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Augsburg

13.10.2018

Zwölf Augsburger wollen Traum vom Wohnen ohne Mieterhöhung umsetzen

In der kommenden Woche sollen die ersten Bewohner in "ihr" Haus am Katzenstadel einziehen. Ein Verein, in dem sie Mitglied sind, hat das Haus gekauft und saniert.
Bild: Unser Haus

Plus Eine Gruppe von zwölf Augsburgern wird bald in ein Haus am Katzenstadel einziehen. Ihr Traum: keine Mieterhöhungen. Wie soll das gehen?

Nie wieder eine Mieterhöhung: Geht die Rechnung auf, dann haben Peter Knöpfle, Raffael Weigant und zehn weitere Mitstreiter in den kommenden Jahren garantiert stabile Mietpreise zu bezahlen. Denn sie sind sozusagen ihre eigenen Vermieter. Am Samstag (12. Oktober) wird das alternative Wohnprojekt „Unser Haus“ am Katzenstadel – vor zwei Jahren noch ein sanierungsreifes Wohnhaus mit Hintergebäude – eingeweiht. Man wolle mit dem Projekt auch ein Zeichen gegen die schwindelerregenden Mietsteigerungen und den heißlaufenden Wohnungsmarkt auch in Augsburg setzen, so die Initiatoren, die zum Großteil Studenten sind oder gerade eben mit dem Studium fertig sind.

Augsburger haben sich dem "Mietshäuser Syndikat" angeschlossen

Drei Jahre ist es her, dass die Überlegungen für das Wohnprojekt starteten und sich ein Verein gründete. Im Jahr 2016 kam man auf das Haus am Katzenstadel, Anfang 2018 startete die Sanierung. Wer im Haus lebt, ist Mitglied im Verein „Unser Haus“, aber hat kein Eigentum. Das gehört dem Verein und einem Zusammenschluss namens „Mietshäuser Syndikat“, in dem mehr als 100 derartiger Wohnprojekte in Deutschland organisiert sind.

Das „Syndikat“ würde sich einmischen, wenn grundsätzliche Änderungen wie ein Verkauf zur Debatte stünden. Die Mieten, es dürfte am Katzenstadel auf 8,50 Euro pro Quadratmeter hinauslaufen, dienen einzig dazu, den Kauf des Hauses zu refinanzieren und die Kredite bei der Bank und bei Freunden und Förderern zu bedienen. Gewinne sollen nicht gemacht werden.

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8,50 Euro Kaltmiete sind in Augsburg dabei momentan zwar günstig für eine Innenstadtlage, aber auch nicht unbedingt das große Schnäppchen. „Manche von uns wohnen momentan günstiger, etwa in einer WG in Oberhausen“, erzählt Knöpfle. „Aber klar ist: Die Mieten steigen allgemein. Wir müssen nur erhöhen, wenn der Kredit ausläuft und dann höhere Zinsen fällig werden sollten.“ Zudem sei mit dem Konstrukt sichergestellt, dass das Haus irgendwann nicht wieder verkauft wird. „Wir haben langfristiges Wohnen geschaffen. Das Haus kann nicht nach 40 Jahren verscherbelt werden und nach einer Luxussanierung teuer vermietet werden“, sagen Knöpfle und Weigant.

Der Weg war nicht ganz einfach

Ganz einfach war der Weg dahin aber nicht. Um für einen Bankkredit Eigenkapital vorweisen zu können, mussten die Initiatoren erst einmal Geld aus dem Bekanntenkreis leihen. Insgesamt wurden für das Haus und die Sanierung eine gute Million Euro an Krediten aufgenommen, die nun abbezahlt werden müssen. „Wir hatten alle schon die eine oder andere schlaflose Nacht“, so Knöpfle. Inzwischen ist die Sanierung des vorderen Hauses recht weit vorangeschritten. Der Großteil wurde von Handwerkern erledigt. „Wir hätten manche Dinge auch selbst machen können, aber wenn dann an einer Stelle irgendwie Verzug reinkommt, hätten sich auch alle nachfolgenden Handwerksarbeiten verzögert“, so Knöpfle. Inzwischen muss nur noch der Boden abgeschliffen und die Wände und Decken gestrichen werden. Kommende Woche soll die erste Wohngemeinschaft einziehen. Im Hinterhaus wird es wohl erst im Frühjahr soweit sein können. „Da schauten schon die Efeu-Wurzeln durch das Flachdach“, erinnert sich Knöpfle an den maroden Zustand vor dem Sanierungsstart. Trotz relativ hohen Aufwands gemessen am zu gewinnenden Wohnraum habe man sich zur Sanierung entschlossen. Wer etwas gegen Wohnungsnot tun wolle, müsse den verfügbaren Raum auch nutzen und nicht verschwenden.

Es gibt bereits eine zweite Initiative

Massentauglich dürfte das Modell, das an eine Genossenschaft angelehnt ist, wohl nicht werden, sagen auch die Initiatoren. Wer dort wohnt, muss auch zu den anderen Mitbewohnern passen, weil die Dinge gemeinschaftlich entschieden werden müssen. „Ein Stück weit sehen wir das auch als Labor an, etwa wie man mit Minderheitenmeinungen umgeht“, sagt Weigant. Eine zweite Initiative, die ein ähnliches Projekt in Augsburg auf die Beine stellen möchte, gibt es aber bereits.

Am Samstag um 18 Uhr findet an der Einmündung Katzenstadel/Blaue Kappe eine Demo unter dem Motto „Wohnraum für Alle! Freiraum für Alle“ statt. Organisiert wird sie von „Unser Haus“. Hauptthema ist die Forderung nach bezahlbaren Wohnungen.

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