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Augsburg

29.08.2019

Wie Mittelschüler auf Klima, Natur und Sauberkeit achten

Das Kollegium der Werner-von-Siemens-Schule in Hochzoll erhielt vom Kultusministerium den Titel einer „Partnerschule Verbraucherbildung“. Konrektor Franz Sauer, die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Umwelt, Carola Fuchsbichler, nahmen mit zwei Schülerinnen die Auszeichnung in München entgegen.
Bild: Hochgemuth

Kultusministerium belohnt Hochzoller Werner-von-Siemens-Schule für ihr Engagement mit einem Titel und macht sie zur Partnerschule.

Mit den ebenso relevanten wie brisanten Themen ihrer Zeit beschäftigen sich die Schüler der Werner-von-Siemens-Mittelschule. Neben dem Unterrichtspensum, das der Lehrplan vorgibt, legt Rektorin Andrea Kempinger dos Santos mit ihrem Kollegium größten Wert auf eine umfassende Verbrauchererziehung. Jetzt erhielt die Bildungseinrichtung in Hochzoll-Nord mit zwölf weiteren in Schwaben als einzige Augsburger Schule den Titel „Partnerschule Verbraucherbildung Bayern“ des Kultusministeriums.

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Damit ist für Andrea Kempinger dos Santos bewiesen, dass Mittelschüler nicht zu unterschätzen sind. Wie sie sagt, geht ihr Engagement weit über die von Greta Thunberg aus Schweden angestoßenen „Fridays for future“ hinaus: Es umfasse viele Lebensbereiche, die auch zum eigenen Wohl eines sensiblen Umgangs bedürfen. Dazu gehören der Klimaschutz und die Vermeidung von Plastik ebenso wie die gesunde Ernährung oder die Sorge um Insekten durch Anlage von Blühwiesen.

Von schlechtem und besserem Plastik

Andrea dos Santos will erreichen, „dass ihre Schüler hinschauen“. In der Praxis heißt das, dass die Jugendlichen auf Anregung des Kultusministeriums nicht nur auf Sauberkeit im Schulhaus, sondern auch im Umfeld achten und deshalb ihr Pausenbrot nicht in Alu oder Zellophan verpacken. So hat die 7M ihren Mitschülern eine Brotzeitdose im Unterricht vorgestellt, die „zwar wieder aus Plastik“ sei, aber immerhin „aus gutem Plastik“. Sie sei wiederverwendbar und, weil stabil, sogar spülmaschinenfest. Vor allem aber sei sie frei von BPA – dem Hormongift Bisphenol A. Als Kunststoff Polycarbonat ist es in vielen Alltagsgegenständen – darunter in Babyschnullern, Plastikgeschirr oder Thermopapier – enthalten.

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Andrea Kempinger dos Santos und die 40 Lehrkräfte der Werner-von-Siemens Mittelschule wollen in ihrem Unterricht vor allem Alltagskompetenzen vermitteln. Der sehr praxisnahe Lehrstoff bei der Beschäftigung mit der grünen Brotzeitdose inklusive Gemüsefach umfasst die Themen Müll und Gesundheit ebenso wie Ernährung. Immer wieder müsse jedoch die Funktionsfähigkeit reflektiert werden, denn die Rektorin will nicht an Dingen festhalten, die nichts bringen. „Man muss Muster auch brechen“, sagt sie.

Auffallend ist ihrer Meinung nach, dass heute Lehrer für die Wissensvermittlung zuständig sind, die früher innerhalb der Familie stattfand. Auch wie die sogenannte „Klimabilanz“ positiv beeinfluss werden kann, wird im Unterricht behandelt. Die Rektorin nimmt Erdbeeren als ein gutes, weil beliebtes Beispiel. Werden sie im Winter gepflückt, stammen sie in der Regel aus südlichen Ländern, und müssen erst aufwendig nach Deutschland transportiert werden.

Wildbienen stechen nicht

Im kommenden Schuljahr will Andrea Kempinger eine Gartenbau-gruppe einrichten und einen Landschaftsgärtner mit ins Boot holen. Während allerorten in Augsburg Blühwiesen entstehen, um einem Bienen- und Insektensterben entgegenzuwirken, haben die Mittelschüler in ihrem Pausenhof bereits für ein Insektenhotel gesorgt. Nebenbei erfahren sie viel über einzelne Arten und wissen jetzt, dass etwa die Wildbiene nicht stechen kann, weil sie gar keinen Stachel zur Verteidigung hat. Auch die hohen Brennnesseln an der Bienenunterkunft sind kein Indiz für mangelnde Pflege, sondern bieten Schmetterlingen einen Platz, sich fortzupflanzen.

Obwohl die Werner-von-Siemens-Schule im Rahmen eines Schulausflug auch schon bei einer „Friday vor Future“-Demo war, erreicht sie ihre Mittelschüler umso mehr, je näher sie mit der Wissensvermittlung an deren Lebenswelt bleibt. So erfahren sie, dass sie ihre Brotzeitbox nur mit saisonalem Obst und Gemüse befüllen sollten, um den Transportweg für eine bessere Klima-Bilanz zu vermeiden, und welche Frucht in welcher Jahreszeit wächst.

Jetzt, da bald das neue Schuljahr beginnt, dürfen sich die 360 Schüler des Hauses in der Neuschwansteinstraße bald auf Tablets freuen. Denn auch in der Medienpädagogik habe die Mittelschule einen Ruf zu verteidigen und sei als ein Vorreiter einzustufen. Zusammen mit „Die Bunten“ will die Rektorin außerdem die Schmiererei an der Fassade durch ein richtiges Graffiti übersprühen, außerdem die Themen Rechtsstaat und Werteerziehung vertiefen und für die Berufsorientierung 14-tägig Firmen einladen.

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