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Augsburg: Fahndungserfolg nach Krawallen: So geht es in der Maxstraße weiter

Augsburg

Fahndungserfolg nach Krawallen: So geht es in der Maxstraße weiter

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    Die Ermittlungen der Polizei nach der Krawallnacht im Juni in der Augsburger Maxstraße gehen unvermindert weiter. Eine Öffentlichkeitsfahndung mit Fotos von vier Tatverdächtigen führte nun zu schnellem Erfolg.
    Die Ermittlungen der Polizei nach der Krawallnacht im Juni in der Augsburger Maxstraße gehen unvermindert weiter. Eine Öffentlichkeitsfahndung mit Fotos von vier Tatverdächtigen führte nun zu schnellem Erfolg. Foto: Andreas Herz, dpa

    Man werde die Täter mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgen. Nicht nur das hatte Michael Schwald nach den Krawallen in der Nacht auf den 20. Juni in der Augsburger Maximilianstraße angekündigt. Der Polizeipräsident betonte nach den Vorfällen auch, dass Verdächtige bei ausreichendem Verdacht mit der Veröffentlichung von Fahndungsfotos rechnen müssen. Das ist nun passiert. Die Polizei ging am Mittwochvormittag mit Fahndungsfotos an die Öffentlichkeit. Und das mit Erfolg, wie sich bereits ein paar Stunden später zeigte. In jener Juni-Nacht hatte sich ein ganzer Mob junger Menschen mit der Polizei angelegt. Flaschen wurden geworfen, Beamte angegriffen und verletzt, Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert. Seitdem gilt in Augsburgs Weggehmeile ein verschärftes Sicherheitskonzept.

    Polizei wertete nach Maxstraßen-Ausschreitungen Fotos und Videos aus

    Die Bilder auf den Fahndungsplakaten zeigten vier junge Männer in T-Shirts, Jeans oder kurzen Hosen. Die Fotos haben die Ermittler aus über 100 Video- und Bilddateien herausgezogen, die Augenzeugen in jener Nacht aufgenommen haben. Die Polizei hatte die Augsburger dazu aufgerufen, ihre Aufnahmen den Ermittlern zu Verfügung zu stellen. Bei den vier jungen Männern besteht auch der Verdacht des besonders schweren Landfriedensbruchs.

    Der Gesetzgeber versteht unter Landfriedensbruch Gewalt gegen Menschen oder Sachen oder die Bedrohung von Menschen, die aus einer Menschenmenge heraus begangen wird. Besonders schwere Fälle liegen vor, wenn der Täter oder die Täterin etwa eine Waffe bei sich führt oder durch Gewalt einen Menschen gefährdet. Das Strafmaß kann hier von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe liegen. Die Öffentlichkeitsfahndung, um mögliche Täter identifizieren zu können, ist ein letztes Mittel der Polizei, sagt Polizeisprecher Stefan Faller. Bis dieser Schritt gegangen werde, müssten bis dahin sämtliche Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sein. Bereits wenige Stunden später, am Nachmittag, meldete die Polizei Erfolg.

    Der Polizeieinsatz auf der Augsburger Partymeile erregte bundesweit Aufsehen.
    Der Polizeieinsatz auf der Augsburger Partymeile erregte bundesweit Aufsehen. Foto: privat

    Über die eigens eingerichtete Hotline der Kripo Augsburg und auf den Social-Media-Kanälen der Polizei waren mehrere Hinweise zu den Tatverdächtigen eingegangen. Die Kripo ermittelte daraufhin nach und nach die Verdächtigen. Einer von ihnen hatte sich sogar selbst gemeldet. Er gab an, der gesuchte Mann zu sein.

    Nach Maxstraßen-Krawallen gab es zahlreiche Wohnungsdurchsuchungen

    Seit den Ausschreitungen in der Innenstadt hat die Polizei bislang 32 Tatverdächtige identifiziert. Dabei handelt es sich um drei Frauen und 29 Männer im Alter von 15 bis 24 Jahren. Wie die Polizei berichtet, sind 21 der ermittelten Tatverdächtigen deutsche Staatsangehörige. Sieben Personen haben die ungarische, äthiopische, bulgarische, syrische, polnische, albanische oder kroatische Staatsangehörigkeit. Zwei Tatverdächtige sind Türken, zwei Italiener. Die Verdächtigen sollen in der Tatnacht wiederholt Straftaten begangen haben. Laut Polizei waren sie nach aktuellem Stand an insgesamt 46 Fällen beteiligt. In diesem Zusammenhang war es in den vergangenen Wochen zu etlichen Wohnungsdurchsuchungen gekommen. Neben den bislang 32 identifizierten Tatverdächtigen wird derzeit noch gegen rund 30 unbekannte Täter ermittelt.

    Vorfälle mit so einer hohen Anzahl von mutmaßlichen Tätern sind in Augsburg äußerst selten. Das wohl letzte Vorkommnis in dieser Dimension liegt über 20 Jahre zurück. Im März 1994 kam es zu Krawallen an mehreren Orten in Augsburg, nachdem die Stadt ein kurdisches Kulturfest untersagt hatte. Damals wurden 48 Polizisten verletzt. Zwar sind beide Fälle nicht vergleichbar, aber auch damals wurde wegen Landfriedensbruch ermittelt.

    Polizeipräsident Michael Schwald hatte auch betont, die Täter "mit der ganzen Härte des Gesetzes zu verfolgen". Bislang gab es eine Festnahme. Die erfolgte bereits Ende Juni. Ein 19-jähriger, aus Äthiopien stammender Heranwachsender war an seiner Augsburger Wohnadresse festgenommen worden. Die Personalien des Schülers waren bekannt, nachdem er damals an der Tankstelle am Leonhardsberg als Rädelsführer die dorthin abgewanderte Menge angestachelt und Polizisten massiv beleidigt habe. Er soll in der Maxstraße mit Flaschen und einer langen Stange geworfen haben. Der Schüler sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. Strafbefehle wurden laut der Augsburger Staatsanwaltschaft bislang noch nicht beantragt. Aber in einigen Fällen seien die polizeilichen Ermittlungen sehr weit gediehen, meint Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai auf Nachfrage.

    Noch keine Entscheidung über Betretungsverbote in der Innenstadt

    Unmittelbar nach der Krawallnacht hatte die Stadt angekündigt, Betretungsverbote gegen mutmaßliche Täter prüfen zu wollen. Unabhängig von der strafrechtlichen Verfolgung und auch schon vor einem Gerichtsurteil hat die Stadt die Möglichkeit, Verdächtigen den Aufenthalt in Teilen der Innenstadt zu bestimmten Zeiten zu untersagen, wenn sie Wiederholungsgefahr sieht. Bisher, so Ordnungsreferent Frank Pintsch (CSU), sei bei den Maxstraßen-Verdächtigen noch nicht abschließend darüber entschieden, weil die polizeilichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Stadt und Polizei seien deswegen aber ständig im Gespräch. Die Stadt nutzt das Instrument des zeitlich beschränkten Betretungsverbots seit Jahren gegen Party-Schläger in der Innenstadt, ging damit bisher aber eher zurückhaltend um.

    Nach den Ausschreitungen in der Augsburger Maximilianstraße waren Polizei und Ordnungsdienst mit einem Großaufgebot präsent.
    Nach den Ausschreitungen in der Augsburger Maximilianstraße waren Polizei und Ordnungsdienst mit einem Großaufgebot präsent. Foto: Peter Fastl

    Vor zwei Wochen hatte die Stadt die strengen Sicherheitsvorschriften, die nach den Krawallen erlassen worden waren (unter anderem Verbot von Alkoholkonsum und Zugangsbeschränkungen am Herkulesbrunnen), etwas gelockert. Die Einschränkungen gelten inzwischen nicht mehr am Donnerstagabend und wurden am Freitag- und Samstagabend von 18 auf 20 Uhr nach hinten verlegt. Auf Dauer, so Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU), sei auch das starke Aufgebot von Polizei und Ordnungsdienst nicht aufrechtzuerhalten. Ordnungsreferent Pintsch kündigte am Mittwoch an, man werde nun das kommende Wochenende abwarten, und danach entscheiden, ob es weitere Lockerungen gebe oder ob die aktuellen Regeln verlängert werden.

    Über die Probleme in der Maximilianstraße sprechen wir auch in unserem Podcast "Augsburg, meine Stadt". Hier können Sie das Gespräch anhören.

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