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Umwelt

07.01.2019

Wie Plastik aus Augsburg verschwinden soll

Ab 2021 soll eine neue EU-Regelung in Kraft treten. Gastronomen und Händler setzten den Gedanken bereits um

Mit dem Jutebeutel zum Einkaufen gehen, einen eigenen Kaffeebecher benutzen und das Putzmittel selbst herstellen – der Verzicht auf Plastik ist derzeit ein Thema, mit dem sich viele Menschen auseinandersetzen. Was bisher aus gutem Willen und einer umweltfreundlichen Haltung geschah, geht spätestens ab 2021 alle an. Denn mit einer neuen EU-Verordnung soll voraussichtlich ein Gesetz in Kraft treten, das Wegwerfprodukte aus Plastik komplett verbieten soll. Augsburg geht jetzt schon mit gutem Beispiel voran.

Seit März 2018 sind nämlich die sogenannten Recup-Becher in der Stadt im Umlauf. Bei diesen Gefäßen handelt es sich um Mehrwegbecher, die man für einen Euro Pfand bei etwa 30 Partnern in Augsburg erwerben kann. Hintergrund der Kampagne, die vom Umweltreferat gemeinsam mit dem Forum Plastikfreies Augsburg ins Leben gerufen wurde: Durch die Wiederverwendung der Becher stellt der beliebte „Coffee-to-go“ nicht länger eine Umweltsünde dar; es wird viel weniger Plastik verbraucht. Viele Geschäfte geben sogar einen kleinen Rabatt, wenn der Recup-Becher mitgebracht wird.

Dieses Konzept verfolgt auch Janusch Lepiarczyk, Inhaber der Smoothie-Bar „Juice Junkie“: Er kommt seinen Kunden mit einer Ermäßigung von fünf Prozent entgegen, wenn sie ihr eigenes Glas mitbringen.

Ist dies nicht der Fall, werden die Getränke in sogenannten PLA-Bechern serviert, die vollständig kompostier- und recycelbar sind. Reza Madonpour, Inhaber der Eisdiele Sorrento, verkauft seinen Kaffee zwar immer noch in Plastikbechern, freut sich aber über jeden, der einen Recup-Becher mitbringt. Die neue Verordnung findet er gut, auch wenn es für ihn mit Anstrengung verbunden ist: „Ich werde mich schon bald nach Alternativen umsehen müssen.“

Doch mit nachhaltigen Bechern allein lässt sich das Plastikproblem kaum lösen. Man denke nur an den Plastikmüll, der täglich durch Essen zum Mitnehmen anfällt: Plastiktüten, Plastikteller, Plastikbesteck – die Liste ist lang. Mit der neuen EU-Verordnung sollen diese Produkte aus Imbissständen, Restaurants und Supermärkten verschwinden. Dies stellt eine große Umstellung sowohl für Verbraucher als auch für Einzelhändler und Gastronomen dar.

Jürgen Mader, Inhaber des Bios-Ladens in Göggingen, freut sich über diese Entwicklung, sieht jedoch auch Probleme: „Plastikfreiheit ist ein langwieriges Gemeinschaftsprojekt, von dem sowohl Verbraucher als auch Unternehmer erst überzeugt werden müssen. Außerdem muss die komplette Logistik geändert werden, da die Produkte bei der Anlieferung auch in Plastik verpackt sind.“

Er selbst heißt das Mitbringen selbstgebrachter Becher in seinem Laden willkommen. Die Mitnahme anderer Utensilien ist jedoch noch nicht erlaubt – mögliche Hygieneprobleme sind ihm zu riskant. Sylvia Schaab, Mitgründerin des Forums Plastikfreies Augsburg, ist sich dieser Skepsis vonseiten der Unternehmer bewusst. Bei einer Infoveranstaltung möchte sie deshalb Einzelhändler und Gastronomen über Hygienefragen aufklären und Tipps geben. Im gleichen Zuge stellt sie gemeinsam mit ihren Kollegen ihre neue Kampagne „Bring’s mit“ vor. Ziel der Aktion ist es, dass Unternehmer anhand eines Aufklebers zeigen können, dass eigene Boxen, Gläser oder Tüten willkommen sind. „Noch herrscht bei vielen Kunden Zurückhaltung, was das Mitbringen eigener Utensilien angeht. Das muss sich ändern“, erklärt Sylvia Schaab das Vorhaben.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 9. Januar, um 19.30 Uhr im SWA-Saal, Hoher Weg 1, statt. Dabei werden sowohl Umweltreferent Reiner Erben als auch Experten des Marktamtes anwesend sein.

Um Anmeldung wird gebeten unter: info@plastikfreies-augsburg.de.

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