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04.10.2010

Was macht die Tänzerin in der Basilika?

Gabriele Hofweber tanzt in der Ulrichskirche ihre Geschichten zu Orgelstücken. Foto: Annette Zoepf
Bild: Annette Zoepf

"Wie geht das nur? Der Organist spielt hier, die Töne aber kommen von da?" Die Kinder, die zu Beginn der Langen Nacht der Kirchen Augsburgs größte Kirchenorgel in St. Anton erkunden, können helfen: "Weil da die Pfeifen sind!", rufen die, die schon Flöte spielen.

Organist Wolfram Gäfgen kann nur staunen. Sein riesiges Instrument birgt freilich noch andere Geheimnisse. Zum Beispiel den höchsten Ton, den man kaum mehr hören kann ("Wie eine Hundepfeife", sagt eine Mama). Oder die tiefste Pfeife, die brummt und wummert. Wolfram Gäfgen spielt sie mit den Füßen. Als hätte er nicht schon genügend Tasten in den vier Reihen vor ihm auf dem Spieltisch. Und noch mindestens hundert Schalter rechts und links, die ganz unterschiedliche Klangfarben erzeugen. Aber das Aufregendste für die Kinder ist dann der Blick hinter die Verkleidung in die Eingeweide der Orgel, wo der große Blasebalg liegt, den sogar ein Kind ganz leicht zusammendrücken kann.

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Zum sechsten Mal haben Augsburger Kirchen ihre Türen auch in der Nacht geöffnet. In der Barfüßerkirche hallen die ruhigen Lobpreisgesänge der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé schon durch den Kreuzgang: "Bless the Lord my soul ...". Den Weg in die Kirche säumen Stelen der Künstlerin Bali Tollak. Auf ihren "Seelenbrettern" hat sie fromme Sprüche notiert und illustriert. Da pulst ein Herz aus vielen Konturen in rot und gelb mit einem Strahlenkranz und darunter liegen Wellenlinien wie ein Schmerzdiagramm. "Gott hilft uns nicht am Leben vorbei, aber er hilft uns durch", steht dabei. Ein Wald in herbstlichen Rottönen, gespiegelt in einem Weiher, steht für die Bilanz eines Lebens: "Die Jahre lehren viele Dinge, die man von Tagen nicht lernen kann."

Im Dom rezitiert bei spärlicher Beleuchtung Herbert Bruggner, Präfekt der Domsingknaben, bedeutungsschwere Gedichte. "Du kamst am letzten Tag, Da ich des Harrens siech, Da ich des Betens müd", dichtete Stefan George. Und Julian Müller-Henneberg spielt matte, seufzende Töne auf der Marienorgel. Der bilderreichen, aufrüttelnden "Ode an niemand" von Hans Magnus Enzensberger fügt der Organist allerdings nicht die passenden erschütternden Töne an, die die Musik des 20. Jahrhunderts gefunden hat. Allenfalls beschwört er das Mysterium und wagt in aufsteigenden Bewegungen den Ruf: Wo bist du? Und wabernd wie herbstliche Nebel, entsteigend der dunklen Tiefe, kommentiert die Orgel den expressiven "Psalm" von Georg Trakl.

Mit ihren tänzerischen Bewegungen und der Sprache der Pantomime erzählt in St. Ulrich und Afra die Tänzerin Gabriele Hofweber ihre Geschichten zu verschiedenen Orgelstücken, die Peter Bader vorträgt. Den ganzen Altarraum, die Stufen und den Gang schöpft sie in ihren Figuren aus, anfangs anmutig mit zwei orange-roten Tüchern, später nur als schlanker, schwarz gekleideter Körper. Verehrung und Hingabe entnimmt man ihren Figuren, mädchenhaft unbeschwerte Lebensfreude und - zur Toccata von Theodore Dubois - eine ganze Liebesgeschichte mit verlegener Annäherung, Glück, Verzweiflung einer Abgewiesenen und schließlich neuer Hoffnung und neues Lachen. Applaus einer gebannten Zuschauergemeinde folgt einer so leichtfüßigen Darbietung auf dem Fuße.

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