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Augsburger Klinik warnt: Immer mehr Kiffer leiden unter einer bestimmten Folge

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Augsburger Klinik warnt: Immer mehr Kiffer leiden unter einer bestimmten Folge

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    Kiffer am Augsburger Rathausplatz: Seit gut einem Jahr ist die Droge legalisiert.
    Kiffer am Augsburger Rathausplatz: Seit gut einem Jahr ist die Droge legalisiert. Foto: Johannes Kiser

    Im März 2020 bedrohte ein 27-jähriger Student im Augsburger Univiertel Menschen mit einer Machete. Der Täter litt unter einer bipolaren Störung, die wahrscheinlich durch seinen Marihuana-Konsum zum Ausbruch kam. Der Mann hatte sich verfolgt gefühlt; in harmlosen Passanten Geheimdienst-Mitarbeiter vermutet, die ihm nach dem Leben trachteten. Experten, auch aus Augsburg, sahen auch wegen solcher Fälle die Legalisierung des Cannabiskonsums im April 2024 kritisch. Die Bedenken: Die Legalisierung könnte zu mehr Konsum und damit verbundenen negativen Effekten führen. Nun, etwas mehr als ein Jahr später, zeigen sich in der Praxis erste Veränderungen. Die Zahl der Patienten, die mit einer durch Cannabis ausgelösten Psychose im Augsburger Bezirkskrankenhaus (BKH) behandelt werden, ist seither spürbar gestiegen.

    Die Patienten fühlen sich beispielsweise verfolgt, hören Stimmen oder sehen sich in Verschwörungstheorien verstrickt. So beschreibt Dr. Sophie-Kathrin Greiner, Ärztin am BKH, die Auswirkungen einer Psychose. „Das klinische Bild ähnelt jener einer Schizophrenie“, so die Expertin. Wie stark genau die Zahl derer gestiegen ist, die in Augsburg und der Region wegen einer durch das Rauschmittel Cannabis ausgelösten Psychose behandelt werden müssen, werde gerade wissenschaftlich erhoben. Sowohl in der Spezialambulanz für Cannabis und Psychose (CaP), aber auch im Alltag der Bezirkskliniken sei jedoch ein deutlicher Anstieg zu sehen.

    Es gebe eine eindeutige zeitliche Übereinstimmung zwischen der Legalisierung und dem Anstieg der durch Cannabis ausgelösten Psychosen. Ob die Legalisierung tatsächlich auch die Ursache dafür sei, müsse nun untersucht werden. Ein weiterer Grund für den Anstieg könne auch darin liegen, dass Betroffene nun offener über ihren Konsum sprächen und Behandlungsangebote häufiger in Anspruch nähmen, sagt Sophie-Kathrin Greiner. Kiffen sei durch die Legalisierung enttabuisiert worden und habe den Anstrich einer „grünen Pflanze“, die zur Entspannung beiträgt, erhalten.

    Augsburger Arzt: „Gesellschaft nimmt Cannabis zunehmend als harmlos wahr“

    Ähnlich sieht es Tomasz Antoni Jarczok, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie an der KJF Klinik Josefinum in Augsburg: „In der Gesellschaft wird Cannabis zunehmend als harmlos wahrgenommen. Doch aus medizinisch-fachlicher Sicht ist Cannabis insbesondere für Jugendliche eben nicht harmlos.“ Zwar könne man durch die Cannabis-Legalisierung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aktuell noch keine eindeutig steigenden Fallzahlen erkennen, so der Mediziner.

    Allerdings erwartet er, dass sich in mehreren Jahren längerfristige Trends abzeichnen werden. „Wie bereits vor der Cannabis-Legalisierung ist Cannabis auch jetzt diejenige Substanz, die am häufigsten zu einer Suchtbehandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie führt“, so Jarczok weiter. Da sich das jugendliche Gehirn noch in der Entwicklung befinde, seien junge Menschen besonders anfällig für die Entwicklung vieler Konsumfolgen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Psychose unter Cannabiskonsum zu entwickeln, sei bei jüngeren Konsumentinnen und Konsumenten größer.

    Für Erwachsene zeichnet Sophie-Kathrin Greiner ein etwas differenzierteres Bild. Der einmalige Konsum mache in den seltensten Fällen direkt abhängig. Manche, die über einen längeren Zeitraum kifften, würden jedoch eine gewisse Lust- und Antriebslosigkeit entwickeln und ihr Leben nur noch gedämpft wahrnehmen. Dazu gebe es bestimmte Gruppen, die darüber hinaus anfällig für Psychosen seien: „Wir sehen, dass vor allem junge Männer mit einem genetisch bedingten Risiko für psychische Erkrankungen hierzu gehören.“ Vielfach würden sie oft und stark konsumieren – teils in Kombination mit anderen Drogen und Alkohol. Auch in den Züchtungen der Pflanze sieht Greiner eine Ursache. Der Anteil der psychoaktiven Substanz THC sei immer weiter gewachsen. „Er liegt teils bei 30 Prozent THC-Gehalt“, so die Expertin. Auch das könnte dazu beitragen, dass die Anzahl der durch Cannabis ausgelösten Psychosen steige.

    Augsburger Ärzte fordern mehr Aufklärung rund um Cannabiskonsum

    Greiner wünscht sich deshalb mehr Aufklärung und Forschung zum Thema und schließt einen weiteren Anstieg an Menschen mit Cannabis-induzierter Psychose nicht aus. Tomasz Antoni Jarczok hat eine klare Forderung an die Politik: „Sie sollte den im Gesetz explizit genannten Jugendschutzaspekt stärken sowie in die Prävention und die Behandlung der Folgen von Cannabiskonsum von jungen Menschen investieren.“

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