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Osram

29.07.2016

Wie chinesische Investoren ein Stück Augsburger Geschichte kaufen

Die Osram-Beschriftung ist in den vergangenen Wochen abgebaut und durch Ledvance-Letter ersetzt worden. Sowohl in der Berliner Allee als auch in der Steinernen Furt.
Bild: Stefan Puchner

Osram hat seine Tochter Ledvance verkauft. Wird der Deal im Geschäftsjahr 2017 rechtskräftig, geht in Augsburg eine Ära zu Ende. Schon jetzt sind die Veränderungen zu sehen.

In der Berliner Allee hat sich optisch einiges verändert: Der orange Osram-Schriftzug, der jahrzehntelang Autofahrern, Radlern und Fußgängern entgegenleuchtete, ist abgenommen worden. Jetzt prangt, ebenfalls in orangen Lettern und deshalb von vielen noch unbemerkt, Ledvance an den Werkshallen und den Schildern am Firmentor.

Osram hat sein Lampengeschäft ausgegliedert und mit Ledvance eine hundertprozentige Tochter gegründet, die ab dem Geschäftsjahr 2017 einem Konsortium um den chinesischen LED-Spezialisten MLS gehört. Ist der rund 400 Millionen schwere Verkauf vollzogen, endet die Geschichte von Osram in Augsburg – nach fast 100 Jahren.

Augsburg: So entstand die Osram GmbH

1917 nämlich übernahmen AEG, Siemens-Halske und die Deutsche Gasglühlicht-AG die 1906 in Augsburg gegründete Wolfram Licht-AG. Damals die Rettung der Firma, die von einem Brand schwer gezeichnet war. Die drei Unternehmen besaßen bereits Glühlampenfabriken, die sie 1919 zur Osram GmbH zusammenführten, die nun auch die Geschicke in Augsburg lenkte. In der Folge bezog die Wolfram-Lampen AG, bei der jetzt Osram das Sagen hatte, 1922 Neubauten an der heutigen Berliner Allee – mit etwa 150 Beschäftigten.

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Fortan gehörte Osram zum Stadtbild dazu und fertigte am Standort wegweisende Produkte. Darunter die ab 1930 ausschließlich in Augsburg hergestellten und weltweit begehrten Osram-Vacublitze und Filmlampen.

Osram: Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Das Werk war erfolgreich und konnte 1943 mit über sieben Millionen Glüh- und Blitzlampen sogar einen Ausstoßrekord erzielen. Nach Kriegsende wurde schließlich das Werksgelände erweitert, worauf unter anderem ein neues Glaswerk, ein großes Lagergebäude und ein Entwicklungszentrum entstanden.

1951 folgten dann erste strukturelle Veränderungen: Die Wolfram AG ging komplett ins Eigentum der Osram GmbH über, die ihrerseits 1978 zu einer 100-prozentigen Tochter von Siemens wurde.

Osram: bis zu 2000 Mitarbeiter vor der Wirtschaftskrise

Schon bald aber war die klassische Glühlampenfertigung nicht mehr gefragt und auch der Vacublitz wurde binnen kürzester Zeit von elektronischen Varianten abgelöst. Als Ersatz kam die Energiesparlampe, die das eingebrochene Segment zunächst auffing – und zwar so gut, dass Osram 1996 die Sonntagsarbeit einführen wollte, um dem Auftragsvolumen gerecht zu werden. Die Mitarbeiterzahl am Standort Augsburg wuchs. Um die 2000 Männer und Frauen hatten Arbeit.

Diese Aufnahme aus unserem Archiv zeigt die Werkseinfahrt zu Osram in der Berliner Allee in den 1970er Jahren. Damals war die Produktion von Glühlampen und dem berühmten Vacublitz ein Erfolgsgarant. Erst einige Jahre später begann sich der Markt zu ändern – zum Nachteil des Standorts Augsburg.
Bild: Archiv

Doch das Erfolgsmodell hielt nicht lange. Die Energiesparlampe konnte sich am Markt nicht richtig durchsetzen. Die LED-Technologie wurde zur immer stärkeren Konkurrenz. 2005 wurde der Trend bereits erkannt, Mitarbeiter machten Zugeständnisse, um den Standort zu halten. Doch die Weltwirtschaftskrise 2007 und die immer weiter sinkende Nachfrage nach den in Augsburg gefertigten Produkten führten schließlich doch zu ersten Entlassungen. Der Personalabbau war nicht mehr aufzuhalten.

Osram bleibt Schwabmünchen treu

2013 ging Osram an die Börse, Siemens war nur noch mit 19 Prozent beteiligt, 2012 hatte sich die Mitarbeiterzahl in Augsburg schon halbiert, nach weiteren Entlassungswellen waren bis zur Ausgliederung des Lampengeschäfts in Ledvance nur noch 900 der einst 2000 Mitarbeiter am Standort. Von den einst 150 Millionen Leuchtstofflampen, die zu Hochzeiten pro Jahr produziert worden sind, gehen heute noch rund 70 Millionen vom Band.

Das kriselnde Geschäft war für Osram Auslöser, die Sparte auszu-gliedern und zu verkaufen. Seit 26. Juli 2016 steht fest: Ein Konsortium wird neuer Eigentümer.

Was bleibt, sind rund 70 Mitarbeiter, die weiterhin für Osram tätig sein werden und die Option für die Chinesen, ihre Lichtprodukte für bis zu zehn Jahre unter der Marke Osram zu vertreiben. Osram selbst, so wie es Augsburg bisher kannte, gibt es ab dem Geschäftsjahr 2017 aber nicht mehr. Nur Schwabmünchen bleibt weiterhin ein Osram-Standort. Die Zukunft in Augsburg – und das ist bereits deutlich zu sehen – heißt dagegen Ledvance.

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