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Augsburg

25.03.2019

Wenn der Wahlkampf zur Gefahr für die Bäume wird

Die Reste des Wahlkampfes: Viele Baumstämme sind auch Monate nach der Landtagswahl noch immer von Kabelbindern umschlossen. Das kann die Bäume schädigen.
Bild: Michael Hochgemuth

Lange nach der Landtagswahl hängen an vielen Bäumen noch Kabelbinder, mit denen Plakate befestigt wurden. Auch die Grünen sind betroffen.

Der Wahltag liegt nun schon fünf Monate zurück. Am 14. Oktober 2018 haben die Menschen in Bayern einen neuen Landtag gewählt. Auch die Wahlplakate der Parteien sind längst wieder verschwunden. Doch wer genau hinschaut, der kann noch Überbleibsel sehen. An vielen Bäumen in der Stadt hängen zwar keine Plakate mehr. Die Kabelbinder aber, mit denen die Plakate befestigt worden sind, umschließen noch viele Baumstämme. Das Problem dabei ist: Werden diese Ringe aus Kunststoff nicht entfernt, können sie die Bäume schädigen.

Durch die Donauwörther Straße in Oberhausen fahren jeden Tag viele Autos. Das macht sie attraktiv für Wahlwerbung. Zudem ist die Straße gesäumt von Bäumen. Während des Wahlkampfs war fast kein Baum mehr frei von Werbung für Parteien und deren Kandidaten. Teils hingen sogar mehrere Plakate an einem Stamm. Jetzt, Ende März, befinden sich noch an rund 30 Bäumen Kabelbinder, die von der Wahlwerbung zur Landtagswahl stammen. Die Helfer, die die Plakate wieder eingesammelt haben, haben sie nicht entfernt. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) bestätigt auf Anfrage, dass die Kunststoff-Ringe für die Bäume gefährlich werden können.

Ein Augsburger Stadtrat hat schon 2017 darauf aufmerksam gemacht

Er sagt: „Langfristig führen die doch recht stabilen und dauerhaften Kabelbinder zu Schäden an Bäumen, da sie in die Rinde einwachsen können.“ Vor allem bei jungen Bäumen mit starkem Zuwachs sei das problematisch. Bei ihnen entstehe durch die Kabelbinder, falls diese nicht entfernt werden, eine Art Sollbruchstelle. Und die Wachstumszone der Bäume befinde sich direkt unter der Rinde. Der ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger hatte seine Kollegen im Stadtrat schon 2017 auf das Problem hingewiesen – und sie gebeten, auf die Entfernung aller Überbleibsel zu achten. Viel geholfen hat sein Appell nicht.

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In der Donauwörther Straße sind auch viele jüngere, schnell gefährdete Bäume betroffen. Für die Plakatierer sind Bäume mit dünneren Stämmen attraktiv. Hier ist es leichter, die Kabelbinder anzubringen. Auch die Partei des Umweltreferenten ist betroffen. Zahlreiche Kabelbinder, die in der Donauwörther Straße auch Monate nach der Wahl die Bäume noch in Ketten legen, stammen von Plakaten der Grünen. Das ist daran zu erkennen, dass teils noch die Fetzen der Plakate an den Kabelbindern hängen.

Die Grünen sagen, viele Plakate seien abgerissen worden

Ausgerechnet eine Öko-Partei, die mit ihrem Wahlkampf den Bäumen in der Stadt schadet? Melanie Hippke, Vorstandssprecherin der Augsburger Grünen, bedauert diese Situation. Man habe die Trupps, die in der Stadt plakatiert haben, darauf hingewiesen, auch die Kabelbinder alle zu entfernen. Das sei aber wohl zumindest teilweise nicht geschehen. Melanie Hippke erklärt das damit, dass zahlreiche Plakate durch Wind oder Vandalismus abgerissen worden sind. In solchen Fällen hätten die Plakat-Aufräumer mitunter wohl auch die verbliebenen Kabelbinder übersehen.

Hippke sagt, die Grünen hätten in der Vergangenheit schon den Vorschlag gemacht, auf Plakate an Bäumen zu verzichten. Alternativ hätten sie sich Ständer vorstellen können, die um Bäume herum aufgestellt werden. Das sei bei den meisten anderen Parteien im Stadtrat aber nicht auf Zustimmung gestoßen. Nachdem eine solche Reglung nicht zustande kam, wollten auch die Grünen nicht auf Plakaten an Bäumen verzichten. Augsburgs Straßen seien eben von vielen Bäumen gesäumt. Das sei eine gute Möglichkeit, die Wahlwerbung aufzuhängen, so das Argument.

Auf Anfrage unserer Redaktion kündigt die Grünen-Sprecherin an, die Partei werde die Bäume in der Donauwörther Straße noch mal kontrollieren. Wer weitere Rückstände von Plakaten entdecke, könne das jederzeit mitteilen. Umweltreferent Reiner Erben sagt, Mitarbeiter der Stadt würden die Bäume regelmäßig kontrollieren. Dabei würden auch Kabelbinder entfernt. „Je nach zeitlichem Ablauf kann es aber vorkommen, dass die Kabelbinder über Monate an den Bäumen verbleiben“, so Erben.

Es gibt andere Städte, in denen sind Wahlplakate an Bäumen verboten

Reiner Erben sagt, das Amt für Grünordnung habe sich wegen der Probleme mit nicht abgenommenen Wahlplakaten bereits vor Jahren an die für Wahlen zuständige Stelle der Stadt gewandt. Passiert ist bisher nichts. Erben sagt aber: „Aktuell befinden wir uns mit dieser Stelle beziehungsweise dem Ordnungsreferat noch in Abstimmung, welche Möglichkeiten des Einschreitens möglich sind.“ Dadurch, dass die Parteien heute oft auf Plakatständer verzichten, habe sich das Problem eher verschärft. „Optimalerweise“, sagt der Umweltreferent, sollten Plakate überhaupt nicht an Bäumen befestigt werden, um Schäden zu vermeiden. Für ein Verbot spricht er sich bisher aber nicht direkt aus. Es gibt Städte, etwa Bayreuth, in denen bereits ein solches Verbot gilt.

Lesen Sie den Kommentar: Wahlplakate müssen weg von den Bäumen

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