1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Weltbild-Mitarbeiter fürchten Verkauf an „Heuschrecken“

Betriebsversammlung

25.11.2011

Weltbild-Mitarbeiter fürchten Verkauf an „Heuschrecken“

1900 Mitarbeiter beschäftigt die Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg. Noch ist unklar, welche Folgen ein Verkauf des Unternehmens für die Menschen in dem Unternehmen hätte.
Bild: dpa

Die Beschäftigten von Weltbild haben einen wichtigen Etappensieg erreicht: In einer Vereinbarung soll geregelt werden, wie es mit dem Standort Augsburg weitergeht.

Nachdem Firmenchef Carel Halff zunächst keine Bereitschaft gezeigt hatte, mit Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi über die Sicherung ihrer Interessen zu reden, sagte er bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag entsprechende Verhandlungen zu. In der Vereinbarung soll geregelt werden, dass für die Belegschaft die Tarifverträge weiterhin gelten, keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden und der Standort Augsburg erhalten wird.

"Ein Schnäppchen für Käufer"

Außerdem verlangen die Arbeitnehmer, dass die Verlagsgruppe weder zerschlagen noch an „Heuschrecken“ verkauft wird, die ausschließlich an hohen Gewinnen interessiert sind. Viele Beschäftigte befürchten dies, weil die bisherigen Eigentümer, zwölf katholische Bischöfe, das Medienhaus schlechtgeredet hätten. „Die Diskussion über pornografische und esoterische Bücher, aber auch der Auftrag zum Sofortverkauf machen Weltbild zu einem Schnäppchen für Käufer“, vermutet eine Mitarbeiterin. Vor knapp vier Jahren war ein erster Versuch, das Medienhaus (Jahresumsatz 1,7 Milliarden Euro) zu verkaufen, am Kaufpreis gescheitert.

„Wir haben unser momentan wichtigstes Anliegen erreicht“, erklärte der Vorsitzende des Betriebsrates, Peter Fitz, erleichtert gegenüber unserer Zeitung. Zwar hätte Halff zugesagt, beim Weltbild-Verkauf sollten „soziale und kirchliche Belange Beachtung finden“. Mit dieser Formulierung, die „alles und nichts bedeuten kann“, wollten sich weder Betriebsrat noch die Gewerkschaft Verdi zufriedengeben. Deren Sekretär Thomas Gürlebeck vermutet, dass seine Drohung mit Streiks im laufenden Weihnachtsgeschäft zu Halffs Meinungsumschwung beitragen hat.

Große Verunsicherung

prägt momentan die Stimmung unter den Beschäftigten, so Fitz. Neben der Zusage, über Arbeitnehmerrechte zu verhandeln, sei es eine gewisse Beruhigung, dass Carel Halff selbst den Verkauf über die Bühne bringen soll. „Er sieht Weltbild als sein Lebenswerk, das er erhalten wissen will. Er kennt die Branche und hat am ehesten die Chance, einen geeigneten Käufer zu finden.“ Wer dies sein könnte, kann sich Fitz im Moment aber nicht vorstellen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren