1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wundersame Geldvermehrung ist strafbar

Bobinger Schenkkreis

01.03.2012

Wundersame Geldvermehrung ist strafbar

Fast vier Millionen Euro hat die Staatsanwaltschaft Ulm voriges Jahr von Straftätern kassiert - Rekord in Baden-Württemberg.
Bild: Matthias Becker

Schenkkreise versprechen die wundersame Geldvermehrung. Jetzt ist ein wegweisendes Urteil gefallen: Wer solche Geldpyramiden initiiert oder aktiv unterstützt, macht sich strafbar.

Sie heißen „Schenkkreis“, „Goldkreis“, „Tafelrunde“ oder „Sonnenkind“. Ihre Organisatoren suggerieren die wundersame Geldvermehrung – frei nach dem Motto: „Reichwerden durch Schenken“. Doch die meisten Mitspieler, die in das Schneeballsystem investieren, verlieren ihr Geld. Nur einige gewiefte Abzocker kassieren. Wer solche Geldpyramiden initiiert oder das System zum Beispiel als Moderator aktiv unterstützt, macht sich jedoch strafbar. Das Amtsgericht hat jetzt zwei Männer und eine Frau, die bis zum Jahre 2008 in Bobingen (Landkreis Augsburg) einen Schenkkreis am Laufen hielten, zu Geldstrafen verurteilt.

Der Traum vom schnellen Reichtum

„Geld frisst Hirn“, kommentieren Kritiker das nicht auszurottende Spiel mit dem Traum vom schnellen Reichtum. Jeder Schenkkreis besteht aus 15 Positionen, die pyramidenförmig auf vier Stufen verteilt sind. Ist die Pyramide im Idealfall aufgefüllt, dann zahlen die acht Teilnehmer auf der untersten Stufe je 5000 Euro, also 40 000 Euro, an die oberste Position. Dann teilt sich der Kreis und die beiden Spieler auf der zweiten Stufe rücken bei zwei neuen Pyramiden an die Spitzenposition, die Spieler der anderen Stufen steigen ebenfalls in der Rangliste auf. Die acht Teilnehmer, die ihr Geld bereits „verschenkt“ haben, müssen aber nun ihrerseits 16 neue „Investoren“ finden, um die beiden neuen Geldkreise am Laufen zu halten. Wenn nicht, ist ihr bereits geleisteter Einsatz futsch. In der Regel brechen die Pyramiden bald zusammen, wenn der Kreis potenzieller Interessenten – Verwandte, Freunde und Bekannte – „aufgebraucht“ ist. Nur die von Anbeginn in der Rangfolge oben stehenden Spieler – meist die Organisatoren und ihre Helfer – haben Geld gemacht.

Zeitweise bis zu 500 Teilnehmer in Bussen angekarrt

Strafrechtlich gesehen war den Initiatoren solcher Schneeballsysteme lange Zeit nicht beizukommen, denn weder der Tatbestand des illegalen Glückspiels noch des Betrugs waren erfüllt. Im Fall des Bobinger Schenkkreises hat das Amtsgericht das „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) bemüht. Zeitweise bis zu 500 Teilnehmer waren bis 2008, teils in Bussen angekarrt, in die ehemalige Werkskantine von Hoechst gekommen. Dort wurden Neueinsteiger von einem Catering-Unternehmen bewirtet und durch geschulte Moderatoren zum „Geldverschenken“ animiert. Irgendwann fiel das Kartenhaus mangels neuer Interessenten aber in sich zusammen. Enttäuschte Teilnehmer gingen zur Polizei.

Drei der Organisatoren wurden schließlich von Amtsrichter Roland Fink verurteilt; einer, der rund 100000 Euro Gewinn abgezockt hatte, zu einer einjährigen Bewährungsstrafe. Der Richter war der Ansicht, Schenkkreise seien Vertriebssysteme mit progressiver Kundenwerbung, denen eine besondere Gefährlichkeit innewohne. Die Teilnahme habe „glücksspielartigen Charakter mit Elementen der irreführenden Willensbeeinflussung und der Vermögensgefährdung“. In der Revision bestätigte das Oberlandesgericht München das Urteil. Es gilt – zumindest für den Oberlandesbezirk – als Richtung weisend. Deshalb wurden jetzt erneut zwei Männer und eine Frau, die damals in die Organisation des Bobinger Schenkkreises eingebunden waren, von Amtsrichter Christoph Dössinger zu Geldstrafen verurteilt. utz

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Portrait2_Annelie_Dr._Ulrich_Bauhofer_%c2%a9Christian_M._Weiss.tif
Vortrag

Wie man in Licht baden kann

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden