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Augsburg

07.05.2015

Wie gefährlich war die mutmaßliche Terrorzelle "Oldschool Society"?

Die Facebook-Seite der rechtsradikalen "Old School Society" ist mittlerweile gesperrt. Zuvor hatte sie 3000 Unterstützer.
Bild: Silvio Wyszengrad

Über Monate haben sich Mitglieder der Terrorzelle OSS in ihrer Wut gegen Ausländer aufgestachelt. Der mutmaßliche Chef aus Augsburg wird nun auch für die NPD zum Problemfall.

Seine Wut, sein Hass auf Ausländer, Islamisten und den Staat wurde offenbar immer größer. Das Internet war für Andreas H., 56, aus Augsburg eine Möglichkeit, endlich gehört zu werden und Kontakte zu Gleichgesinnten zu finden. „Ich bin wütend, stocksauer“, schreibt er in einem Eintrag vom 13. September 2014. Und er kündigt an: „Ich wehre mich jetzt, mit meinen Freunden der OSS.“ Das Kürzel ist seit Mittwoch bundesweit bekannt. Es steht für die mutmaßliche neue rechte Terrorzelle „Oldschool Society“.

Die Gruppe, die sich in den vergangenen Monaten im Internet zusammenfand, war nach Ansicht der Behörden gefährlich. „Wir hatten wegen ihrer Gewaltfantasien Sorge, dass sie völlig durchdrehen“, sagte Burkhard Freier, Chef des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen in einem Interview.

Die Mitglieder der Gruppe äußerten ihren Hass teils ganz offen im Internet. In geschlossenen Chatforen sollen sie sich aber noch viel deutlicher ausgedrückt haben. „Da haben die richtig die Sau rausgelassen“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine Quelle aus Sicherheitskreisen.

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Die etwa zehnköpfige Gruppe um den selbst ernannten „Präsidenten“ Andreas H. habe sich darüber ausgetauscht, dass man nicht länger zuschauen wolle, wie Deutschland vor die Hunde gehe. Und dass es nun zu handeln gelte. Sie hätten sich gegenseitig aufgestachelt. Jeder habe in seiner Region „etwas machen“ sollen. Offenbar hatte die Gruppe die Idee, mit Angriffen auf bekannte salafistische Prediger bei der Bevölkerung Sympathien zu gewinnen.

Pyrotechnische Gegenstände mit großer Sprengkraft gefunden

Nun sitzen der Augsburger Andreas H. und drei weitere Mitstreiter aus anderen Bundesländern in Untersuchungshaft. H. wurde am Mittwoch von der Spezialeinheit GSG 9 in seiner Wohnung in Augsburg-Bergheim festgenommen. Wie konkret die Anschlagspläne auf Salafisten, Moscheen und Asylbewerberheime bereits waren, ist weiter unklar.

Die Ermittler schließen aber nicht aus, dass es bereits am Wochenende einen Anschlag hätte geben können – die OSS wollte sich offenbar am Wochenende im sächsischen Borna treffen. Bei den Durchsuchungen in fünf Bundesländern wurden laut Generalbundesanwalt „pyrotechnische Gegenstände mit großer Sprengkraft“ gefunden.

Die Aufdeckung der OSS-Zelle könnte auch Bedeutung für das Verbotsverfahren gegen die NPD erlangen, das derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht läuft. Denn der mutmaßliche Anführer der Gruppe, Andreas H., ist Mitglied in der rechtsextremen Partei. Das bestätigte der stellvertretende bayerische Landesvorsitzende, Manfred Waldukat, unserer Zeitung. H. steht nach Informationen schon seit Jahren immer wieder in Kontakt mit der rechtsextremen NPD. Er soll vor einigen Jahren ausgetreten sein.

Damals noch mit der Begründung, die Partei sei zu radikal. Im Herbst vorigen Jahres wurde er wieder Mitglied. Er war aber wohl nicht sehr aktiv und klagte nun eher darüber, dass die Partei „zu lasch“ sei.

NPD hielt Andreas H. für einen „Aufschwätzer“

NPD-Funktionär Waldukat sagt, er könne sich nicht vorstellen, dass Andreas H. Terrorpläne geschmiedet habe. Man habe ihn in Parteikreisen nicht allzu ernst genommen, ihn eher für einen „Aufschwätzer“ gehalten. H. sei in der Partei nun wohl „nicht mehr haltbar“.

Nach Ansicht eines Polizeibeamten waren die OSS-Mitglieder tatsächlich auch „Maulhelden“. Burkhard Freier, der NRW-Verfassungsschutz-Chef, sieht das ähnlich. Er sagt: „Es handelt sich bei ihnen um Personen, die nicht über eine hohe Intelligenz verfügen, sondern eher dumpf sind.“ Das mache aber die selbst ernannten rechten Kämpfer, die sich im Internet suchten und fanden, nicht weniger gefährlich. Markus W., 39, der sich wie bei Rockern „Vizepräsident“ nennt, soll schon früher in radikalen Kreisen aktiv gewesen sein, die Gewalt befürworten. Er gehörte offenbar der inzwischen verbotenen Kameradschaft „Aachener Land“ an.

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