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Augsburg

05.11.2017

Wie Oberhauser über die Trinkerszene denken

Der Helmut-Haller-Platz vor dem Oberhauser Bahnhof ist Treffpunkt der Drogen- und Alkoholikerszene.
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Der Helmut-Haller-Platz vor dem Oberhauser Bahnhof ist Treffpunkt der Drogen- und Alkoholikerszene.
Bild: Silvio Wyszengrad

Das geplante Angebot für Suchtkranke sorgt in Oberhausen für Gesprächsstoff. Betroffene und Anwohner schätzen die Lage unterschiedlich ein. Warum eine Frau wegziehen will.

Der Mann ist sichtlich benebelt und während er spricht, fallen ihm ab und an die Augen zu. Es ist mittags, und der Mann, nennen wir ihn Thomas, sitzt auf einer Bank neben dem Bahnhof in Oberhausen. Dort, wo früher mal ein Spielplatz stand. Dort, wo sich nun regelmäßig suchtkranke Menschen treffen, Männer und Frauen aus dem Drogen- und Alkoholikermilieu. Wie Thomas. Er ist nicht alleine, etwa 30 Leute halten sich hier am Freitagmittag auf. Thomas sagt, er sei sonst nicht so oft da.

Aber dass hier in der Nähe ein neues Projekt gestartet werden soll, hat er gehört. „Die haben da ein Riesen-Geheimnis draus gemacht“, sagt er. Es geht um einen Süchtigen-Treff für die Szene vom Oberhauser Bahnhof, der im ehemaligen Lokal „Paparazzi“ in der nahen Dinglerstraße eingerichtet werden soll. Süchtige sollen dort von der Drogenhilfe und dem Sozialverband SKM betreut werden. Die Stadt erhofft sich eine Entlastung des Helmut-Haller-Platzes vor dem Bahnhof. Der zuständige Ordnungsreferent Dirk Wurm ( SPD) hatte lange nicht verraten wollen, wo der genaue Standort der Einrichtung sein soll.

Projekt wird zerrissen, bevor es begonnen hat

Daher das „Riesen-Geheimnis“. Geplant ist, dass Suchtkranke bis zu drei Flaschen Bier mitbringen und trinken dürfen. „Aber sonst nichts konsumieren“, sagt ein Mann, der neben der Bank steht, auf der Thomas sitzt. Was er von der geplanten Einrichtung hält? Der Mann überlegt. So ganz weiß er es noch nicht. „Muss sich halt zeigen“, sagt er.

Andernorts hat das Projekt bereits erheblich für Kritik gesorgt. Als Wurm am vergangenen Samstag in der Dinglerstraße war, um vor Ort über den geplanten Treff zu informieren, musste er sich von Anwohnern einiges anhören. Von politischen Verbänden, die nicht die SPD sind, muss er das ohnehin. Zuletzt meldete sich auch „Pro Augsburg“ zu Wort, um mitzuteilen, dass man die vorgeschlagene Lösung kritisch sehe und diese in der geplanten Form ablehne. Durch den Anlaufpunkt werde „ein täglicher Süchtigentourismus durch die dortigen Wohngebiete veranlasst“, heißt es von der Fraktion. Dies führe „zu einer erheblichen Belästigung, möglicherweise auch Gefährdung der Anwohner“.

Der Oberhauser Stadtrat Dieter Benkard, ein Parteifreund des Ordnungsreferenten, sieht die Lage anders. Das Problem der Süchtigen am Bahnhof, sagt er, sei schon lange bekannt, bis jetzt aber sei es nicht angegangen worden. Das Thema, sagt Benkard, lasse sich nicht totschweigen. „Auch diese Menschen gehören zu unserer Gesellschaft.“ Das Projekt werde schon zerrissen, dabei sei es noch gar nicht angelaufen. Benkard fragt auch, ob es überhaupt einen „passenden Ort“ für derartige Einrichtungen gibt. Wurm habe die Initiative ergriffen, und die angedachte Lösung sei noch die Beste.

Die Süchtigen sitzen vor dem Laden

Auch Rainer Wintergerst hält das Konzept des Treffs grundsätzlich für eine gute Idee. Der 60-Jährige betreibt die Buchhandlung im Bahnhof; die Situation am Helmut-Haller–Platz ist für ihn schwierig, auch wenn man sich arrangiert habe, sagt er. Sobald es kalt werde, sitzen Süchtige vor den Eingängen des Ladens. Für Kunden eine Hemmschwelle. Vor ein paar Monaten war Wintergerst wegen eines Vorfalls auf dem Bahnhofsplatz in einem Gerichtsverfahren mal als Zeuge geladen. Am 9. November des vergangenen Jahres war in der Rettungsleitstelle ein Notruf eingegangen. Zwei Männer waren am Oberhauser Bahnhof zusammengebrochen. Der Rettungseinsatz eskalierte, ein Sanitäter wurde verletzt. Der Buchhändler empörte sich im Prozess über die Zustände.

Buchhändler Rainer Wintergerst hält das Konzept des Süchtigentreffs für gut, kann aber Anwohner verstehen, die sich nun beschweren.
Bild: Silvio Wyszengrad

Wintergerst sagt nun, aus seiner Sicht braucht es ein Gesamtkonzept, um an der Situation am Bahnhof etwas zu ändern. Der betreute Süchtigen-Treff könne nur ein Baustein von mehreren sein. Man müsse auch den Helmut-Haller-Platz schöner gestalten, die Aufenthaltsqualität erhöhen. So, wie der Ort jetzt aussehe, verweile dort doch niemand gerne länger, außer es stünden besondere Aktionen an. Die Anwohner in der Dinglerstraße versteht er. „Ist doch klar“, sagt er. „Wer will so einen Treff in seiner Umgebung?“

Anwohnerin plant Umzug

Elisabeth Müller will ihn nicht. Müller ist 82 und wohnt direkt neben dem ehemaligen „Paparazzi“. Dort hängt draußen noch eine alte Getränkekarte. Ein Helles für 2,50 Euro. Vom Oberhauser Bahnhof bis hierhin ist es ein kurzer Fußmarsch durch die beschauliche Branderstraße; das ehemalige Lokal liegt noch in der Nähe des Helmut-Haller-Platzes, aber auch nicht gerade um die Ecke. Müller lebt seit 20 Jahren in dem Viertel. In Oberhausen gefällt es ihr, und dass es nebenan im Lauf der Jahre verschiedene Gastwirtschaften gab, sei für sie auch kein Problem gewesen, sagt sie.

Elisabeth Müller hält den geplanten Süchtigen-Treff für problematisch.
Bild: Silvio Wyszengrad

Den geplanten Süchtigen-Treff allerdings hält sie für hochproblematisch. Die Leute täten ihr schon leid, so sei es ja nicht. Aber sie bezweifele, dass ihnen mit dem Angebot wirklich geholfen werden könne. Damit verlagere man die Probleme vom Bahnhofsplatz in Oberhausen nur teilweise in ein Wohngebiet, sagt sie. Das könne doch auch nicht die Lösung sein.

Drastischer äußert sich eine direkte Anwohnerin, die mit zwei Kindern in dem Gebäude lebt, in dem bald der betreute Süchtigen-Treff Platz finden soll. „Das ist einfach eine Katastrophe“, sagt sie. Sie habe nichts gegen die Süchtigen, aber sie müsse ganz einfach an ihre Kinder denken. Zwar sei der Wohnungsmarkt in der Stadt schwierig. Aber wenn der Treff komme, werde sie wohl umziehen.

Lesen Sie auch: Ist ein Süchtigen-Treff wirklich der richtige Weg?

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.11.2017

Gibt es eigentlich Studien, die den Nutzen eines solchen Treffs für Süchtige und Gesellschaft nachweisen?

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Man hat schon mal eine Lösung versprochen, die sich nun als praktisch erfolglos erwiesen hat.

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http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Eine-Loesung-fuer-die-Drogenszene-am-Bahnhofsvorplatz-id34535737.html

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Der bisherige Spielplatz am Bahnhof wird aufgegeben. Ihn soll dann die Szene als Treffpunkt nutzen. Die Süchtigen begrüßen diesen Schritt, heißt es. Zudem wird weiter an einem Gesamtkonzept gearbeitet, das alle Oberhauser Bürger zufrieden stellt. Die Diskussion über die Zustände hat zuletzt Emotionen hervorgerufen. Anwohner fordern mehr Kontrollen durch Polizei und Ordnungsdienst. Genervt sind sie von nächtlichen Ruhestörungen. Geschäftsleute im Umfeld des Bahnhofs berichten von teils geschäftsschädigendem Verhalten der Alkohol- und Drogenszene.

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Wo ist das Gesamtkonzept, das alle Oberhauser Bürger zufrieden stellt?

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05.11.2017
Die Idee ist prinzipiell gut. Jedoch die Umsetzung in einem extrem dicht besiedeltem Wohngebiet kann man nicht ernsthaft in Erwägung ziehen. Es sollte dringend ein anderer Ort gefunden werden, mit etwas weitläufigerem Terrain. Es kann nicht sein, dass man in Kauf nimmt, dass die Betroffenen in Grupen auf der Strasse herumliegen wie im Frankfurter Bahnhofsviertel. Der einzige Vorteil für dürfte wohl darin liegen, dass sich das Ganze weniger offensichtlich, in einem für nicht Ansässige eher unsichtbaren Bereich abspielen wird. Verheerend für die Anwohner und Immobilienbesitzer.
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04.11.2017

für ein paar Süchtige werden Alte Leute aus ihren wohnungen getrieben ?? sie fühlen sich nicht mehr sicher ! kann man verstehen !! denn die Politicker schmücken sich lieber mit einem sozialen vorzeigeprojeckt als auf die Bürger zu hören die sie Gewählt haben !!! Hoffentlich weiß der wähler in Oberhausen noch bei der Nächsten Kumonalwahl von welcher Partei der herr wurm und seine Ausschußmitglieder waren ??? ich denke von allen Parteien !! denn das Arbeiter Virtel in Oberhausen hat noch nie viel gezählt für die Augsburger Parteien , oder Doch ??? wo sind die Leute gebliben wie Alt OB Breuer oder der Legändäre SPD Stadtrat Georg Maier vom Bärenkeller ???

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