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Augsburg

11.11.2019

Weltweit einzigartiges Mikroskop für das Hörzentrum Augsburg

Einem Tonstudio ähnelt das bestens ausgestattete Hörzentrum der Augsburger Uniklinik am Standort Haunstetten. Oberarzt Tobias Strenger leitet das Zentrum. Das HNO-Zentrum in Haunstetten hat außerdem im OP-Saal ein bisher weltweit einzigartiges Hochleistungsmikroskop im Einsatz.
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Einem Tonstudio ähnelt das bestens ausgestattete Hörzentrum der Augsburger Uniklinik am Standort Haunstetten. Oberarzt Tobias Strenger leitet das Zentrum. Das HNO-Zentrum in Haunstetten hat außerdem im OP-Saal ein bisher weltweit einzigartiges Hochleistungsmikroskop im Einsatz.
Foto: Michael Hochgemuth

In Augsburg ist ein Hörzentrum entstanden, an dem tauben Menschen mit einem Implantat geholfen werden kann. Dabei kommt einzigartige Technik zum Einsatz.

Wer nichts hört, ist von der Gemeinschaft ausgeschlossen und bleibt oft auch in seiner sozialen Entwicklung zurück. Besonders schwierig sind Fälle, bei denen Sinneszellen im Innenohr abgestorben sind, denn dann hat es keinen Sinn, Töne etwa durch ein Hörgerät zu verstärken. Helfen kann aber ein Cochlea Implantat, das anstelle dieser Zellen Geräuschimpulse in Form elektrischer Signale an den Hörnerv weiterleiten kann. Das Einsetzen einer solchen Prothese ins Innenohr erfordert freilich umfangreiche Untersuchungen mit aufwendigem Geräteeinsatz. Im Klinikum Süd des Uniklinikums ist jetzt ein Hörzentrum für ganz Schwaben eingerichtet worden, das all diese Anforderungen erfüllt.

Implantat kann helfen

Der Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Prof. Johannes Zenk, kam 2014 von der Uniklinik Erlangen nach Augsburg. Dort hatte er bereits in einem Hörzentrum, dem größten in Deutschland mit jährlich 140 operierten Patienten, gearbeitet. Zudem hatte er ab 1996 in Homburg/Saar ein weiteres Zentrum mit aufgebaut. Er stellte fest, dass auch in Augsburg eine solche Einrichtung gebraucht wird, damit die Leitlinien für die Versorgung mit Cochlea Implantaten erfüllt werden können. Künftig sollen jährlich 40 bis 50 Patienten versorgt werden. Die Zahl der implantierten Patienten ist bereits seit 2014 von zwei auf 41 angestiegen. Somit war es sicherlich einfacher, die nötigen Finanzmittel zu beantragen. 2018, noch kurz bevor das Klinikum offiziell zur Uniklinik wurde, gewährte der Bezirk knapp eine Million Euro – „das ging relativ schnell durch“, so Zenk.

Tests in der Hörkabine

Das Hörzentrum konnte in einem bis dahin weniger genutzten Gebäudetrakt im Erdgeschoss eingerichtet werden. Es besteht derzeit aus drei großen Hörprüfkabinen, von denen eine für die Untersuchung von kleinen Kindern geeignet ist. Eine Hörkabine gab es nach Aussage von Zentrumsleiter Dr. Tobias Strenger auch vorher schon – hineinsetzen konnte sich jedoch nur der Patient. Jetzt ähneln die Hörkabinen einem Tonstudio. Patient und untersuchender Arzt sitzen sich gegenüber, und der Patient ist von acht speziellen Lautsprechern im 360-Grad-Radius umgeben. Wenn nur ein Ohr ertaubt ist, so Strenger, ist zwar die Hörfunktion stark eingeschränkt, aber bei einem konventionellen Hörtest kann das gesunde Ohr das Ergebnis verfälschen. Die Hörkabinen sind außerdem so gebaut, dass Geräuschquellen von außen weitestgehend abgeschirmt sind – durch einen gepufferten Boden und eine versiegelte Raumschale.

Eine für Kinder unter sechs Jahren geeignete Kabine ist laut Strenger nötig, weil sie schlecht mitteilen können, ob sie etwas hören und was. Bei der Untersuchung wird also darauf geachtet, ob sie beim Spielen aufblicken und wohin ihr Blick fällt. Dazu gibt es einen sogenannten Mainzer Kindertisch. Zwar wurden auch schon vorher Kinder mit Hörstörungen in Augsburg behandelt. Nun ist jedoch auch mit der Implantation von Cochlea Implantaten bei Kindern begonnen worden.

Einzigartiges Mikroskop ist in Augsburg im Einsatz

Durch die Fördermittel des Bezirks konnten auch ein Digitaler Volumentomograf und ein Video-Nystagmographie-System angeschafft werden. Der Tomograf funktioniert ähnlich wie ein CT und kann sogar Unregelmäßigkeiten an den winzigen Gehörknöchelchen sichtbar machen. Durch Video-Nystagmographie werden Augenbewegungen gemessen, um einer Gleichgewichtsstörung auf die Spur zu kommen. Wird ein Cochlea Implantat eingesetzt, so muss zuvor auch eine Gleichgewichtsuntersuchung stattfinden. Und nicht zuletzt wurde für Operationen ein extrem leistungsfähiges OP-Mikroskop angeschafft, das die nötige Präzision bei Eingriffen am Mittel- und Innenohr gewährleistet. Augsburg ist damit die weltweit erste HNO-Klinik, an der dieses High-End-Mikroskop eingesetzt wird.

Ein Zentrum ist zwar laut Strenger keine geschützte Bezeichnung, bringt aber zum Ausdruck, dass hier spezialisierte Hochleistungsmedizin stattfindet. Eine offizielle Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Audiologie (DGA) ist in Planung. Planstellen für eine Audiologin und eine weitere Audiometristin sind geschaffen worden.

Vergleichbar mit München und Ulm

Laut Chefarzt Zenk kann sich Augsburg jetzt bei der Versorgung mit Cochlea Implantaten mit den Unikliniken in München und Ulm messen. Strenger war an der TU München tätig, bevor er nach Augsburg kam. „Wir haben jetzt beinahe ideale Voraussetzungen für unsere Arbeit“, sagte Zenk. Das Hörzentrum spielt für die HNO-Klinik neben der Patientenversorgung auch eine Rolle für zukünftige Forschungsarbeiten. Diagnostik und Therapie von Hörstörungen kann auch in Zusammenhang mit der Umweltmedizin, einem der Schwerpunkte der Uniklinik Augsburg, gesehen werden – denn Lärm ist eine Form von Umweltverschmutzung.

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