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Augsburg

05.09.2019

Wie das Modehaus Jung mit der Zeit geht

Katharina Ferstl von der Inhaberfamilie und Geschäftsführer Marcus Pantke vom Modehaus Jung haben ihr Sortiment erweitert.
Bild: Oliver Wolff

Seit über 110 Jahren verkauft das Modehaus Jung in der Wertachstraße Kleidung. Angefangen hat alles mit Arbeitsanzügen. Heute ist die Strategie längst eine andere.

Alles begann mit dem Verkauf von Arbeitsanzügen für Mitarbeiter der MAN. 1902 eröffnete Karl Jung senior einen 40 Quadratmeter großen Laden samt Näherei in der Wertachstraße in Oberhausen. Heute ist daraus eines der bekanntesten Bekleidungsgeschäfte in Augsburg geworden. Mit Arbeitsanzügen hat das Angebot freilich nichts mehr zu tun.

Das Modehaus Jung ist fester Bestandteil des Erscheinungsbildes im Stadtteil Oberhausen. Heute hat der Laden mit 50 Mitarbeitern eine Verkaufsfläche von 3000 Quadratmetern und wurde in den vergangenen Jahren immer wieder ausgebaut. Mit Katharina und Alexander Ferstl ist die vierte Generation der Unternehmerfamilie im operativen Geschäft tätig. Die 39-jährige Ferstl ist für die Unternehmenskommunikation zuständig, ihr vier Jahre jüngerer Bruder kümmert sich um die Unternehmensstrategie. Es sei ihnen eine Herzensangelegenheit, die Tradition weiterzuführen. Auch Mutter Ingrid hilft dabei mit Rat und Tat.

Gewisse Vorzüge bei der Lage im Augsburger Stadtteil Oberhausen

Seit über einem Jahr werden die Gesellschafter des Unternehmens von Marcus Pantke unterstützt. Der 43-Jährige hat seit Kurzem die alleinige Position des Geschäftsführers inne. Als „Kind des Modehandels“ wisse er genau über die Schwierigkeiten der Branche Bescheid. Seit 25 Jahren ist Pantke im Modebereich tätig, absolvierte seine Ausbildung und einen Teil seiner beruflichen Laufbahn bei einem großen Münchener Bekleidungsgeschäft.

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Oberhausen sei zwar für ihn als Außenstehender nicht der „place to be“, wenn es darum geht, sich im Modemarkt zu positionieren. Er sehe allerdings eine positive Entwicklung im Stadtteil und gewisse Vorzüge bei der Lage. Das Gelände in der Wertachstraße gehört nämlich der Unternehmerfamilie.

Nicht nur die benachbarten Geschäfte sieht Pantke in der Pflicht. „Auch wir machen uns Gedanken, selbst für mehr Attraktivität in Oberhausen zu sorgen.“ Das nahe gelegene, im Bau befindliche Hotel werde dem Umfeld guttun. Außerdem sehe Pantke große Bemühungen der Stadt, für mehr Aufenthaltsqualität zu sorgen. „Von Oberhausen wegzugehen stand bei uns noch nie zur Debatte.“ Ein Trumpf des Modehauses bleibt der eigene, große Parkplatz hinter dem Geschäft.

Modehaus Jung in vierter Generation geführt

„Zu Jung kommt man mit einer klaren Absicht“, sagt der Geschäftsführer. Dabei gehe es nicht nur um die Markenauswahl im gehobenen Preissegment, sondern vor allem um das zwischenmenschliche, teilweise freundschaftliche Verhältnis zu den Stammkunden. Mode definiere zwar jeder für sich und sie sei permanent im Wandel, aber der Mensch und die Mitarbeiter seien das Entscheidende. „Bei uns wird jeder persönlich betreut.“ Dieses Alleinstellungsmerkmal sei die Existenzberechtigung für Jung am Markt, so Pantke.

Die Modebranche ist aktuell kein leichtes Unterfangen. Seit einigen Jahren boomt der Onlinehandel, folglich haben Läden eine geringere Kundenfrequenz vorzuweisen. „Wir sehen weiterhin unsere Chance im Premiumsegment“, erklärt der Geschäftsführer. Digitalisierung sei auch bei Jung ein Thema. „Wir haben seit Kurzem einen Social-Media-Beauftragten.“

Seit Anfang September gibt es auch eine App als digitale Kundenkarte. Mit ihr kann man Quittungen verwalten, Rabatte erhalten oder einen Beratungstermin vereinbaren. Ein Onlineshop sei nicht in Planung, die Konkurrenzsituation im Internet sei „wie in einem Haifischbecken“. Dennoch möchte sich das Modehaus dynamisch aufstellen. „Wir verändern uns gerade strategisch“, sagt Katharina Ferstl. Unlängst wurden Schuhe und Accessoires ins Sortiment aufgenommen. Das Ziel der Unternehmerfamilie: „Arbeitsplätze sichern und das Geschäft bestmöglich der nächsten Generation übergeben.“ Es wäre dann die fünfte ...

In den Sommerferien stellen wir in loser Reihenfolge besondere Geschäfte aus den Stadtteilen vor und skizzieren, warum sie eine Bereicherung für die Menschen sind, wie sie sich am Standort halten und welchen Herausforderungen sie begegnen.

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