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11.10.2015

Was sich die Augsburger Pendler wünschen

Ein Blick auf den Hauptbahnhof vom Hotelturm aus: In der Bildmitte links liegt die Baustelle für den Bahnhofstunnel im Bereich der Gütergleise, rechts liegt das Bahnhofsgebäude mit Bahnsteigen.
Bild: Wyszengrad

Immer mehr Menschen in der Region nutzen den Zug – aber nicht immer aus voller Überzeugung. Denn bei aller Freude hakt es noch an vielen Stellen im Nahverkehr.

Wer sich unter Bahnpendlern umhört, der bekommt meist nicht viel Freundliches über das Transportmittel zu hören. Ganz oben stehen Verspätungen, dann kommen die Themen Überfüllung, Takthäufigkeit und Anschlüsse. Und gleichzeitig erlebt der Regionalbahnverkehr einen Aufschwung in der Region, seitdem der Freistaat ein S-Bahn-ähnliches Konzept finanziert. Die Zuwachsraten sind beachtlich. Wie passt das zusammen?

Mit der Bahn, aber nicht aus Überzeugung

Es zeigt zunächst einmal, dass in der Region ein Bedürfnis nach Mobilität herrscht. Zum Glück, denn das ist auch ein Zeichen für wirtschaftliche Aktivität. Die Nähe zu München als Arbeitsort spielt eine Rolle, vor allem aber wird zwischen Augsburg und den beiden Landkreisen hin- und hergependelt. Das Auto allein befriedigt dieses Bedürfnis aus praktischen, finanziellen und ökologischen Gründen nicht mehr, auch wenn es dominierend bleibt. Die täglichen Blechlawinen – etwa in Diedorf oder an der B2 in Kissing/Mering – sind augenfällig. Ein Teil der Pendler steigt auf die Bahn um, wenngleich wohl nicht immer aus voller Überzeugung, sondern weil sie die beste – und in manchen Fällen – einzige Alternative ist.

Es ist noch viel zu tun

Um aus ihnen wirklich überzeugte Kunden zu machen, ist noch viel nötig. Der viergleisige Ausbau der Strecke nach München für mehr Fahrplanstabilität war ein Baustein, auch wenn die Zahl der Verspätungen immer noch zu hoch ist. Bahnhöfe müssen aufgemöbelt werden – das gilt für den Augsburger Hauptbahnhof, wo sich einiges tut, für die Stadtteilbahnhöfe wie Oberhausen und endet bei den Haltepunkten auf dem Land. Die Bahn muss komfortabler und bequemer werden – Stehplätze über eine Dreiviertelstunde Fahrzeit zählen nicht dazu. Die 3. Gleise sind – leider seit etlichen Jahren – ein altbekanntes Thema. Und die Verknüpfung zwischen den Verkehrsmitteln muss besser werden. Das bedeutet zum Beispiel: am Anfang der Mobilitätskette – bei den Bahnhöfen auf dem Land – überall ausreichend P+R-Plätze.

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Kette muss besser werden

Am anderen Ende der Kette muss die Verknüpfung zwischen Bahn und Nahverkehr besser werden. In Augsburg werden in acht Jahren Straßenbahn und Züge im Hauptbahnhof zusammenrücken, sobald der Bahnhofstunnel fertig ist. Dieses Zusammenrücken ist der richtige Weg, auch wenn es angesichts der Kostensteigerungen nachvollziehbare Kritik gibt. Immerhin: Seit zwei Wochen ist klar, dass das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz als Fördergrundlage über das Jahr 2019 hinaus verlängert wird. Das macht die Förderung für den Bahnhofstunnel verlässlicher.

Tram in die Region?

Auch wenn der Augsburger Stadtwerke-Chef Walter Casazza sinnvollerweise das Bestreben hat, Tramlinien über die Stadtgrenze hinaus fahren zu lassen (Königsbrunn, Neusäß) – die Aufgaben einer Stadtbahn oder einer S-Bahn kann die Tram nicht wahrnehmen. Innerhalb der Region ist die Bahn das Rückgrat des Nahverkehrs. Mit der Verknüpfung am Bahnhof wird das Tramnetz indirekt in die Region verlängert, umgekehrt kommt die Bahn im übertragenen Sinn so in die Stadtteile.

Woher kommt das Geld?

Es gibt also noch jede Menge Aufgaben zu erledigen. Was den S-Bahn-ähnlichen Verkehr betrifft, ist Augsburg ein gutes Stück vorangekommen, aber bei Weitem noch nicht am Ziel. Dafür wird noch jede Menge Geld nötig sein, auch für die laufende Finanzierung des Betriebs. Denn ein dichter Bahntakt ist rein aus Fahrkartenverkäufen nicht zu finanzieren, sondern muss subventioniert werden. Daran ist auch nichts Problematisches – schließlich werden Straßen auch aus Steuermitteln gebaut. Ob genug Geld da ist, wird sich zeigen. Bund und Länder haben sich vor wenigen Wochen auf eine Erhöhung der sogenannten Regionalisierungsmittel verständigt, die in den Bahnausbau fließen. Allerdings blieb das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück.

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