Das Klimacamp hat nach der Rede von Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) bei der Verleihung des Zukunftspreises der Stadt Kritik an der Tonlage geübt, gleichzeitig aber auch Bereitschaft zu Gesprächen signalisiert. Es habe sich mitnichten um eine Laudatio im Sinne einer Würdigung gehandelt, so Janika Pondorf. "Wir sind enttäuscht, dass Oberbürgermeisterin Weber die Laudatio an sich riss, um ihrer persönlichen Meinung gegenüber dem Klimacamp erneut an unpassender Stelle Ausdruck zu verleihen", so Pondorf. Man wäre sehr an der Original-Laudatio interessiert, die Grünen-Fraktionschef Peter Rauscher als Jurymitglied ursprünglich halten sollte.
Klimacamp erhielt überraschend Zukunftspreis der Stadt Augsburg
Gleichwohl stehe man für die von Weber angeregten Gespräche gerne bereit und freue sich über das Angebot. "Die Tagesordnung können wir gemeinsam ausarbeiten. Dabei sollten wir versuchen, eine sozial gerechte Augsburger Antwort auf die Klimakatastrophe zu finden", so Klimacamper Julius Natrup. Allerdings verweisen die Klimacamper und -camperinnen auch darauf, dass ihre Tür seit 22 Monaten für Gespräche mit Politikern offen stehe. Mit Stadtratsmitgliedern und allen drei Bundestagsabgeordneten habe es schon Diskussionen gegeben. Zudem sei es mitnichten so, dass die Aktivisten und Aktivistinnen eindimensional auf Klimaschutz fixiert seien. Das Versammlungsthema der Klimagerechtigkeit beinhalte eine soziale Komponente, weil sowohl global als auch in Augsburg ärmere Menschen stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen seien.
Das Klimacamp war wie berichtet am Montagabend überraschend mit dem mit 1000 Euro dotierten Zukunftspreis der Stadt bedacht worden. Zuletzt waren Stadt und Klimacamp auf einen recht konfrontativen Kurs zueinander gegangen. Die Entscheidung hatte eine unabhängige Jury aus Nachhaltigkeitsbeirat und Stadträten bereits vor einem Dreivierteljahr getroffen, wobei die Preisträger erst jetzt öffentlich wurden, weil der Festakt im vergangenen Jahr coronabedingt verschoben werden musste. Weber nahm die Preisverleihung ans Klimacamp persönlich vor und erneuerte in ihrer Rede ihre Kritik an der Herangehensweise des Klimacamps, machte aber gleichzeitig ein Gesprächsangebot.
OB Weber hält kritische Laudatio - Aktivisten planen weitere Demos
Dem Vernehmen nach hatte es innerhalb der Verwaltung durchaus für Verstimmungen gesorgt, dass die Auszeichnung des Klimacamps intern erst wenige Tage vor dem Festakt bekannt wurde. Teile der Verwaltung, die mit dem Zukunftspreis inhaltlich zu tun haben, wussten offenbar schon länger um den Preisträger Klimacamp. Um bei der Ehrung nicht schweigend danebenzusitzen, entschloss sich Weber dann offenbar, die Auszeichnung selbst vorzunehmen und eine kritische Laudatio zu halten.
Unterdessen haben die Aktivisten und Aktivistinnen am Dienstag erneut demonstriert. Zwischen 9.30 und 9.50 Uhr wurde die Hallstraße gesperrt. Laut Klimacamp war am Montag ein Schüler vor dem Holbein-Gymnasium von einem Auto touchiert worden und vom Rad gefallen. Er blieb aber unverletzt. Vor diesem Hintergrund wolle man darauf hinweisen, dass die Verkehrsberuhigung der Hallstraße überfällig sei. Bereits am Freitag hatte es im Rahmen der Vorstellung eines Verkehrswende-Konzepts eine Demo-Sperrung gegeben.