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Augsburg

19.09.2019

Wie sich Schulen in Augsburg gegen Eltern-Taxis wehren

Sind Eltern-Taxis in der Stadt ein Problem? Es gibt zumindest Schulen, die sich gegen das Phänomen wehren.
Bild: Ralf Hirschberger, dpa

Plus Manche Eltern bringen ihre Kinder gerne mit dem Auto zum Unterricht. Doch es gibt Schulen, denen das Verhalten schon lange ein Dorn im Auge ist.

Es ist kein Witz. Nicht einmal ein schlechter. In Mittelfranken hat eine Mutter (35) ihre neunjährige Tochter mit dem Auto unerlaubterweise auf den Pausenhof gefahren. So konnte das Kind direkt vor dem Haupteingang aussteigen. Solch ein Vorfall wurde bislang in Augsburg nicht gemeldet. Doch an Grundschulen wird bereits seit Jahren gegen das Phänomen Eltern-Taxis angekämpft.

Es gibt mehrere Gründe, warum Eltern als Chauffeure an Schulen nicht gerne gesehen sind. Kinder würden zur Bequemlichkeit erzogen, ist nur ein Argument. Schwerer wiegt die Begründung, dass durch die vielen Autos vor den Schulen gefährliche Situationen entstehen können. Schulleiter Jochen Mayr und seine Kollegen von der Grundschule Hochzoll-Süd werden davon immer wieder Zeugen.

Eltern-Taxis: Bedenkliche Situationen vor Augsburger Grundschule

Sie beobachten, wie Eltern ihre Kinder nicht zur Gehweg-, sondern zur Straßenseite aussteigen lassen – sogar in der Buszone. Auch die Polizei, die nach dem Schulstart derzeit verstärkt vor Augsburgs Schulen kontrolliert, kritisiert so ein Verhalten. Von Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, gehe meist die größte Gefahr aus, sagte unlängst Polizeisprecher Michael Jakob. An der Grundschule Hochzoll-Süd wehrt man sich seit Jahren vehement gegen die privaten Chauffeur-Dienste.

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Bei zwei Aktionen im Jahr, so erzählt Schulleiter Mayr, würden die Lehrer an seiner Schule Eltern gezielt ansprechen. Nächste Woche soll es wieder so weit sein. „Wir haben eine Sprengelschule. Zu uns muss kein Kind mehr als drei Kilometer laufen“, betont er. Mit den Aktionen wollen die Pädagogen Eltern sensibilisieren. Und deren Kinder. In einem Wettbewerb konkurrieren die Klassen, wer von ihnen in einer Woche auf die meisten Füße kommt. „Die Schüler zählen jeden Tag, wer bei sich in der Klasse mit dem Fahrrad beziehungsweise zu Fuß kommt oder wer von den Eltern mit dem Auto gebracht wird. Die Klasse mit den meisten Füßen erhält einen Preis“, erklärt Mayr. Die Kinder seien immer mit Feuereifer dabei.

"Das entscheiden die Eltern"

Bei den Eltern hingegen fielen die Reaktionen gemischt aus, wenn sie auf den Bringservice angesprochen werden. „Manche sagen, dass gehe uns gar nichts an. Andere wiederum nennen Gründe, wie man habe verschlafen oder man sei sowieso auf dem Weg gewesen“, berichtet Mayr. Auch unsere Leser diskutieren das Thema Eltern-Taxi kontrovers. „Wie Kinder zur Schule kommen, entscheiden die Eltern. Sonst niemand …“, schreibt etwa eine Leserin zu einem Artikel auf der Facebookseite der Augsburger Lokalredaktion „Alles aus Augsburg“. Eine weitere Nutzerin ist gegenteiliger Meinung.

„Alle Anfahrtswege zu den Schulen weiträumig sperren, fertig. Jeder hat zwei Füße bekommen und kann laufen. Und das Beste: Man tut noch was für die Umwelt und für seine Gesundheit“, appelliert sie. Ein Leser findet, dass sich die Zeiten geändert haben. Als Kind sei er auch zu Fuß in die Schule gegangen. „Aber heutzutage gibt es Gründe, seine Kinder in die Schule zu fahren.“ Warum Eltern dies tun, teilweise ihr Kind sogar bis zur Türschwelle des Klassenzimmers begleiten, darüber könne man nur spekulieren, sagt Stephan Christoph vom Lehrstuhl von Strafrecht an der Universität Augsburg. „Bei vielen Eltern spielen aber sicherlich der Sicherheitsgedanke und entsprechende Ängste eine maßgebliche Rolle.“

Dabei dürfte es den Eltern aber eher darum gehen, die Kinder vor möglichen Unfällen zu schützen. „Dass Eltern sich fürchten, ihre Kinder könnten Opfer von Straftaten werden, spielt eine eher untergeordnete Rolle“, vermutet Christoph. Er bezieht sich dabei auf eine kürzlich erschienene Studie zu den „Ängsten der Deutschen“. Demnach rangiert die Angst vor Straftaten auf dem tiefsten Stand seit 2012. Freilich weiß der Wissenschaftler, dass dieser Angst immer auch ein gewisses irrationales Moment innewohnt. „Natürlich will man sich als Vater oder Mutter nicht nachsagen lassen, dass man zu sorglos gewesen ist, wenn doch etwas passieren sollte.“ Augsburg sei jedenfalls statistisch gesehen eine der sichersten Städte des Freistaats.

Augsburger Schulleiterin: Kinder gehen gerne selbstständig zur Schule

An der Werner-von-Siemens-Grundschule will man auch nicht nachlassen, mit verschiedenen Aktionen auf Eltern und Kinder einzuwirken. Schulleiterin Ulrike Stark-Richter hat die Erfahrung gemacht, dass Kinder gerne selbstständig zur Schule kommen. „Ich kenne die Szenen, in denen wir Eltern ansprechen und das Kind zu Vater oder Mutter meint: Siehst du, ich habe es dir doch gesagt. Ist das peinlich.“ Für die Schüler sei es eine wichtige soziale Komponente, sich auf dem Schulweg mit Freunden unterhalten zu können. „Aber zum Glück“, ergänzt die Schulleiterin, „wird die Mehrzahl der Kinder nicht mit dem Eltern-Taxi gebracht.“ Wie der Vorfall in Mittelfranken ausging? Schmerzhaft.

Auf ihre Pausenhoffahrt angesprochen, soll sich die Mutter uneinsichtig gezeigt haben. Beim Zurücksetzen fuhr sie dann auch noch den Hausmeister an.

Lesen Sie dazu auch: Experte über Elterntaxis: "Sie entmündigen ihre Kinder"

und den Kommentar: Eltern-Taxis: Appelle alleine fruchten nicht

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