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Augsburg

04.10.2018

Wie die Schauburg vom Kult-Kino zum Trümmerhaufen wurde

Ein Blick zurück auf die Schauburg in Lechhausen. Bis 2007 war dort ein Kino.
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Ein Blick zurück auf die Schauburg in Lechhausen. Bis 2007 war dort ein Kino.
Bild: Fred Schöllhorn

Plus Die „Schauburg“ in Lechhausen schloss 2007. Seither wurde versucht, das Gebäude als Kultur- und Stadtteilzentrum zu erhalten – vergebens. Jetzt ist das Gebäude weg.

An der Ecke Kreitmayr Straße/Schleiermacherstraße mitten in Lechhausen liegt ein riesiger Haufen Schutt – umgeben von Bauzäunen und schweren Maschinen. Der Steinhaufen ist das, was nach Abriss eines alten Hauses übrig geblieben ist. Allerdings nicht irgendeines alten Hauses, sondern es sind die reste jenes Gebäudes, das viele Jahre lang das bekannte Stadtteilkino Schauburg beherbergte. Ein Kino, das 1927 gegründet worden und viele Jahre lang wegen seines mehrfach preisgekrönten Programmkinos eine Attraktion war – nicht nur für die Lechhauser. Zwar ist der Kinobetrieb bereits seit 2007 eingestellt, doch die Geschichte ist vielen noch präsent. Lange wurde über die weitere Nutzung der Räume diskutiert. Jetzt steht definitiv fest, wie es weiter gehen wird.

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Ab 2020 wird aus dem ehemaligen Kulturraum Wohnraum. Immobilien Puschak baut 16 neue Wohneinheiten mit ein bis drei Zimmern. Bereits in den kommenden zwei bis drei Wochen soll Baubeginn sein.

Für ehemalige Schauburg-Besucher und Programmmacher des Kinos eine traurige Entwicklung. „In diesem Kino sind nicht einfach nur Filme gezeigt worden, sondern das war über viele Jahre auch ein Treffpunkt für die Menschen. Das darf man nicht vergessen“, erzählt beispielsweise Kurt Idrizovic, der als Lechhauser mit der Schauburg „aufgewachsen“ und später dort auch Lesungen veranstaltet hat.

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Ein Kino mit Kohlelampen und Plüschsesseln

Die Stadt wollte lange am Gebäude und später zumindest an seiner Tradition festhalten. Immerhin wurde die Schauburg bereits 1927 gegründet. Ein Tanzsaal der ehemaligen Gaststätte „Scharfes Eck“ war damals umgebaut und dann als Kino genutzt worden – mit Filmprojektoren mit Kohlelampen und Plüschsesseln, wie Zeitzeugen berichten. In den 60er und 70er Jahren galt das Kino als beliebter Treffpunkt in Lechhausen und unter der Leitung von Franz Fischer und Ellen Gratza erlebte die Schauburg zwischen 1988 und 1999 schließlich den Status des preisgekrönten Programmkinos, weshalb das Lichtspielhaus nach seiner Schließung 2007 auch als Kulturoder Stadtteilzentrum für Lechhausen erhalten bleiben sollte. Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept sieht eine solche Nutzung vor, teilt das Baureferat mit.

Gemeinsam mit den Investoren, seien daher Lösungen gesucht worden, wie sich eine solche Nutzung realisieren lässt. Als die Entscheidung für einen Neubau gefallen war, wurden entsprechende Flächen für das Erdgeschoss geplant. Weil sich letztlich aber kein Betreiber für eine kulturelle Einrichtung fanden, wurde das Konzept überarbeitet. Nun entsteht ein reines Wohnhaus.

Warum niemand die Kulturflächen übernehmen wollte, erklärt die Stadt nicht. Tom Dittrich, der die Schauburg zwischen 1999 und 2007 betrieb, kann sich gut vorstellen, dass die Rahmenbedingungen nicht mehr gepasst haben könnten. Er selbst hatte das Kino unter anderem deshalb aufgegeben. Fehlende Parkplätze und das eingeführte Anwohnerparken nennt er als Beispiel.

So blieben am Ende, wollte man das Gebäude nicht länger leer stehen lassen und den Platz wieder mit Leben füllen , offenbar nur Abriss und Neubau von Wohnungen als einzig sinnvolle Alternativen. Mit der Schauburg verschwinden deshalb ein Stück Geschichte und ein Traditionskino von der Bildfläche.

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