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Augsburg

13.03.2020

Wertvolle Puppen: Auch mit Barbies kann man Geld verdienen

Großer Andrang herrschte bei der Kunstsprechstunde im Café des Schaezlerpalais in Augsburg.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Ralf Schmitt ist Experte für alte Puppen: In Augsburg berät er Bürger, die mehr über den Wert ihrer Spielsachen wissen wollen. Eines ist beim Verkauf problematisch.

Der Andrang an diesem Nachmittag im Café des Schaezlerpalais ist groß. Es ist wieder Kunstsprechstunde, wie jeden Monat. Im Fokus stehen diesmal aber nicht „irgendwelche Kanäle“, sondern Dinge, mit denen fast jeder schon einmal gespielt hat und die einem deshalb besonders ans Herz gewachsen sind: Puppen und Barbies.

Vor allem ältere Besucher haben ihre eigenen oder geerbte Puppen mitgebracht. Manche denken über einen Verkauf nach und möchten den Wert ihrer Schätze erfahren. So wie Renate Krammer. Die Augsburgerin hat drei Puppen mitgebracht, die sie selbst als Kind geschenkt bekommen hat: „Ich habe aber lieber mit dem Bagger meines Bruders gespielt, ich war kein Puppenmädchen“, sagt sie. Der Zustand der Puppen ist dementsprechend gut, nahezu unbespielt. Das fällt auch Ralf Schmitt, dem Experten für alte Puppen und Barbies, sofort auf. Er ist nicht nur privat Sammler antiken Spielzeugs, sondern auch Sachverständiger in einem Aktionshaus und Dozent für Mode und Kunstgeschichte.

Vor allem ältere Besucher haben ihre eigenen oder geerbte Puppen mitgebracht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Für Renate Kramer hat er keine gute Nachricht: So viel Erlös wie erhofft werden die Puppen nicht bringen. „Viele, die in den 1970er und 1980er Jahren leidenschaftlich gesammelt haben, lösen ihre Sammlungen jetzt auf. Auch Erben haben oft andere Interessen und können nichts mit den Puppen anfangen“, erklärt Schmitt. Der Markt sei daher überschwemmt mit aufgelösten Sammlungen. Steigt das Angebot an, während die Nachfrage in etwa gleich bleibt, sinken die Preise. Das spürt heute auch Renate Krammer.

Kenner Ralf Schmitt bestimmt den Wert der Stücke nach festen Kriterien: Viele Puppen haben eine Markierung im Nacken oder auf dem Körper, die den Hersteller und die Serie angibt. Besonders wertvoll sind beispielsweise Puppen des Herstellers J.D. Kestner, der ab 1860 Puppen mit Porzellanköpfen produzierte. Das Material des Kopfes und des Körpers seien wichtig, ebenso wie die Funktion der Mechanismen, das Schließen der Augen etwa.

Kunstsprechstunde: Wichtig ist, dass die Puppen echt sind

Am wichtigsten aber sei die Authentizität der Puppen: Passt alles zusammen? Sind Teile repariert oder ersetzt worden? Ist die Kleidung noch original? Wer eine seltene und bei Sammlern gefragte Puppe besitzt, kann so schnell Preise von über 500 Euro erzielen – mit offenem Ende nach oben. Das Sammeln besonderer Puppen ist daher auch eine Wertanlage.

Kunstexperte Ralf Schmitt aus Trier beantwortete in Augsburg Fragen zu alten Puppen.
Bild: Silvio Wyszengrad

So betrachtet auch Daniel Bolkart seine Schätze. Zwei Dinge unterscheiden ihn von der Mehrheit der Besucher im Raum: Er ist jung, gerade 22 Jahre alt, und er interessiert sich nicht für antike Puppen, sondern für Barbies. Das Sammeln und Handeln liegt ihm im Blut. Seine Großmutter sammelt ebenfalls Puppen, sein Großvater besaß lange ein Antiquitätengeschäft. Die Leidenschaft für Puppen prägte ihn damit bereits als Kind, mit gerade 15 begann er zu sammeln. „Früher wurde ich dafür ausgelacht, heute verdiene ich eine Menge Geld damit“, sagt er.

Barbies der ersten Generation oder limitierte Editionen sind Gold wert. Sein bisher bester Verkauf: eine Bild-Lilli, erfunden von den Machern der Bild-Zeitung und gerne verschenkt als Späßchen unter Männern. Sie war die Inspiration für die berühmte Barbie-Puppe –schlank, blond, verführerischer Blick. Für 180 Euro gekauft, stößt Daniel Bolkart sie später für 2500 Euro wieder ab. Ein satter Gewinn für eine kleine Plastikpuppe.

Alte Puppen in Augsburg: Es zählt der emotionale Wert

Doch beim Sammeln von Puppen ist nicht der Wert des Materials entscheidend, sondern vor allem der emotionale. Sie erzählen eine Geschichte, geben Einblick in vergangene Zeiten. Ralf Schmitt erklärt: „Wenn man bei einer Puppe weiß, welches Kind damit gespielt hat, und vielleicht sogar ein Foto des Kindes hat, ist das fast schon ein Museumsstück.“

Auch wenn im Schaezlerpalais normalerweise keine Puppen ausgestellt werden, liegt Kunstsammlungsleiter Christof Trepesch die Veranstaltung, die seit zehn Jahren mit wechselnden Schwerpunkten stattfindet, am Herzen. Seine Priorität sei das Vermitteln von Kunst –genauso wie das Sprechen darüber. Und Kunst müsse nicht immer nur im Museum hängen, sagt Trepesch. Manchmal liege sie nämlich auch unerkannt auf dem Dachboden und warte nur darauf, entdeckt zu werden.

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