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Augsburg

31.03.2020

Welche Kriminellen von der Corona-Krise profitieren - und welche nicht

Durch die strengen Corona-Regeln ändern sich auch die Aufgaben der Polizei. So müssen die Beamten zum Beispiel die Ausgangsbeschränkungen kontrollieren.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Die Zahl der Wohnungseinbrüche wird in Zeiten der Ausgangsbeschränkung wohl zurückgehen, dafür muss die Polizei den Fokus nun auf andere Straftaten richten.

Die Menschen schauen jetzt genau hin, auch darauf, was sie in der Zeitung entdecken. Ein Foto von einer Vereinsversammlung sorgte in diesen Tagen dafür, dass bei der Augsburger Polizei eine Anzeige einging. Auf dem Bild waren langjährige Vereinsmitglieder zu sehen, die geehrt wurden – und dabei dicht beieinander standen. Gegen die Corona-Regeln, stellte sich heraus, hat hier keiner verstoßen. Das Foto ist früher entstanden. Die Polizisten in der Region haben gerade viel mit den Folgen der Coronakrise zu tun. Sie sind unter anderem damit beschäftigt, Hinweisen auf Verstöße nachzugehen. Doch wie wirkt sich die Situation auf die Kriminalität insgesamt aus? Sind es nicht nur schwierige Zeiten für die Wirtschaft, sondern auch für Kriminelle?

Corona in Augsburg: Weichen Straftäter jetzt einfach aus?

Bei der Polizei weiß man: Es liegt auf der Hand, dass sich die strengen Ausgangsbeschränkungen auch darauf auswirken, welche Straftaten sich in der Stadt abspielen – und welche nicht. So rechnet man bei der Augsburger Kripo etwa damit, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche zumindest vorübergehend stark zurückgehen könnte. Weil viele jetzt zu Hause bleiben, gibt es für Einbrecher weniger Möglichkeiten, zuzuschlagen. Und das Risiko ist groß, in einer Wohnung oder einem Haus auf die Bewohner zu stoßen. Umgekehrt ist man sich bei der Polizei aber auch bewusst, dass Kriminelle sich gezielt andere Objekte aussuchen – etwa Läden, Lokale oder andere Betriebe, die wegen der Coronakrise aktuell geschlossen sind.

Polizeibeamte auf Corona-Streife in der Augsburger Innenstadt.
Bild: Peter Fastl

Polizeisprecher Michael Jakob sagt: „Wir kontrollieren derzeit natürlich nicht nur, ob sich die Bürger an die Ausgangsbeschränkungen halten, wir nehmen auch gezielt Objekte in den Blick, die jetzt für Straftäter interessant sein könnten.“ Auch bei Gewalttaten wird sich etwas verändern. Weil Bars, Clubs und Diskotheken aktuell zu sind, gibt es deutlich weniger Ärger im Nachtleben, der sonst die Beamten vor allem in der Augsburger Innenstadt stark beschäftigt. Fachleute rechnen allerdings damit, dass es mehr Fälle von häuslicher Gewalt geben wird, wenn Familien dauerhaft auf engem Raum miteinander klarkommen müssen.

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In Augsburg lasse sich noch keine auffällige Entwicklung bei Gewalt in Familien und Partnerschaften beobachten, sagt Michael Jakob. Dafür sei der Zeitraum aber auch noch zu kurz. Verlässliche Aussagen könne man erst dann treffen, wenn die Beschränkungen länger in Kraft seien. Bayern hat die Corona-Regeln am Montag noch einmal um gut zwei Wochen verlängert – vorerst gelten sie bis zum 19. April. Bei häuslicher Gewalt ist zudem die Dunkelziffer relativ hoch. Opfer gehen öfter nicht oder erst spät zur Polizei.

Drogen werden auch immer mehr übers Internet verkauft

Krisenstimmung dürfte derzeit bei Drogenhändlern herrschen – zumindest bei jenen, die ihren Stoff auf der Straße verkaufen. An den klassischen Treffpunkten der Szene, etwa am Königsplatz oder vor dem Oberhauser Bahnhof, kontrolliert die Polizei genau, dass sich keine Grüppchen bilden und sich niemand hinsetzt. Beides ist im Moment nicht erlaubt, das soll die Ausbreitung des Coronavirus bremsen. Trotz der Verbote sieht man am Oberhauser Bahnhof immer wieder Menschen zusammensitzen. Das Verständnis in der Szene halte sich „in Grenzen“, sagt ein Polizeibeamter. Es sei aber deutlich weniger los als sonst.

Was den Drogenhandel angeht, beobachtet die Polizei schon länger, dass viele Geschäfte auch hier inzwischen über das Internet abgewickelt werden. Vor allem Modedrogen können in Internet-Shops bestellt werden. Dealer und Konsument kommunizieren zudem oft übers Handy. Und in Chatprogramme wie Whatsapp können sich die Ermittler nur schwer einklinken. In Berlin ist bekannt, dass Drogenhändler – auch außerhalb von Corona-Zeiten – sogar einen Bringservice anbieten. Speziell bei Kokain, das auch in den „besseren Kreisen“ beliebt ist. Erst Ende Januar ließ die Polizei in der Hauptstadt eine Bande auffliegen, die rund 800 Kunden beliefert haben soll. Dass es so etwas in organisiertem Stil auch in Augsburg geben könnte, ist der Polizei bisher zumindest nicht bekannt.

Wo sonst bei bestem Wetter tausende Menschen unterwegs sind, schafft die Corona-Pandemie eine beklemmende Szenerie.: Augsburg ist menschenleer, Augsburg ist eine Geisterstadt.
29 Bilder
Augsburg in der Corona-Krise: Bilder einer leeren Stadt
Bild: Klaus Rainer Krieger

Bislang halten sich nach Einschätzung der Augsburger Polizei auch die Versuche von Kriminellen in Grenzen, aus der Krise Profit zu schlagen. Einzelne Fälle in der Region gibt es aber, bei denen mutmaßliche Betrüger oder Trickdiebe an Haustüren klingelten und sich als Corona-Kontrolleure des Gesundheitsamtes oder als Desinfektions-Team ausgaben. Polizeisprecher Michael Jakob warnt auch vor einer neuen Variante des sogenannten Enkeltricks: Betrüger rufen vornehmlich bei älteren Menschen an und geben sich am Telefon als Enkel, Freunde oder sonstige Angehörige aus. Sie behaupten, dass sie wegen einer Covid-19-Infektion dringend finanzielle Hilfe für eine Krankenhausbehandlung benötigen. Wer im Internet auf dubiosen Seiten derzeit Schutzmasken oder Desinfektionsmittel gegen Vorkasse bestellt, der muss auch damit rechnen, dass er leer ausgeht – und sein Geld nicht mehr wieder sieht.

Nicht immer sind vermeintliche Kriminelle aber auch echte Kriminelle. Wie die Polizei meldet, riefen Anwohner in der Region Augsburg in diesen Tagen auch schon wegen einer Verwechslung die Beamten. Die Anwohner beobachteten verdächtige Menschen in Schutzkleidung. Tatsächlich handelte es sich in diesem Fall aber um ein Ärzteteam, das im Auftrag der Behörden Menschen auf das Coronavirus testete. Einen wichtigen Unterschied gibt es aber: Die echten Tester verlangen bei den Vor-Ort-Terminen nie eine sofortige Bezahlung.

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