Aus dem Pförtnerhaus im Martinipark ist ein Café geworden. Martini-Geschäftsführer Wolfgang Geisler (links) heißt die Betreiber Christina Auernhammer und Michael Endres willkommen.Foto: Michael Hörmann
Der Martinipark im Augsburger Textilviertel gilt als gute Adresse für Firmen, die den Wert von historischer Bausubstanz schätzen. Das Areal ist für Gewerbetreibende und Dienstleister interessant. Das Staatstheater Augsburg, das derzeit wegen der Kündigung des Architekten für die Generalsanierung wieder einmal in den Schlagzeilen steht, bespielt seit Jahren im Martinipark angemietete Räume. Früher war Besuchern der Zutritt aufs Gelände nur erlaubt, wenn sie sich am Pförtnerhäuschen ausweisen konnten. Diese Regelung gilt schon lange nicht mehr. Das ehemalige Pförtnerhäuschen wurde in den zurückliegenden Monaten umgebaut. Entstanden ist ein Café, auch der Eröffnungstermin steht: Am Donnerstag, 1. Mai, geht es los. Die Betreiber erfüllen sich mit dem Café einen Lebenstraum.
Bei einem Italiener wird die Idee für das Café geboren
Hinter dem Projekt steht eine Familie. Jurist Michael Endres gehört dazu. Der 64-Jährige erzählt von den Anfängen: „Vor zwei Jahren saß ich mit meiner Ehefrau und meinen beiden Schwestern bei einem Italiener zusammen. Da kam die Idee auf, künftig ein Café zu betreiben.“ Endres schmunzelt, wenn er an den Zeitpunkt zurückdenkt. Man habe im Familienverbund Zukunftspläne geschmiedet. Er habe „irgendwie gedacht, ich müsste mal zum Mond fliegen“.
Die Chefin des Cafés erinnert sich: „Bei einem Termin kam ich dann mit Wolfgang Geisler in Kontakt.“ Geisler ist Geschäftsführer der Martini-Firmengruppe. Er managt mit einem Team den Martinipark und andere Immobilien. Für ihn seien die neuen Mieter ein Glücksfall, sagt er. Gemeinsam habe man das Konzept entwickelt. Aus dem Pförtnerhäuschen sollte ein Café werden. Die Betreiber haben mit eigenem Geld ihre Ideen umgesetzt. „Das Café hat den Charakter einer italienischen Espressobar“, sagt Michael Endres. Das Mobiliar ist eine Mischung aus antiken und modernen Einrichtungsgegenständen. Man sieht die Handschrift von Christina Auernhammer.
Café Martini in Augsburg: Yaprak Ata ist Serviceleiterin
Sieben Teilzeitkräfte sind eingestellt. Serviceleiterin ist Yaprak Ata. Die Betreiber des Cafés werden selbst anpacken, zumal die Öffnungszeiten ambitioniert sind. Das Café Martini hat montags bis freitags von 7.30 bis 19.30 Uhr geöffnet, an Samstagen geht der Betrieb von 10 bis 19.30 Uhr. „Unser Café soll Treffpunkt für Nachbarn, Beschäftigte des Gewerbeparks und Theatergänger sein“, sagt Christina Auernhammer. Mit ausgedehnten Öffnungszeiten hoffe man, den Wünschen der Gäste gerecht zu werden. Knapp 20 Plätze gibt es im lichtdurchfluteten Café. Zudem stehen im Freien einige Plätze zur Verfügung. Die Eröffnung ist am 1. Mai ab 10 Uhr.
Yaprak Ata ist Serviceleiterin im kleinen Café Martini.Foto: Michael Hörmann
Das Café liegt im Eingangsbereich des Martiniparks. Der über Jahrzehnte bestehende Betrieb des Pförtnerhauses wurde zum Ende der 1990er-Jahre eingestellt. Seit dieser Zeit wurde das Gebäude an Handwerker und Dienstleister vermietet. Es beherbergte früher die zentrale Briefkastenanlage des Martiniparks. Zwischenzeitlich haben die Mieter eigene Briefkästen an ihren Gebäuden. Die Auslastung liegt bei 99 Prozent, exakt 212 Mieter sind es aktuell.
Auch das Staatstheater ist Mieter im Martinipark. Foto: Michael Hörmann
Zu den Mietern gehört das Staatstheater. Der Vertrag begann im Oktober 2017. Premiere war damals die Aufführung des Stücks „Der Freischütz“. Es gebe einen langfristigen Vertrag, sagt Geisler: „Wir freuen uns, wenn wir das Theater während der laufenden Sanierung am Standort in der Innenstadt begleiten dürfen.“ 620 Zuschauer fasst die Spielstätte im Martinipark. Noch steht nicht fest, wie es nach dem Auszug des Staatstheaters im Gebäude weitergeht. Geisler: „Unser Wunsch wäre, die Spielstätte dann für andere Veranstalter zu erhalten.“ Denkbar sei ferner eine gewerbliche Nutzung.
Ein langjähriger Mieter wird den Martinipark verlassen. Die Firma Freudenberg (bekannt durch die Marke Vileda) gibt den Produktionsstandort im Textilviertel auf. Mitte 2026 soll die Produktion enden. Der Auszug wird dann einige Monate später sein. Es ist der endgültige Rückzug aus dem Gewerbepark im Textilviertel, lediglich ein Werksverkauf bleibt. Wie es danach auf dem Areal weitergeht, ist offen. Wohnbebauung werde mittelfristig nicht angestrebt, hieß es zuletzt. Nicht weit vom Gewerbepark entfernt gibt es bereits eine große Wohnanlage der Firma Martini.
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