Sie stehen unter anderem in den Gewerbegebieten in Lechhausen, Oberhausen oder Haunstetten: Betriebe, die als „Saunaclub“ oder „Laufhaus“ firmieren. Es sind Begriffe, hinter denen sich auch die größten Rotlicht-Betriebe der Stadt verbergen; mal haben sie 22 Zimmer, mal 20. Die Szene und das Gewerbe standen zuletzt mehrfach im Fokus, es ging etwa in einem Rechtsstreit um die Fragen, welche Auflagen die Stadt den Bordellen machen darf, damit Prostituierte vor Übergriffen von Freiern geschützt sind. Einst galt Augsburg als „Rotlicht-Hauptstadt“, wenn auch mit einer fragwürdigen Zahlengrundlage. Es gab Razzien und Ermittlungsverfahren. Auch heute noch wird die Branche teils von zwielichtigen Figuren bevölkert, allerdings hat sich die Situation nach Einschätzung der Polizei geändert.
Nach Angaben der Stadt existieren in Augsburg 22 derzeit „konzessionierte Prostitutionsstätten“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Diese Zahl genehmigter Betriebe ist seit Jahren ähnlich. Daneben gibt es noch diverse Bordellwohnungen – wie viele genau, weiß keiner so recht. Vor zwei Jahren wurde die Zahl von der Ordnungsbehörde der Stadt aber mal auf etwa 50 geschätzt. Rockergruppierungen oder ähnliche Formen der Organisierten Kriminalität spielten bei den Bordellen in der Stadt nach Erkenntnissen der Polizei zuletzt keine Rolle. Offiziell werden sie teils von Einzelpersonen, teils von Unternehmen betrieben. Vorstrafen dürfen die Inhaber laut städtischen Vorgaben keine haben. Eine klassische „Rotlicht-Größe“, die die Szene in der Hand hält oder dominiert, gibt es in Augsburg wohl nicht.
Prostitution in Augsburg: Polizei hat keine Erkenntnisse zu Organisierter Kriminalität
Dennoch kommt es im Zusammenhang mit Prostitution immer mal wieder zu Straftaten, 2024 erfasste die Polizei etwa vier Fälle des „Handels zum Zweck der Ausbeutung bei Ausübung der Prostitution“ sowie zehn Fälle der Zwangsprostitution. Allerdings: Nach Erkenntnissen der Ermittler wurden diese Delikte außerhalb von Bordellen begangen. Viele Prostituierte arbeiteten organisiert, heiß es von den Beamten. Die Frauen stammten oft aus Osteuropa, teils auch aus dem asiatischen Raum. Organisiert bedeute aber nicht zwangsläufig, dass hier Menschenhandel, Zuhälterei oder Zwangsprostitution vorliege, sondern beziehe sich auf die geplante Umsetzung. Heißt: Es gibt Gehilfen, die indirekt am Geschäft mit der Prostitution mitverdienen, etwa Fotos anfertigen, Inserate im Internet erstellen, Hotelzimmer buchen. Illegal ist daran allerdings nichts.
Dass es um die Szene eher ruhig ist, war nicht immer so. Noch 2022 wurde in München ein früheres Mitglied der „Hells Angels“ wegen schwerer Zwangsprostitution verurteilt, der einst an der Leitung des Bordells „Cleopatra“ in Augsburg beteiligt gewesen sein soll. Es ging im Prozess auch um Taten in Augsburg. Dem Rockerclub wurden in der Vergangenheit teils auch Verbindungen zu anderen Bordellbetrieben in der Stadt nachgesagt.
Der Titel der „Rotlicht-Hauptstadt“ stammt aus jener Zeit. Verliehen hatte ihn der Stadt die Zeitung Welt, weil damals in Augsburg gemessen an der Einwohnerzahl die meisten Prostituierten arbeiteten. Die Zahlen beruhten allerdings lediglich auf Schätzungen der Behörden. Durch das Verbot des Straßenstrichs 2013 ging die Zahl der Prostituierten ohnehin zurück, der Titel dürfte sich daher seit geraumer Zeit erledigt haben.
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