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Augsburg

16.08.2018

Wie behindertengerecht ist Augsburgs Fuggerei?

Die Fuggerei ist fast 500 Jahre alt. Viele ältere Menschen leben in der ältesten Sozialsiedlung der Welt. 
Bild: Annette Zoepf

Ein Besucher, der Augsburg gut kennt, ist schwer enttäuscht - er will Behinderten von Besuchen in der Fuggerei abraten. Das sagt die Verwaltung der Fuggerei.

Manfred Förtsch, 68, ist gebürtiger Augsburger. Bis zu seinem 28. Lebensjahr lebte er in der Stadt. Später zog es ihn aus beruflichen Gründen nach Wasserburg am Inn. Hier in Oberbayern lebt er auch heute noch. Förtsch ist ehrenamtlich in der Behindertenarbeit tätig.

Besucher sind von der Fuggerei sehr enttäuscht

Ein Besuch in Augsburg mit zehn Personen der Jungen MS-Gruppe Wasserburg, darunter vier Rollstuhlfahrer, war für Förtsch zuletzt ein unschönes Erlebnis. MS steht für Multiple Sklerose. Es sind Menschen, deren Bewegungsfreiheit vielfach eingeschränkt ist. Die MS-Erkrankten aus Wasserburg waren laut Förtsch jedenfalls über den Besuch der Fuggerei nachhaltig verärgert.

Ihr Unmut konzentriert sich auf die Preispolitik der Eintrittsgelder und die teils erschwerte oder gar unmögliche Erreichbarkeit einzelner Gebäude in der Fuggerei. In einem längeren Schreiben, das an die Stadt Augsburg gerichtet war und das unserer Redaktion vorliegt, kommt der ehemalige Leiter des Stadtbauamtes Wasserburg nun zum Schluss, „dass ich unseren Behinderten von weiteren Besuchen der Fuggerei abraten werde“. Wie steht es um die behindertengerechte Erreichbarkeit der Fuggerei?

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Auf Anfrage nahm Astrid Gabler, Sprecherin der Fuggerschen Stiftungen, Stellung zur Kritik des enttäuschten Besuchers. Dass Förtsch eine Ermäßigung für Behinderte vermisst, treffe jedenfalls nicht zu, sagt sie. Behinderte und deren Begleitpersonen zahlen drei Euro Eintritt. Der reguläre Preis liegt bei vier Euro. Dass die Gruppe aus Wasserburg den Betrag von 30 Euro, der als Gruppentarif gilt, zu zahlen hatte, sei in diesem Fall nachvollziehbar: „Die zehn Personen mit dem ermäßigten Eintritt wären ebenfalls auf 30 Euro gekommen.“ Insofern habe die Kassendame alles richtig gemacht.

Mangelnde Barrierefreiheit: Fuggerei nimmt Stellung zu Vorwürfen

Intensiv hat die Sprecherin der Fuggerschen Stiftungen untersucht, warum die Behinderten aus Wasserburg nicht ins Museum gekommen sein sollen. So hat es Förtsch geschildert. Astrid Gabler sagt: „Das kann eigentlich nicht sein, dass das Museum geschlossen ist.“ Gerade jetzt im Sommer zur Zeit der vielen Touristenbesuche. Möglicherweise sei am besagten 16. Juli aber die Türe einfach zu gewesen.

Dass die Musterwohnungen nicht behindertengerecht zugänglich seien, treffe nicht zu. „Bei den Schauwohnungen ist es so, dass es als Alternative zum Eingang einen Zugang hinten durch den Garten gibt.“ Für das Museum gebe es eine individuelle Rampe. „Das einzige Gebäude, das für Behinderte gar nicht oder nur schwer zugänglich sei, ist der historische Bunker“, sagt die Sprecherin.

Dazu müsse man wissen, dass die fast 500 Jahre alte Sozialsiedlung unter Denkmalschutz stehe. Dennoch werde für die Belange von Behinderten vieles gemacht, so gebe in der Fuggerei zwei behindertengerechte Toiletten. Es habe in der Fuggerei zuletzt einen Bewohner gegeben, der behindert gewesen sei.

Für ihn sei ein eigener Zugang geschaffen worden. Behindertengerecht müsse die Fuggerei deshalb sein, so Gabler weiter, weil einige Bewohner mit Rollatoren unterwegs sind. „Wir sind jedenfalls dabei, die Anforderungen für behindertengerechte Lösungen kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

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