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Stadtplanung

28.11.2019

Wenn Widerstand zu spät kommt

Schön gewachsene Bäume und üppiges Grün sind aktuell dort zu finden, wo in den Lechauen am Griesle ein Baugebiet für die Firnhaberau genehmigt worden ist. Doch es gibt auch Proteste gegen 14 Einfamilienhäuser.
Foto: Michael Hochgemuth

Bauausschuss bleibt aus formalen Gründen bei der Linie zum Bebauungsplan zwischen Schillstraße und Lech. Bund Naturschutz und Verein Lebenswerte Firnhaberau scheitern mit ihren Einsprüchen

Es ging um ein eher kleines Baugebiet mit 14 Grundstücken. Doch Proteste in letzter Minute, bevor der Bebauungsplan zwischen Schillstraße und der Kleingartenanlage Griesle Rechtskraft erlangte, hätten den Bauausschuss der Stadt Augsburg beinahe dazu gebracht, den Planungsprozess zu stoppen. Die Einsprüche kamen vor allem vom Bund Naturschutz (BN), dem Verein Lebenswerte Firnhaberau und dem Freundeskreis Gärtnerhaus im Martinipark. Auch Ausschussmitglied Peter Uhl (CSU) machte sich diese Sichtweise zu Eigen. Er war jedoch der Einzige, der im Ausschuss gegen den Satzungsbeschluss stimmte.

Letztlich blieb der Bauausschuss aus formalen Gründen bei der Linie des Baureferats. Denn sonst hätte das Planverfahren von vorne beginnen müssen, und die Freigabe des Baugebiets hätte sich um mindestens ein Dreivierteljahr verzögert. Und das zum Zeitpunkt, als nur noch ein letzter Beschluss fehlte. Die meisten Ausschussmitglieder hatten aber auch inhaltlich kein Verständnis für die Argumente der Baugebietsgegner.

Ende 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, hier, in der Lechaue, Grundstücke für Einfamilienhäuser zu schaffen, vor allem für junge Familien. Es gebe zahlreiche Interessenten, die in Augsburg „händeringend“ nach einem Bauplatz suchen, sagte Stadtbaurat Gerd Merkle damals.

Das Baugebiet beim Griesle setzt sich aus mehreren Arealen zusammen. Im Nordwesten befand sich bis vor Kurzem eine Obdachlosensiedlung; jetzt ist es eine planierte Fläche. Im Südosten schließt sich eine Wiese an, die 1980 einmal als Landschaftsschutzgebiet vorgesehen war. Daneben liegt ein von Bäumen und Büschen umstandener Parkplatz, der für Besucher der Kleingartengaststätte gedacht ist. Dieser Parkplatz soll nur teilweise überbaut werden. Außerdem hat die Stadt den Anwohnern der Schillstraße die Möglichkeit gegeben, auf ihrem Grundstück ein weiteres Haus zu errichten. Davon wollen zwei Bürger Gebrauch machen. Zugelassen sind nur Einfamilienhäuser mit umgebendem Garten, um den Siedlungscharakter in der Firnhaberau zu erhalten.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung äußerten drei Bürger Kritik an der Planung. Richtig laut wurde der Widerstand Ende Juli beim Stadtteilgespräch im Neuen Hubertushof. Da war die Frist für Einwände und Kritik gerade abgelaufen. Die Ortsvorsitzende des BN, Christine Kamm, gab dennoch der Hoffnung Ausdruck, dass der Plan nicht in der vorliegenden Form beschlossen werden würde.

Die Gegner sind der Ansicht, dass mit dem Baugebiet Platz verschwendet wird. Die Einfamilienhäuser seien zudem nur für Wohlhabendere erschwinglich. Stattdessen wird für zwei- bis dreigeschossige Reihenhäuser im Bereich der früheren Obdachlosensiedlung plädiert, wie sie in der Firnhaberau bereits häufig vorkommen. Damit könnten so viele Wohnungen geschaffen werden, dass die Wiese und der gesamte Parkplatz erhalten bleiben könnten. Die Lechaue sei ein ökologisch wertvoller Grünstreifen, in den so wenig wie möglich hineingebaut werden solle. Man brauche auch Platz zur Verbreiterung des Lech, der sich immer mehr eintiefe. Kamm schrieb an die Ausschussmitglieder, der Bebauungsplan entspreche kaum heutigen Anforderungen.

Peter Uhl sagte im Ausschuss: „Wir wollen sichergehen, dass wir alles richtig machen. Deshalb sollten wir den Bebauungsplan überprüfen und den Satzungsbeschluss verschieben.“ Florian Freund (SPD) entgegnete, diese Diskussion sei schon geführt worden. Eine Verschiebung des Plans würde zu einem Aufschrei von Grundstückseigentümern und Wohnungssuchenden führen, und das kurz vor der Kommunalwahl. Dass die Häuser nicht für arme Schlucker seien – „das ist halt so“. Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) wies darauf hin, dass das Projekt „fast gestoppt“ sei, wenn es jetzt neu aufgerollt würde. Eva Leipprand (Grüne) betonte, die Einwände kämen nicht von ihrer Fraktion, sondern vom Bund Naturschutz. Sie selbst sei in dieser Sache „leidenschaftslos“. Gegen den Vorschlag mehrgeschossiger Reihenhäuser wurde vorgebracht, diese massive Bebauung sei gerade am Lech unpassend.

Am Ende herrschte kurz Unklarheit, ob ein Prüfantrag, wie von Uhl vorgebracht, zulässig wäre. Der Ausschuss könne jedoch, so Ausschussvorsitzender Stefan Quarg (SPD), den Satzungsbeschluss zurückstellen. Letztlich könne das aber bedeuten, dass ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden müsse. Willi Leichtle (SPD) schlug vor, die Verwaltung könne beauftragt werden, die geplante Wohnbebauung zu verdichten. Am Ende wurde wie vorgesehen der Satzungsbeschluss zur Abstimmung gestellt; er wurde bei einer Gegenstimme angenommen.

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