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Augsburg

24.03.2020

Wie Schulen den Heim-Unterricht in Zeiten von Corona meistern

Eine Möglichkeit für den Online-Unterricht ist die Plattform „mebis“. Sie brach allerdings zeitweise zusammen.
Bild: Armin Weigel, dpa (Symbol)

Plus Trotz geschlossener Schulen besteht Unterrichtspflicht. Die Schulen haben unterschiedliche Lösungen gefunden, wie sie den Stoff zu ihren Schülern bringen.

Nach einem etwas holprigen Start hat sich der Heim-Schulunterricht in Augsburg mittlerweile eingespielt. Schulleiter und Verantwortliche sind mit den Ergebnissen der ersten Woche zufrieden. Auch Schüler und Eltern scheinen sich an den ungewohnten Unterricht via Computerbildschirm zu gewöhnen. Seit vor einer Woche alle Schulen wegen des Coronavirus geschlossen werden mussten, versuchen die Schulen, den Unterrichtsstoff online zu vermitteln.

Lernen in Zeiten von Corona: Frust bei einigen Schülern

Gleich der Montag sorgte bei einem Großteil der Schüler für Frust. Das Bildungsportal "mebis", über das viele Schulen ihren Unterricht organisiert haben, brach zeitweise völlig zusammen. "Aktuelle Überlastung" hieß es den ganzen Tag auf dem Bildschirm. Das mebis-Portal des Landesmedienzentrums Bayern bietet den Lehrern die Möglichkeit, Kurse und Material einzustellen und mit den Schülern zu kommunizieren. Doch den ungewohnten Ansturm hielt das Portal nicht aus.

Trotz der Probleme hält Jürgen Denzel, Schulleiter am Maria-Theresia-Gymnasium (MTG) mebis für die vernünftigste Lösung. "Als sich die Probleme abgezeichnet haben, kamen die Lehrer im Halbstundentakt und haben andere Programme und Apps vorgeschlagen", berichtet er. Allerdings dürften die Schulen nur bestimmte, vom Bildungsministerium zugelassene Programme nutzen. "Wir haben die E-Mail-Adressen von allen Schülern eingeholt und geben die Aufgaben auf diesem Weg weiter." Das sei nicht elegant, aber funktioniere. Er geht davon aus, das mebis bald voll einsatzfähig ist – solange wolle man am MTG zweigleisig fahren.

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Coronavirus: "Heimarbeit" ist für Schüler eine besondere Herausforderung

Für die jüngeren Schüler ist die "Heimarbeit" eine besondere Herausforderung, weiß Jutta Schoft, Schulleiterin der Westpark-Grundschule. "Die Kinder berichten, dass es ihnen Zuhause viel schwerer fällt, zum Lernen sitzen zu bleiben." Die Eltern, die auch Zuhause sind, nähmen sich die Zeit, ihre Kinder zu unterstützen. "Es verändert sich gerade etwas – Eltern, Lehrer und Kinder ziehen gemeinsam an einem Strang und wachsen ein Stück weit enger zusammen", hat sie beobachtet. Mebis spielt in der Grundschule noch keine große Rolle, so Schoft. Das Unterrichtsmaterial – oft in Form von kleinen, selbstgedrehten Videos – schicken die Lehrer per E-Mail oder über Dropbox. Dazu gebe es verschiedene datenschutzkonforme Apps für den Grundschulunterricht, die zum Einsatz kommen können.

Auch an der Friedrich-Ebert-Mittelschule in Göggingen läuft der Heim-Unterricht bereits gut, sagt Schulleiter Martin Hoser. "Wir haben am Freitag vor einer Woche die Schüler mit Heften und Schulbüchern bepackt nach Hause geschickt", berichtet er. An der Friedrich-Ebert-Schule ist die schuleigene Homepage ein seit Langem erprobter Weg, Aufgaben und Material online an die Schüler zu bringen, weshalb die Schüler bereits am Wochenende vor der Schulschließung begonnen hätten, ihre Aufgaben herunterzuladen. "Ich war überrascht, wie rege das Angebot angenommen wurde", so Hoser. Die größere Herausforderung sei, die eingereichten Aufgaben zu kontrollieren. Die Schüler fotografierten ihre Arbeiten mit dem Smartphone und schickten sie dann via Homepage an ihre Lehrer. "Wenn der Zustand für die nächsten drei Wochen bleibt, habe ich wenig Angst, dass wir das nicht hingekommen", sagt der Schulleiter. Doch dann müsse etwas geschehen. "Auf Dauer kann das alles natürlich keine Lösung sein."

Auch die Stadt ist mit dem Verlauf der ersten Woche zufrieden. "Wir haben bei unserer schulamtseigenen Hotline für Eltern sehr viel Lob für die Versorgung unserer Schülerinnen und Schüler erhalten", sagt Schulamtsdirektor Markus Wörle. Weil die Lehrer am besten wüssten, was ihre Schüler benötigen, überlasse man die konkrete Umsetzung des Unterrichts den Schulen – natürlich im Rahmen gewisser durch das Kultusministerium definierter Grundsätze.

mebis-Portal: Über 153.000 Nutzer waren am Freitag aktiv

Seit Donnerstag läuft das mebis-Portal stabil und zuverlässig, teilt das bayerische Bildungsministerium auf Anfrage mit. So seien am Freitag über 153.000 Nutzer auf der Plattform aktiv gewesen, 6700 neue Kurse seien dort angelegt worden. Man habe die Hardware-Ressourcen für den Betrieb von mebis mit Hochdruck ausgebaut, so der stellvertretende Pressesprecher des Ministeriums, Zoran Gojic. "Die Serverkapazität wurde im Laufe der vergangenen Woche etwa verzehnfacht", sagt er.

Auch auf Softwareebene wurden Verbesserungen vorgenommen. Dennoch erachte man es als sinnvoll, wenn insbesondere Grund- und Förderschulen über mebis hinausgehende, alternative digitale Angebote verwendeten. Er nannte beispielsweise cloudgestützte Office-Produkte oder datenschutzfreundliche Messenger-Dienste.

Lesen Sie hier alle News in unserem Blog: Coronavirus in Augsburg: Erster Todesfall und immer mehr Infizierte

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