Um für Hitzewellen der Zukunft besser gerüstet zu sein, will die Stadtverwaltung in der Innenstadt Hunderte von Bäumen an neuen Standorten pflanzen. Infrage kommen bisher teils baumlose Straßenzüge wie Karlstraße, Klinkertorstraße, der Hohe Weg am Dom oder auch Jakoberstraße, Lauterlech und Obstmarkt. "Wir wissen, dass wir mehr Grün in der Stadt brauchen", so Umweltreferent Reiner Erben (Grüne). Angesichts der Erwärmung von dicht bebauten Stadtteilen im Sommer seien mehr Bäume als Schattenspender unabdingbar.
Perspektivisch will die Stadt das ganze Stadtgebiet darauf untersuchen, wo Platz für Bäume ist. Darauf haben sich CSU, Grüne, Sozialfraktion und Bürgerliche Mitte in einem gemeinsamen Antrag verständigt. In vergangenen Jahren tat die Stadt sich mitunter aber schon damit schwer, ausreichend Ersatz für gefällte Bäume nachzupflanzen, in anderen Jahren gab es wiederum einen Überschuss. Geplant ist nun ein Sonderetat von 100.000 Euro pro Jahr, um in der Innenstadt mit Baumpflanzungen voranzukommen. Auch private Baumpatenschaften sollen gefördert werden.
Im Auftrag der Stadt wurde zuletzt ein mehrere Hundert Seiten dickes Gutachten erarbeitet, das aufzeigt, wo in der Innenstadt überhaupt noch Platz für Bäume ist. Denn neben dem Geld ist die Frage der Standorte für neue Bäume das größte Hindernis. "Je weniger Platz zur Verfügung steht, desto technisch anspruchsvoller ist die Pflanzung", so Moritz Eschenlohr vom Augsburger Landschaftsarchitekturbüro MNE, das die Untersuchung für die nördliche Augsburger Innenstadt (zwischen Grottenau und Thommstraße bzw. zwischen Blauer Kappe und Oblatterwallstraße) gemacht hat.
Bäume statt Parkplätze in der Innenstadt von Augsburg?
420 neue Standorte für Bäume hat die Studie ausgemacht, wobei nicht alle Standorte tatsächlich umsetzbar sein werden. Ein großes Thema dabei sind Leitungen im Untergrund, die Baumpflanzungen verhindern. Zwar ist die Lage von Leitungen bekannt, im Detail und für jeden Einzelfall ist aber nicht untersucht, ob eine Baumpflanzung möglich ist. Eine Rolle spielen ebenso Aspekte wie Rettungswege.
Und auch der Platz ist ein Thema: Wenn am Straßenrand neue Bäume gepflanzt werden sollen, dann müssten an der einen oder anderen Stelle Parkplätze für Autos wegfallen. "Nicht jeder Baum ist vor Ort auch gewünscht", so Armin Baur vom städtischen Grünamt. Mitunter hätten Anlieger Angst vor Wurzelschäden an Häusern. Allerdings sei dieses Problem beherrschbar, so Baur. Auch mit Denkmalschutz und Stadtplanung müsse diskutiert werden, sagt Landschaftsarchitekt Eschenlohr.
Absehbar ist nämlich: Zusätzliche Bäume würden auch das Leitbild der "Steinernen Stadt" berühren. Sollte auch für den Süden der Innenstadt untersucht werden, wo Bäume stehen können, würde sich etwa die Frage nach dem Rathausplatz oder auch der Maximilianstraße, die ohnehin umgestaltet werden soll, stellen. Optisch wäre das, selbst wenn es technisch machbar wäre, eine ziemliche Umgewöhnung.
Die Stadt will nun mit der Detailüberprüfung jedes vorgeschlagenen Standorts beginnen. Wie viele Bäume gepflanzt werden können, dürfte nicht zuletzt am Geld hängen. Die Stadt geht davon aus, dass eine Baumpflanzung im Innenstadtbereich, wenn sie nicht im Rahmen einer ohnehin stattfindenden Baustelle geschieht, mit einem Betrag zwischen 8000 und 25.000 Euro zu Buche schlägt. Auch mit dem Sonderetat von 100.000 Euro würde man damit nicht sehr weit kommen. In der Praxis dürfte das bedeuten, dass viele Baumpflanzungen im Zuge von ohnehin stattfindenden Sanierungsmaßnahmen erfolgen werden.
Beim CO2-Sparen helfen die Stadtbäume in Augsburg nicht
Gleichwohl, sagt Erben, habe man nicht viel Zeit. Weil es eine Zeitlang braucht, bis neu gepflanzte Bäume so viel Schatten werfen, dass kühlende Effekte eintreten, müsse man möglichst sofort beginnen. Die Bäume seien auch nur als Maßnahme gegen die ohnehin nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels zu verstehen, indem sie gerade gefährdeten Gruppen wie Menschen mit Vorerkrankungen oder im fortgeschrittenen Alter den Aufenthalt in der Stadt an Hitzetagen erträglicher machen. Eine Maßnahme zur CO2-Reduzierung seien die Stadtbäume aber nicht.
In einer Untersuchung zu den jetzt schon absehbaren Folgen des Klimawandels kam die Stadt bereits vor zwei Jahren zum Ergebnis, dass sich das Augsburger Klima bis 2050 wohl den heutigen Gegebenheiten der Region zwischen Kroatien und Bosnien oder dem venezianischen Hinterland annähern wird. Absehbar sind höhere Durchschnittstemperaturen mit häufigeren Hitzeperioden und mehr Starkregenereignisse. Insofern sind die Bäume als ein Baustein in einer größeren Strategie zu sehen. Aktuell wird ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der auch Aspekte wie Katastrophenschutz (Starkregenereignisse), Gesundheit, Ökologie sowie Land- und Forstwirtschaft in den Blick nimmt.
Eine Studie der Universität Augsburg untersuchte zuletzt auch, welche Stadtteile und Gebäudetypen besonders stark von Überhitzung im Sommer betroffen sind. Eines der Ergebnisse: Die Innenstadt weist mit 13,4 Prozent den geringsten Grünflächenanteil in der ganzen Stadt auf und ist deshalb von Hitze stärker betroffen. Auch in Oberhausen gibt es Handlungsbedarf. Die Stadt möchte dort wie berichtet einen modellhaften Umbau zum an den Klimawandel angepassten Stadtteil versuchen.