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Regio-SommertourenSerie (6)

29.08.2019

Wasserschlösser im Gründerzeit-Stil

Das LEW-Lechmuseum in Langweid ist an diesem Sonntag geöffnet.
Bild: Marcus Merk

Mit den Wasserkraftwerken am Lech hielt die Industrialisierung in Augsburg Einzug /

Eine neue Zeit brach ab Mitte des 19. Jahrhunderts an: Die aufstrebende Industrie in der gesamten Region Augsburg entwickelte einen fast unstillbaren Hunger nach der modern gewordenen elektrischen Energie.

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Doch der ungestüme Lech war zur Stromgewinnung technisch noch nicht zu bewältigen. Seitenkanäle mussten deshalb wichtige Hilfsdienste verrichten. So der Ablaufbach in der Wolfzahnau, der das Wasser der Augsburger Lechkanäle schon seit dem Mittelalter wieder zum Lech zurückbringt.

Ein junger Spund ist dagegen der Lechkanal zwischen Gersthofen und Ellgau, mit dessen Bau 1898 begonnen wurde. Insgesamt vier Projekte zur Gewinnung von – so nannte man es – elektrophysikalischer Energie konnten so entstehen. Das Kraftwerk Gersthofen entstand 1901, das Wolfzahnau-Werk 1902 und die Anlagen in Langweid 1906 sowie in Meitingen 1922. Dieses nasse Quartett hat eine Gemeinsamkeit: Es ist die Gründerzeitarchitektur des Historismus, von der sie Zeugnis ablegen. Und trotz aller Historie: Sie liefern immer noch Strom, diese vier technischen Legenden!

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Viel über diese vergangene Welt erzählt das im Wasserkraftwerk Langweid entstandene Lechmuseum, wo ein gutes Stück regionaler Industriegeschichte dokumentiert wird. Etwas kommt hinzu: Ein Radweg gibt Gelegenheit, die vier Wasserschlösser genüsslich abzustrampeln, wobei das Wolfzahnau-Wasserkraftwerk – im Urwald zwischen Lech und Wertach angesiedelt – nur aus gebührender Entfernung und über den Lech hinüber bewundert werden kann. Es wäre jedenfalls eine eigene Besichtigung wert.

Eines konnte nicht ausbleiben: Die „Industrialisierung“ des Lechs nördlich von Augsburg hat diesem viel von seiner vitalen Ursprünglichkeit entzogen. Mit großem Aufwand mussten und müssen deshalb heute noch ökologische Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden.

Nur träumen konnte Augsburg von etwas anderem: Man plante zwar, den 28 Meter breiten Lechkanal von Ellgau aus nach Donauwörth fortzusetzen und am Oblatterwall eine Hafenanlage zu konzipieren. Beim Gersthofer Wehr mit seiner Staustufe wurde sogar schon auf behördliche Anordnung hin eine Schiffspassage- und Schleusenanlage installiert. Doch letzthin setzten sich die Eisenbahnen durch, was Augsburg freilich nicht zum Nachteil gereichte.

Ab der MAN-Lechbrücke (Hans-Böckler-Straße/Leipziger Straße) führt der Radweg auf der Lech-Ostseite nach Gersthofen. Von hier aus weiter den Weg zwischen Lech und Lechkanal bis Kraftwerk Meitingen benützen. Entfernung einfach 20 km. LEW-Lechmuseum Langweid Es ist jeweils am ersten Sonntag des Monats von 10 – 18 Uhr geöffnet. Gruppenbesichtigungen nach telefonischer Vereinbarung auch außerhalb dieser Zeiten möglich. Eintritt kostenlos. Näheres: Tel. 0821/ 3281651 und www.lechmuseum.de. Einkehr Gasthof Neuer Hubertushof, Hubertusplatz 2, Firnhaberau, Tel. 0821/74 20 24 sowie Wirtshaus am Lech, Leipziger Straße 50, Telefon 0821/707074.

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