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Lesen

10.06.2015

Wie bringt man Kinder zum Lesen?

Versteht sich als Schnittstelle zwischen Schulen, Stadtbücherei und städtischem Bildungsreferat: Verena Fritz.
Bild: Jens Noll

Verena Fritz betreut die neue „Servicestelle Schulbibliotheken“ der Stadt Augsburg. Sie verrät, wie sie selber lernte, Bücher zu lieben und wie sie das weitergeben will

Verena Fritz hat ein ehrgeiziges Ziel: Fernsehen und Computerspielen zum Trotz will sie Kinder zum Lesen anregen. Der erste Versuch der neuen Fachfrau des städtischen Bildungsreferats ist bereits gelungen. Ihr Erfolgsrezept: „Man muss die Kinder und Jugendlichen ernst nehmen. Dann kann man erreichen, was vorher vielleicht unmöglich klang.“ Die Angebote müssten Spaß machen, angereichert mit einer gewissen Portion Druck. Wie bei der Aktion Summer Reading, die sie dieses Jahr erstmalig nur mit Mittelschulen durchführte. Ziel war es, Schüler zum Lesen eines Buches anzuregen. Zudem standen wöchentliche Aufgaben ins Haus. Als Anregung dienten Gewinne. Das Druckmittel: Nur Klassen, in denen alle Schüler teilnahmen, konnten die Preise auch erhalten. „Die Ergebnisse toppten alle Erwartungen“, sagt Fritz stolz.

Die Bibliothekarin kümmert sich seit Jahresbeginn als Servicestelle Schulbibliotheken um Ausstattung, Planung, Bau und Organisation der Augsburger Schulbüchereien. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Leseinseln, moderne Schulbibliotheken in Grund- und Mittelschulen, geordnet nach Stadtbibliotheks-Systematik, bestückt mit Schüler- und Sachliteratur. „Zudem sind die Inseln deutlich länger geöffnet als die meisten anderen Schulbibliotheken.“ Sie sollen denen, die sonst eher selten zu Büchern greifen, Literatur unaufdringlich nahebringen. In Augsburg, einer Stadt mit relativ hohem Anteil bildungsferner Schichten sowie vielen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gilt das als besonders wichtig.

Acht solcher Leseinseln gibt es bereits, eine neunte ist in Planung. Weitere sollen folgen, wobei weniger das Geld denn die Voraussetzungen Probleme bereiten: Leseinseln sollen zentral sein, nicht nur ein, zwei Stunden am Tag öffnen und ein breites Leseangebot bieten. Das zu stemmen ist schwierig.

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Verena Fritz weiß das. Zu Schulzeiten genoss sie selbst eine solide ausgestattete Gymnasial-Bücherei – und lernte sie zu schätzen. Vielleicht auch deshalb haben es ihr Bibliotheken angetan. In ihrer Jugend verbrachte sie dort viel Zeit. In Stuttgart studierte sie Bibliotheks- und Medienmanagement. Schon damals engagierte sie sich in der Kinderarbeit. Es folgten Anstellungen in Kirchheim-Teck und Karlsruhe, wieder verbunden mit Kinder- und Jugend-Engagement. Die schwierige Situation in Augsburg ist ihr bekannt. Und sie ist entschlossen, ihr entgegenzutreten. Dafür sei vor allem Kontinuität erforderlich.

Trotz der Herausforderung gefalle ihr ihre neue Tätigkeit. Da ist die Organisation einerseits, die vielen Menschen, mit denen sie zu tun hat, andererseits.

Welche Schüler sich am ehesten für Literatur begeistern lassen? Fritz lacht. Das könne man so nicht sagen. Liest sie vor, dann hören meistens alle zu, auch die älteren Schüler in der Mittelschule. Bei anderen Projekten ist die Situation schwieriger. Meistens gebe es in jeder Klasse ein paar Schüler, die den Ton angeben. Wer die für sich gewinnen kann, hat auch die Klasse im Griff. „Und die Schüler für sich gewinnen kann nur derjenige, der die Schüler wirklich ernst nimmt.“

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