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Augsburg: Doch kein Kahlschlag: Die Bäume am Bahnhof haben eine Zukunftsperspektive

Augsburg

Doch kein Kahlschlag: Die Bäume am Bahnhof haben eine Zukunftsperspektive

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    Die Bäume auf dem Bahnhofsvorplatz können in Teilen wohl erhalten werden.
    Die Bäume auf dem Bahnhofsvorplatz können in Teilen wohl erhalten werden. Foto: Silvio Wyszengrad

    Die 44 Bäume am und auf dem Bahnhofsvorplatz könnten in großen Teilen erhalten bleiben. Das ist das Ergebnis eines Baumgutachtens zum Gesundheitszustand der Bäume. Ursprüngliche Überlegungen der Stadt hatten vorgesehen, den Bahnhofsvorplatz im Zuge seiner in den kommenden Jahren anstehenden Neugestaltung komplett zu roden und dann neue Bäume zu pflanzen. Inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass es nicht mehr zu dieser Radikallösung kommen wird. Wie viele Bäume auf dem Platz stehen bleiben können, ist aber noch offen – je mehr Bäume, desto weniger Kurzzeit-Stellplätze für Autos, so die Rechnung. 

    Teils galten die Bäume am Augsburger Hauptbahnhof als stark angeschlagen

    Die Pläne der Stadt hatten bei ihrem Bekanntwerden vor eineinhalb Jahren für Entsetzen bei Baumschützern vom Verein Baumallianz und dem Klimacamp geführt. Vorgesehen war die Fällung der großen Baumgruppe auf dem Bahnhofsvorplatz zum Helio-Center hin, der Bäume in der Viktoriastraße vor dem Bahnhofsvorplatz und der Bäume in der Kurzen Bahnhofstraße (Bereich Salewahaus/Peek&Cloppenburg). Grund: Teils galten die Bäume als stark angeschlagen, teils stehen sie einer Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes im Weg. Der Bahnhofsvorplatz bekommt wie berichtet ein neues Pflaster. In der Mitte ist eine große Fläche mit dem wiederaufgebauten Bechteler-Brunnen vorgesehen, auf der rechten Seite bei der Baumgruppe Auto-Stellplätze, auf der linken Seite Radstellplätze und eine Busspur für die Regionalbusse. Beide Randflächen sollen mit Bäumen bepflanzt werden, und zwar in der Summe mit mehr als bisher. Allerdings wird es Jahre brauchen, bis sie tatsächlich Schatten spenden. 

    Als sich auch politischer Widerstand gegen die Fällungen zusammenbraute, kündigte das Baureferat eine Planungspause an. Ein externer Baumgutachter wurde beauftragt, um zu ermitteln, wie geschädigt die Bäume wirklich sind. Zumindest für den Bahnhofsvorplatz fällt sein Urteil positiver aus als die damalige düstere Prognose der Stadt. Die Bäume auf dem Platz hätten zu wenig Platz für die Wurzeln und seien zu knapp an der Oberfläche gepflanzt, allerdings kommt der Gutachter auch zum Ergebnis, dass die Bäume in einem passablen Zustand seien. Insgesamt gelten von den 44 Bäumen 18 als erhaltens- oder sehr erhaltenswert, elf als eingeschränkt erhaltenswert und 15 als wenig oder nicht erhaltenswert. 

    Entscheidung am Hauptbahnhof: Mehr Bäume oder mehr Parkplätze?

    Die Stadt will das Gutachten demnächst öffentlich vorstellen. Wenn Bäume auf dem Bahnhofsvorplatz stehen bleiben sollen, müsse man die Planung dort ändern, so Baureferent Steffen Kercher. Denn eine bloße Überpflasterung des Erdreichs rund um die Stämme sei nicht möglich, wenn man die Bäume erhalten wolle. Klar sei auch: Was man als Baumfläche erhalte, werde für eine andere Nutzung nicht zur Verfügung stehen. "Sobald man näher an einen Baum rückt, muss man schauen, was das für den Baum bedeutet. Und wenn man weiter von den Bäumen wegrückt, muss man schauen, was das für die Planung bedeutet", so Kercher. Zudem werde man überlegen, ob auf der zentralen Platzfläche einzelne Bäume ähnlich dem Königsplatz gepflanzt werden könnten, um im Sommer für Schatten zu sorgen. 

    So könnte der Bahnhofsvorplatz nach Entwürfen aus dem Jahr 2015 des Landschaftsarchitekturbüros Atelier Loidl aus Berlin einmal aussehen.
    So könnte der Bahnhofsvorplatz nach Entwürfen aus dem Jahr 2015 des Landschaftsarchitekturbüros Atelier Loidl aus Berlin einmal aussehen. Foto: Atelier Loidl

    In einem nächsten Schritt soll die Entwurfsplanung überprüft werden. Nach bisherigem Stand sind 35 Kurzzeitparkplätze und Plätze für Taxis und Carsharing geplant. Sollen Bäume erhalten bleiben, dürften es weniger werden. "Zwischen dem Zeitpunkt, als der Wettbewerb zur Platzgestaltung ausgelobt wurde und der Umsetzung hat und wird sich das Mobilitätsverhalten ändern", so Kercher. Mit dem Auto vorzufahren und Gepäck auszuladen, müsse weiter möglich sein, Parken im großen Stil sei aber in Parkhäusern sinnvoller. 

    Die Arbeiten für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes sollen in voraussichtlich fünf Jahren beginnen, wenn die Arbeiten am Bahnhofstunnel (endgültig fertig 2024) und an den Bahnsteigen (die DB versieht sie mit neuen Dächern) abgeschlossen sind. Allerdings bestimmt über die jetzt denkbare Umplanung die Stadt nicht allein. Sie erstellt das städtebauliche Konzept, Eigentümerin der Fläche ist aber die Deutsche Bahn, die auf einer gewissen Zahl an gebührenpflichtigen Stellplätzen beharren dürfte. 

    Auch die Augsburger Stadtregierung stimmt dem neuen Gutachten zu

    Die Baumallianz, ein Verein, der sich dem Erhalt der Augsburger Bäume verschrieben hat, begrüßte das Ergebnis des Gutachtens, auch wenn es nicht überraschend komme. "Wir haben die Bäume schon vergangenes Jahr selbst in Augenschein genommen und konnten den von der Stadt festgestellten allgemein schlechten Zustand nicht bestätigen", so Vorsitzende Susanne Altmann. Umso erfreulicher sei, dass dies nun auch die Stadt so sehe. Altmann forderte, den Bäumen, die nicht so gut dastehen, nun bestmöglich mit neuer Erde und Dünger zu helfen. Zudem müsse bei der Abwägung zwischen Parkplätzen und Bäumen das Pendel klar in Richtung Baumerhalt ausschlagen. "Das Verkehrsverhalten ändert sich, und wir brauchen mehr Grün in den Städten im Hinblick auf den Klimawandel", so Altmann. 

    Auch vom schwarz-grünen Regierungsbündnis, das nach Bekanntwerden der umstrittenen städtischen Pläne eine Überprüfung beantragt hatte, kam Zustimmung zum Gutachten. Man hoffe, dass nun möglichst viele Bäume erhalten werden könnten, so die Fraktionsspitzen in einer gemeinsamen Erklärung. Das Baumgutachten müsse "zwingend bei der Neugestaltung des Platzes berücksichtigt" werden, so Grünen-Fraktionschef Peter Rauscher. CSU-Fraktionschef Leo Dietz betonte, die Bürger müssten vor Hitze geschützt werden. Bäume seien dafür wichtig. 

    Baumgutachter Andreas Detter wird die Ergebnisse am Montag, 4. Dezember, 18 Uhr, im Filmsaal des Zeughauses öffentlich vorstellen. Auch Baureferent Kercher und Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) sind vor Ort. Es ist eine Anmeldung unter augsburg.de/baumgutachten nötig.

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