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Augsburg

12.02.2020

Wie "Sabine" den Fahrplan von Bus und Tram durcheinanderwirbelt

Die Anzeigetafel dokumentiert das besondere Ausmaß der Beeinträchtigungen im Nahverkehr: Am Bahnsteig B am Königsplatz halten derzeit die Tramlinie 2,3 und 6.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Folgen des Orkantiefs Sabine machen den Stadtwerken Augsburg zu schaffen. Weil die Bahnhofstraße gesperrt ist, müssen Busse und Straßenbahnen anders fahren.

Als am Montag das Orkantief „Sabine“ über Augsburg zog, gab es im städtischen Nahverkehr keine gravierenden Probleme. Bus und Tram verkehrten wie gewohnt. Die massiven Schwierigkeiten im Nahverkehr begannen erst, als die unmittelbaren Folgen von Sabine näher in Augenschein genommen werden konnten.

Ein wirbelt mittlerweile den Fahrplan kräftig durcheinander. Bis Mitte nächster Woche gibt es auf einzelnen Streckenabschnitten teils massive Änderungen. Grund: Die Tramhaltestelle in der Bahnhofstraße steht nicht zur Verfügung. Ein weiterer Aspekt: Die Stadtwerke verkehren bei der Tram nun im 7,5-Minuten-Takt statt des üblichen Fünf-Minuten-Takts.

Bus und Tram in Augsburg: Änderungen bei der Linie 3

Das Ausmaß dieser Beschränkungen im Nahverkehr ist vergleichbar mit der Entschärfung der Fliegerbombe am 25. Dezember 2016. Der Unterschied: Damals galten die massiven Eingriffe in den Nahverkehr nur an einem Tag. Nach „Sabine“ sieht es anders aus: Die Wendeschleife am Bahnhof kann von Trambahnen nicht mehr angefahren werden, weil ein Teil der Bahnhofstraße gesperrt werden muss. Am weitreichendsten sind die Folgen bei der Linie 3. Sie fährt ab dem Königsplatz nicht mehr nach Stadtbergen. Stattdessen verkehren voraussichtlich bis Mittwoch nächster Woche Ersatzbusse. Diese Notlösung kommt die Stadtwerke auch teurer als der Normalfall.

Wie "Sabine" den Fahrplan von Bus und Tram durcheinanderwirbelt

Ein Problem ist das Personal, sagt Jürgen Fergg, Sprecher der Stadtwerke, auf Anfrage: „Das Fahrpersonal hält sich die Waage. Wir brauchen zwar mehr Busfahrer wegen der Ersatzbusse Linie 3, dafür haben wir weniger Straßenbahnen im Einsatz, weil der Linienast der 3er nach Stadtbergen nicht fährt – und wegen des 7,5-Minuten-Taktes.“ Allerdings hätten die Stadtwerke einen sehr viel höheren Personalaufwand in der Planung, in der Leitstelle und bei den Verkehrsmeistern vor Ort. Diese Mehrkosten könnten noch nicht abgeschätzt werden.

Sturm Sabine: Es musste schnell reagiert werden

Die Sperrung am Hauptbahnhof sei für die Stadtwerke jedenfalls gravierend, sagt Fergg: „Vom Organisationsaufwand vergleichbar mit der Fliegerbombe am ersten Weihnachtsfeiertag 2016, nur da gab es noch zwei Tage Vorlauf.“ Am 25. Dezember war damals eine Fliegerbombe entschärft worden. Große Teile der Innenstadt wurden evakuiert. Auch Bus und Tram fuhren nur auf eingeschränkten Routen. Bei Sturm „Sabine“ musste schneller reagiert werden. Am Montagnachmittag stand plötzlich fest, dass die Trams nicht mehr über die Schleife nahe des Hauptbahnhofs fahren dürfen, man musste schnell umdisponieren.

Der Königsplatz wurde die Notlösung. Die Schwierigkeit ist, dass der Tramverkehr am Kö vor allem über die Haltestelle der Linie 2 (in Richtung Theodor-Heuss-Platz) abgewickelt wird. Dort, wo üblicherweise die Linie 2 hält, kommt nun die Tramlinie 6 hinzu. Sie fährt regulär aus Friedberg-West zum Bahnhof, dies ist aktuell aber nicht möglich.

Das Orkantief „Sabine“ hat die Betriebsabläufe bei den Stadtwerken also stark beschäftigt, sagt Fergg: „Wir hatten natürlich Vorsorge getroffen und waren sowieso mit mehr Personal in der Leitstelle, in den Hilfswagen und Fahrpersonal im Einsatz.“ Es habe sehr viele kleine Einsätze gegeben, die schnell gelöst wurden: Dazu gehörten ein umgestürzter Baum in der Trasse der Linie 3, in die Fahrspur geweht Mülltonnen oder aufgewirbelte Plastiktüten, die sich in der Oberleitung am Oberhauser Bahnhof verfangen hatten.

Die Sperrung der Wendeschleife und Haltestelle am Hauptbahnhof seien dann ein anderes Kaliber gewesen: „Mit einem Mal waren drei Linien betroffen, der Hauptbahnhof konnte nicht mehr mit Straßenbahnen angefahren werden, die Linie 3 nach Stadtbergen musste abgebrochen werden und niemand wusste zunächst wie lange das dauert.“ Als klar gewesen sei, dass die Sperrung bis über den Montag hinaus dauert, sei es „knifflig“ geworden, heißt es bei den Stadtwerken. 20 Mitarbeiter in der Planung, zehn Verkehrsmeister vor Ort am Kö und an Haltestellen und vier Mitarbeiter in der Leitstelle hätten alle Hände voll zu tun.

Sturmtief "Sabine" hat auch in Augsburg für viel Wirbel gesorgt, wie die Bilder zeigen. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
35 Bilder
Bilder: So wütete Orkantief "Sabine" in Augsburg
Bild: Silvio Wyszengrad, Ina Marks, Berufsfeuerwehr Augsburg, Bernd Hohlen

Nahverkehr in Augsburg: Was Fahrgäste nicht mitbekommen

Was Fahrgäste, die an Haltestellen warten, nicht mitbekommen, ist laut Fergg die Arbeit hinter den Kulissen. Die Fahrpläne müssten für jede Linie neu gemacht werden. Fahrpersonal müsse auf die Fahrzeuge verteilt werden, Dienstpläne werden geschrieben – „und dann muss das alles noch in die Systeme, dass Ansagen in den Fahrzeugen und die Haltestellenanzeigen stimmen, aber auch die Fahrplanauskunft in der Handy-App und online“. Parallel werde die Information der Fahrgäste vorbereitet: die Laufschriften an den Haltestellen, Durchsagen, Meldungen auf Facebook oder Twitter und an die Presse. „Sabine“ hat die Stadtwerke herausgefordert, das bestätigt der Stadtwerke-Sprecher: „So einen Notfallplan hat man nicht in der Schublade.“

Das sind die wichtigsten Änderungen im Nahverkehr

Tramlinien 3 und 4 Die Linien 3 und 4 werden am Königsplatz verknüpft. Das heißt, Straßenbahnen der Linie 3 aus Haunstetten fahren ab Kö als Linie 4 weiter Richtung Oberhausen – und umgekehrt.

Ersatzbusse Für die Linie 3 nach Stadtbergen werden ab Königsplatz Ersatzbusse (B 3) eingesetzt.

Linie 6 Die Linie 6 fährt stadteinwärts ab der Haltestelle Gärtnerstraße über die Maxstraßen-Route über Margret, St. Ulrich und Moritzplatz zum Kö. Stadtauswärts fährt die Linie 6 über die gewohnte Trasse.

Stadionlinie Sie fährt am Samstag vom Königsplatz über die Maximilianstraße zum Stadion. Zurück geht es dann auf der gewohnten Route über den Theodor-Heuss-Platz.

Anbindung Hauptbahnhof Der Hauptbahnhof ist mit den Buslinien 22, 23 und der Ersatzbuslinie B 3 angebunden. Außerdem fährt die Buslinie 41 ab Kö zum Hauptbahnhof und wendet dort.

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12.02.2020

>> Als klar gewesen sei, dass die Sperrung bis über den Montag hinaus dauert, sei es „knifflig“ geworden, heißt es bei den Stadtwerken. 20 Mitarbeiter in der Planung, zehn Verkehrsmeister vor Ort am Kö und an Haltestellen und vier Mitarbeiter in der Leitstelle hätten alle Hände voll zu tun. <<

Linie 2 über Maxstraße und am Kö gibt es keinen Engpass mehr...

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12.02.2020

Na dann kommt der nächste und meckert, dass die Linie 2 nicht mehr am Moritzplatz, Königsplatz, Th.H. Platz und Roten Tor hält.

Außerdem fährt dort schon die Linie 6

Die Einsatz- und Routenplanung ist viel kniffliger als man denkt. Die SWA hat hier flexibel reagiert und eine doch sehr akzeptable Lösung präsentiert.

Außerdem war das ja eine Ausnahmesituation für wenige Tage.

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13.02.2020

Die 6er nutzt die Maxstraße nur in eine Richtung; das Gegengleis ist aktuell ungenutzt.

Während des Kö-Umbaus fuhren 3 Tramlinien durch die Maxstraße - das ging wunderbar!

Die swa haben beim Kö-Umbau genau das Gleis-Layout bekommen, was sie wollten. Es wurde lediglich die räumliche Situation für den übrigen Verkehr geändert.

Wenn eine Störung auf einem Tram-Netzast von acht Netzästen den gesamten ÖPNV durcheinander bringt, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Knotens zu stellen.

So, ich mache mich jetzt zum B3 auf und werde mal wieder die Überlegenheit des Individualverkehrs in Augsburg gegenüber dem Mobilitätsdreh-ÖPNV erleben. Für´s Rad ist es mir gerade etwas zu glatt - warum kann das nicht später im Jahr stürmen?

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