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Augsburger Presseball 2018

05.11.2018

Zwei machen die Fliege - aus Holz und mit Leidenschaft

Diese beiden sind „Herr Fliege“: Architekt Philipp „Fusi“ Fuß (rechts) und Mediengestalter Stefan „Urbi“ Urbainczyk aus München. Gemeinsam kamen sie vor sechs Jahren auf die Idee, Holzfliegen herzustellen.
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Diese beiden sind „Herr Fliege“: Architekt Philipp „Fusi“ Fuß (rechts) und Mediengestalter Stefan „Urbi“ Urbainczyk aus München. Gemeinsam kamen sie vor sechs Jahren auf die Idee, Holzfliegen herzustellen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Mit Krawatte zur Abendveranstaltung? Wie langweilig, fanden Philipp Fuß und Stefan Urbainczyk, gingen in die Werkstatt und erfanden die Holzfliege.

Man möchte es kaum glauben. Am Stadtrand von München, im Keller eines in die Jahre gekommenen Einfamilienhauses, werden Holzfliegen hergestellt, die man im Grund als Designerstücke, als modische Unikate bezeichnen kann. Keine Fliege gleicht der anderen, jede sieht anders aus. Was für eine Modegeschichte!

Es gibt 27.200 Kombinationsmöglichkeiten

Auf einer Bierbank präsentieren Philipp „Fusi“ Fuß und Stefan „Urbi“ Urbainczyk ihr Sortiment – draußen im Garten, nicht weit entfernt von dem großen Kreisverkehr, in dem die A8 in München endet. Mit einer weiß-blauen Tischdecke haben sie den Tisch hergerichtet. Darauf sind Prototypen ihrer verschiedenen Holzfliegen. Es gibt sie standardmäßig in 17 verschiedenen Hölzern, die in acht verschiedenen Fliegenformen zugeschnitten werden. Für die Stoffbänder, die der Fliege in der Mitte Halt geben und die gleichzeitig einen farbigen Akzent setzen, haben sie ein Musterbuch zusammengestellt, in dem sie 200 verschiedene Stoffe zeigen. Zusammen ergibt das 27.200 verschiedene Fliegen-Kombinationsmöglichkeiten. Dass zwei Holzfliegen-Träger sich begegnen und das gleiche Stück von „Herr Fliege“ um den Hals tragen, ist eher unwahrscheinlich. Und falls ja: Kein Holzstück gleicht genau dem anderen, weder in der Farbe noch in der Maserung.

Die anderen Hochzeitsgäste wollten auch so eine Holzfliege haben 

Vor sechs Jahren haben Fusi und Urbi ihre ersten Holzfliegen gebaut, damals noch zum eigenen Gebrauch. Sie waren zu Hochzeiten eingeladen, und sie wollten beide weder zur Krawatte noch zur klassischen Fliege greifen. Also haben sie Holz in die Hände genommen, es zugeschnitten und geschliffen, mit einem Stoffband in der Mitte versehen, ein Band für den Hals angebracht. Und: Die Reaktionen der anderen Hochzeitsgäste, der Familie, der Verwandten und Bekannten waren eindeutig: viel Lob und dazu immer wieder die Bitte, doch auch so eine Fliege aus Holz gebaut zu bekommen. So fing das mit ihrem Geschäft „Herr Fliege“ an. Ihr Sortiment haben sie inzwischen erweitert. Neben den Holzfliegen gibt es mittlerweile auch Hosenträger, die am Verschluss einen Holzdruckknopf haben. Dazu passend kann man sich auch Manschettenknöpfe machen lassen, deren Verschluss denkbar einfach und gleichzeitig höchst raffiniert ist. Die Silberfassung, in der die Holzknöpfe eingelassen werden, hat eine Querstrebe, ein Silberdreieck hält die Manschette im Knopfloch in der Spur. Es gibt keinen Klapp-Verschluss und damit auch kein Gefummel beim Verschließen. Wer sich das große Ausgeh-Set von „Herr Fliege“ selbst zusammenstellt, kann noch ein passendes Einstecktuch (ebenfalls mit Holzknopf versehen) dazukaufen.

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Hergestellt wird das von den beiden sympathischen Jungunternehmern Philipp Fuß, 29, und Stefan Urbainczyk, 33. In ihrem Webshop können die Fliegen bestellt werden, danach verläuft die Herstellung analog: Der Auftrag wird auf einer Schiefertafel notiert, die Tafel an der Bandsäge unten im Keller angebracht. Wenn das gewünschte Holzstück gefunden ist, die Auswahl reicht von B wie Bambus bis zu Z wie Zwetschge, wird die Form aufs Holz gezeichnet und dann ausgeschnitten. Es folgen Feinschliff mit dem Schleifgerät, Zerteilen des Fliegenblocks mit der Kreissäge in drei Millimeter feine Scheiben, Abkanten an der Schleifmaschine, Polieren und Wachsen, damit die Fliegen im Notfall auch mal mit einem Tuch sauber gemacht werden können.

Und dann rief Hirmer bei „Herr Fliege“ an

Was jetzt noch fehlt, sind die Stoffbänder und der Verschluss. Dafür wird der staubige Keller verlassen. Die Nähmaschinen stehen im Wohnzimmer. Wenn alles fertig ist, warten die eigens für „Herr Fliege“ hergestellten Verpackungen aus Karton. „Die lassen wir in Deutschland machen“, sagt Fusi.

Anfangs haben sie die Fliegen noch in Holzschatullen, die mit Holzwolle gefüllt waren, geliefert. Als dann allerdings der Münchner Herrenausstatter Hirmer bei ihnen anrief und die Holzfliegen von „Herr Fliege“ ins Sortiment aufnehmen wollte, haben sie gemerkt, dass sie sich etwas Neues einfallen lassen müssen. Denn die Holzwolle neigte dazu, sich im riesigen Herrenausstatter großflächig zu verteilen. Seitdem gibt es die Karton-Lösung.

Als Fusi und Urbi ihre Holzfliegen einführten, waren sie die ersten auf dem Markt. Mittlerweile gibt es Nachahmer und die ersten Kopien aus China. Die Antwort der Jungunternehmer: Qualität und die Hoffnung, dass sich ihre Fliegen auch weiterhin durch Mund-zu-MundPropaganda einer größeren Beliebtheit erfreuen. Wer einmal im Webshop angefangen hat, mit dem Fliegenkonfigurator seine eigene Kreation zusammenzustellen, merkt schnell, dass Holzfliege und Holzfliege nicht dasselbe sind. Für Werbung und Marketing haben die beiden noch kein Budget, dafür aber Produkte im Sortiment, die an einem festlichen Abend den Unterschied ausmachen können.

Zur Person: Der Architekt und der Informatiker

Philipp „Fusi“ Fuß, 29, ist gelernter Architekt, Stefan „Urbi“ Urbainczyk Medieninformatiker. Gemeinsam kamen sie vor sechs Jahren auf die Idee, Holzfliegen herzustellen. Erst nur für den Eigenbedarf, dann feilten sie weiter an ihrer Technik und verkauften ihre Kreationen. „Herr Fliege“ heißt ihr Geschäft, ein reiner Internetshop. Ihre Produkte stellen sie in Handarbeit her. Mittlerweile ist auch der Münchner Herrenausstatter „Hirmer“ in München auf sie aufmerksam geworden.

Hinweis: Dieser Text stammt aus der Presseballbeilage unserer Zeitung

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