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Augsburg

18.08.2019

Wie die neuen Nachtmanager in Augsburg für mehr Ruhe sorgen

Gespräche auf Augenhöhe können einiges bewirken: Alen Maslac (in der Hocke) und Stefan Salz sprechen auf dem Rathausplatz mit jungen Leuten.
Bild: Michael Hochgemuth

Stefan Salz und Alen Maslac sind seit Anfang Juli als Nachtmanager zu später Stunde in Augsburg unterwegs. Dabei haben sie etliche "Brennpunkte" im Visier.

Stefan Salz und Alen Maslac kümmern sich seit Anfang Juli um nächtliche Ruhestörer. Als die ersten Nachtmanager Augsburgs sind sie von Dienstag- bis Samstagabend im Einsatz. Langweilig wird es den beiden Mitarbeitern des städtischen Ordnungsdienstes bislang nicht. Schon gar nicht, wenn sie im Gögginger Luftbad eine nächtliche Party mit über 100 Jugendlichen sprengen müssen. Doch von Anfang an.

Nachtmanager in Augsburg: "Uns gibt es wegen des Elias-Holl-Platzes"

Es ist ein Abend unter der Woche, 21 Uhr. Vor Stefan Salz und Alen Maslac liegen mehrere Stunden Arbeit. Sie beginnen ihre Tour am Elias-Holl-Platz. „Uns gibt es genau wegen dieses Platzes“, sagen der 38- und der 43-Jährige. Dort, unterhalb des Rathauses, hatten sich Anwohner in der Vergangenheit von Jugend-Cliquen drangsaliert gefühlt. Nachdem unsere Zeitung berichtete, reagierte die Stadt – unter anderem mit der Installierung der Nachtmanager, die zunächst ein Jahr lang in Augsburg und seinen Stadtteilen unterwegs sind.

Nächtliche Ruhestörer sorgten vergangenes Jahr am Elias-Holl-Platz für Ärger, Anwohner fühlten sich sogar bedroht. Archivbild
Bild: Annette Zoepf

Lueg-insland, Gögginger Park, Flößerpark, Reesepark und Rathausplatz sind einige der „Brennpunkte“, die sie im Blick haben. Typische Orte eben, an denen sich junge Menschen gerne treffen, plaudern, Musik hören, trinken – freilich auch Alkohol. Manchmal artet das aus. Wie einst auf dem Elias-Holl-Platz.

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Dort ist es inzwischen ruhiger geworden. Es gebe kaum noch laute Musik, berichten zwei betroffene Anwohner. Sie glauben, das liege an der Baustelle, die bis vor Kurzem noch den Platz beeinträchtigte. Vielleicht liegt es auch ein wenig an den Nachtmanagern, die auf Jugendliche zugehen und wummernde Musik unterbinden. Freilich nicht nur am Elias-Holl-Platz. Der junge Mann, der ihnen wenig später mit einer schallenden Bluetooth-Box im Rucksack am Königsplatz entgegen kommt, hat keine Chance.

Sie wollen Menschen im Augsburger Nachtleben sensibilisieren

Mit einem „Hallo, servus“, spricht Stefan Salz ihn freundlich, aber bestimmt an. Er und Maslac zücken ihre Ausweise, weisen den Passanten darauf hin, dass ihn die laute Musik eigentlich über 50 Euro kosten würde. Er solle sie doch ausmachen, weil er damit andere Menschen störe. „Bis 22 Uhr wäre Musik bei Zimmerlautstärke okay“, erzählt Maslac, danach nicht mehr. Dem Mann war die Ordnungswidrigkeit nicht bewusst. „Jetzt weiß ich es, tut mir leid“, meint er und stellt die Musik aus. Man wünscht sich einen schönen Abend. Die Situation ist bezeichnend für die Arbeit der Nachtmanager.

Sie lösen Konflikte, indem sie Menschen sensibilisieren wollen. „Stellt euch vor, ihr müsst am nächsten Morgen früh aufstehen und vor eurer Haustür wird nachts noch Party gemacht.“ Solche Sätze, sagen Salz und Maslac, hinterlassen bei Jugendlichen Eindruck. Bußgelder verteilen die Nachtmanager nicht. Aber sie kennen ihre Pappenheimer. Darum rufen sie bei wiederholter Uneinsichtigkeit die Kollegen des Ordnungsdienstes. Die in den Uniformen, die für Sanktionen zuständig sind und zur Kasse bitten. Salz und Maslac hingegen sind bewusst in Zivil unterwegs. „Damit haben wir leichteren Zugang zu den Jugendlichen. Denn bei Menschen in Uniform werden viele oft bockig“, wissen die Männer aus Erfahrung. Mit ihren kräftig-sportlichen Figuren haben die beiden ohnehin ein gewisses Auftreten. Das hinterlässt auch bei den Jugendlichen Eindruck, die in der Dunkelheit im Reesepark beisammensitzen. Sie sind schon von Weitem zu hören.

Augsburger Nachtmanager vermitteln zwischen beiden Seiten

„Ihr macht jetzt bitte die Musik aus, verlasst den Platz und nehmt den Müll mit“, fordert Maslac die drei Jungs und zwei Mädchen auf. Sie spuren. „Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir so laut sind“, merkt eine noch an. Ein paar hundert Meter weiter auf dem dunklen Gelände trifft sich eine weitere Gruppe von acht Jugendlichen. Sie unterhalten sich leise. „Die Polizei war auch schon da“, gestehen sie den Nachtmanagern. „Wir wollen hier nur noch etwas chillen.“ Dagegen haben die städtischen Mitarbeiter nichts einzuwenden. Sie haben auch Verständnis für die Bedürfnisse der Jugend.

 „Wir machen ebenso Anwohner darauf aufmerksam, dass man auch Rücksicht auf Jugendliche nehmen und ihnen etwas Raum geben muss“, betont Salz und fügt hinzu: „Solange diese sich ordentlich benehmen.“ Die Nachtmanager vermitteln zwischen beiden Seiten. Doch oftmals ist die Situation so klar, dass sie einschreiten müssen. Wie neulich am Gögginger Luftbad.

Über 100 Jugendliche feierten dort nachts laut. Wie sich herausstellte, hatten sie sich über Whats-app zu einer Beachparty verabredet. Allein durch Gespräche, berichten Salz und Maslac, wurde die nächtliche Gaudi aufgelöst. „Ein alkoholisiertes Mädchen zogen wir sogar noch aus dem Bach.“ Bislang war das ihr größter Einsatz. Die zwei sind sich sicher, dass die Arbeit nicht ausgehen wird. „Dafür ist Augsburg zu groß.“

Die Nachtmanager können bei Bedarf per E-Mail kontaktiert werden unter: nachtmanager@augsburg.de.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Nachtmanager müssen sich beweisen

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19.08.2019

Wie hiess es einst: "Hört Ihr Leut' und lasst Euch sagen, .............."
Die Nachtwächter von heute sind "NachtMANAGER" - irgenwie streetworker und Securities in einem.
Bitter, das solche Notwendigkeiten entstehen.

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