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Jugendlicher nach Hammer-Attacke in Augsburg wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Augsburg

Hammer-Attacke in Augsburger Park: Jugendlicher bricht Kontrahenten den Schädel

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    Der Schlösslepark in Pfersee: Hier hat sich im November 2024 die Hammer-Attacke ereignet. Am Landgericht Augsburg steht nun ein Jugendlicher wegen versuchten Totschlags vor Gericht.
    Der Schlösslepark in Pfersee: Hier hat sich im November 2024 die Hammer-Attacke ereignet. Am Landgericht Augsburg steht nun ein Jugendlicher wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Foto: Bernhard Weizenegger, Alexander Kaya

    Mit einer Ohrfeige ging es los. So haben es die Ermittler von Staatsanwaltschaft und Kripo Augsburg zumindest rekonstruiert. Zwei Gruppen junger Leute trafen im November vergangenen Jahres aufeinander, die Jugendlichen sollen sich beleidigt haben. Dann verpasste einer der Beteiligten offenbar einem Kontrahenten eine Watschn. Und die gegnerische Gruppierung, so sehen es die Ermittler, schwor Rache.

    Am selben Tag soll es später im Schlösslepark in Pfersee erneut zu einem Treffen der beiden Gruppierungen gekommen sein. Ein damals 14-Jähriger, Marius L. (Name geändert), war offenbar an der ersten Streitigkeit gar nicht beteiligt, doch er beteiligte sich an der nächsten – und er nahm einen Hammer mit. Er schlug laut Anklage einem 16-Jährigen auf den Kopf. Das Opfer wurde schwer verletzt, es erlitt einen Schädelbruch und kam in die Uniklinik. Lebensgefahr, hieß es später, habe aber nicht bestanden.

    Seit Mittwoch muss sich Marius L., inzwischen 15 Jahre alt, vor einer Jugendkammer des Landgerichtes Augsburg verantworten. Der Prozess findet aufgrund des jugendlichen Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es geht um den Vorwurf des versuchten Totschlags, was bedeutet, dass der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen haben soll, dass das Opfer sterben könnte. Nach Recherchen unserer Redaktion stammt der 14-Jährige aus Kriegshaber, er sitzt seit seiner Festnahme Ende 2024 in Untersuchungshaft. Nach Angaben seiner beiden Verteidiger, Güney Behrwind und Peter Möckesch, räumt der Jugendliche den Schlag ein, was das Gericht bestätigt. Der Jugendliche bestreite aber, eine Tötungsabsicht gehabt zu haben, sagt Mökesch. Ihr Mandant bereue die Tat und wolle das Opfer finanziell entschädigen.

    Prozess in Augsburg: Staatsanwaltschaft wirft Jugendlichem versuchten Totschlag vor

    Bei solch einer brutalen Tat, wie eben jene im Schlösslepark, handelt es sich zwar um Einzelfälle. Dennoch hatten aggressive Jugendliche zuletzt in Augsburg immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Wie an einem Abend im April. Drei Jugendliche hatten gegen 20.30 Uhr an der Haltestelle Rotes Tor einen älteren Mann belästigt. Zwei Zeugen kamen dem Senior zu Hilfe. Als sie dazwischengingen, wurden sie geschlagen und getreten. Sie erlitten leichte Verletzungen. Ein Jugendlicher entkam unerkannt, bei einem 16- und einem 15-Jährigen, beide deutsche Staatsangehörige, stellte die Polizei eine Alkoholisierung von über 1,6 und 1,7 Promille fest. Anfang Mai randalierten im Herrenbachviertel nahe der Haltestelle Schwabencenter junge Menschen. Ein renitenter 16-Jähriger muss von der Polizei sogar gefesselt werden. Nach Angaben der Polizei waren die vier jungen Ukrainer alkoholisiert.

    Steigt die Gewaltbereitschaft bei jungen Menschen im Großraum Augsburg an? Die Zahlen der Polizei für den Bereich des Präsidiums Schwaben-Nord sagen etwas anderes. Demnach ging die Zahl der Fälle, in denen jugendliche Täter zugeschlagen haben, im Vergleich der Jahre 2024 und 2023 zurück. Im Jahr 2024 zählte die Polizei 696 sogenannte Rohheitsdelikte, im Jahr zuvor waren es noch 751 Fälle. Auch die Gesamtzahl der Straftaten, die von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren begangen wurden, sank in diesem Zeitraum. Von 3037 auf 2740 Fälle – ein Minus von rund zehn Prozent. Es handelt sich um sogenannte bereinigte Zahlen, also solche, bei denen Verstöße gegen das Aufenthalts- oder Asylgesetz nicht berücksichtigt werden.

    Ähnlich ist der Trend auch bei Straftaten, die von Heranwachsenden von 18 bis 20 Jahren begangen werden. Hier verzeichnet die Polizei einen Rückgang von 7,3 Prozent: 2023 wurden 2252 Straftaten registriert, im Jahr 2024 waren es 2088. Die sogenannten Rohheitsdelikte haben in dieser Altersgruppe aber etwas zugenommen: von 508 auf 530 Fälle.

    „Übergriffe durch Jugendliche sind in Augsburg nicht an der Tagesordnung“

    „Übergriffe durch Jugendliche und Heranwachsende sind in Augsburg nicht an der Tagesordnung“, sagt ein Polizeisprecher. Das Phänomen, dass unter den Bürgern dennoch ein anderer Eindruck herrschen könnte, kennt Johannes Kaspar, Leiter des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie und Sanktionenrecht an der Universität Augsburg. „Wir kennen aus der Kriminalitätsforschung, dass die Wahrnehmung anders sein kann, als es die tatsächliche Entwicklung ist“, sagt der Kriminologe. Subjektive Wahrnehmungen würden von Faktoren wie Berichterstattung und Nachrichten in sozialen Medien beeinflusst. Allerdings bildeten Statistiken auch nicht die vollständige Realität ab „Was im Dunkelfeld passiert, fließt dort nicht ein“, so der Wissenschaftler.

    Der Prozess gegen Marius L. wird fortgesetzt, die zuständige Strafkammer hat insgesamt acht Termine angesetzt. Ein Urteil könnte im August gefällt werden.

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