tacho, der Tempo 150 anzeigte, und wieder zurück auf das Taxi, das durch das gelbe Schild deutlich erkennbar ist. Das einige Sekunden lange Video liegt der Polizei vor. Den Unfall hat der Mann nicht gefilmt. Danach hat er sich aber als Zeuge bei der Polizei gemeldet.

Kritik an Handyfilmer

Die Filmsequenz hilft den Ermittlern zwar dabei, den Ablauf des Unfalls zu rekonstruieren. Dennoch ist man bei der Polizei alles andere als glücklich über den fahrenden Handyfilmer. Er habe kein Verständnis für den Autofahrer, sagt Hubert Schwaiger, der Leiter der Verkehrspolizei in Weilheim. „Es wäre schön gewesen, wenn er stattdessen einen Notruf abgesetzt hätte“ Bei Tempo 150 zu filmen? „Das scheint mir genauso bedenklich“, sagt der Beamte. Gegen den Zeugen werde deshalb ermittelt, aber auf dem Verwaltungsweg. Das heißt, die Führerscheinstelle wird prüfen, ob der Mann charakterlich geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen.

Der Chef der Verkehrspolizei ist sofort selbst zur Autobahn gefahren, als er von den Unfall auf der Höhe von Wolfratshausen erfuhr. Dort habe er zitternde Kollegen angetroffen, erzählt Schwaiger. Eine Polizeistreife, die den Geisterfahrer stoppen sollte, wäre fast selbst frontal erwischt worden. Schwaigers Kollegen konnten gerade noch bremsen, als das Taxi vor ihren Augen die Autos rammte. Die Polizei hat den Verdacht, dass der Mann, der an Diabetes leiden soll, in einen Zustand der Unterzuckerung gefallen sein könnte. Bei einer fortgeschrittenen Unterzuckerung sind als Folgen wie Verhaltens- und Bewusstseinsstörungen möglich.

Anwalt spricht von Spekulationen

Rechtsanwalt Michael Weiss entgegnet, das sei bisher reine Spekulation. Konkrete Indizien, dass bei seinem Mandanten eine Unterzuckerungen vorgelegen habe, gebe es bislang nicht. Er kritisiert, dass die Polizei solche Spekulationen verbreite. Er sei zudem „verwundert“, dass die Polizei ohne sein Wissen mit dem Taxifahrer sprechen wolle. Der Anwalt kündigt an, sich erst nach der Akteneinsicht äußern zu wollen. Klar scheint aber, dass sich der 80-Jährige in einem verwirrten Zustand befunden haben muss. Er hatte an diesem Tag eine Kurierfahrt in Richtung Starnberger See. Als er nachmittags noch immer nicht zurück war und sich die Ehefrau Sorgen machte, verständigte die Taxizentrale den Taxiunternehmer – und der rief bei der Polizei an.

Es gelang noch, das Taxi zu orten. Doch die Polizei konnte den Wagen nicht mehr rechtzeitig stoppen. Dennoch hatten alle Beteiligten noch Glück im Unglück. Der Taxifahrer und die beiden Insassen der gerammten Autos, eine 51-jährige Frau und 37-jähriger Mann, wurden alle mittelschwer verletzt. Aus Sicht der Polizei grenzt es an ein Wunder, dass niemand gestorben ist. Hinweise auf einen möglichen Suizidversuch gebe es nicht, heißt es.

Was sagt der Polizist Hubert Schwaiger zur Debatte über eine Altersgrenze am Steuer? Fakt sei zumindest, meint er, dass die meisten Geisterfahrer, mit denen es die Polizei zu tun bekomme, höheren Alters seien. Sie seien wohl nicht mehr in der Lage, die richtige Spur zu erkennen und nähmen versehentlich die falsche. Eventuell sei es Reizüberflutung bei den vielen Schildern, sagt er. Die meisten Fälle gehen Schwaiger zufolge aber glimpflich aus – oft mit viel Glück.

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