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Augsburg: "Nach drei Tagen waren Gasmasken weg": Krisen-Ausrüstung erlebt Hype

Augsburg

"Nach drei Tagen waren Gasmasken weg": Krisen-Ausrüstung erlebt Hype

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    Alexandre Madeleyn leitet den Augsburger Outdoor- und Survival-Laden McTramp. In seiner Hand: das letzte Model eines Koffer-Gaskochers. Die Nachfrage stieg zuletzt deutlich.
    Alexandre Madeleyn leitet den Augsburger Outdoor- und Survival-Laden McTramp. In seiner Hand: das letzte Model eines Koffer-Gaskochers. Die Nachfrage stieg zuletzt deutlich. Foto: Lisa Gilz

    Ein mobiler Akku soll es sein, solarbetrieben und mit drei USB-Anschlüssen. Die Frau gehobenen Alters – kurzes graues Haar, FFP2-Maske im Gesicht – nimmt sich Zeit, lässt sich beraten, fragt gezielt nach. Auch eine akkubetriebene Lampe rückt zwischenzeitlich in ihren Fokus, es bleibt aber bei der Powerbank für 90 Euro. Die Frau zahlt und geht. "Das ist genau so ein Fall", sagt Alexandre Madeleyn, Inhaber des Outdoor- und Survival-Geschäfts McTramp am Jakoberplatz. "So eine Kundschaft hatten wir hier eigentlich fast nie." Hatten, eigentlich. Krisen herrschen, und das macht sich bei einem "Krisen-Ausstatter" wie Madeleyn sofort bemerkbar. Das Geschäft läuft.

    Nicht nur, dass das Publikum älter geworden ist und weiblicher. Es betritt Madeleyns Laden auch aus anderen Motiven. Sonst sei die Kundschaft fürs Hobby gekommen, sagt der 68-Jährige: Manche campen, andere "bushcraften" – versorgen sich also in freier Wildnis selbst –, wiederum andere "preppen" – bereiten sich also gezielt auf Notsituationen jeglicher Art vor. "Diese Menschen sind für ihren Bedarf aktuell gut ausgestattet", sagt Madeleyn, der das Geschäft seit gut 20 Jahren leitet und Kundschaft aus ganz Bayern hat. "Jetzt kommen mehr Menschen aus Sorge und Verunsicherung – ja, auch aus Angst." Krisen machten sich in seinem Geschäft immer schon bemerkbar – nach Beginn der Flüchtlingsbewegung 2015 seien etwa Pfeffersprays "extrem gefragt" gewesen, Corona habe die Nachfrage nach lang anhaltender Lebensmittelzubereitung befeuert. Eine Situation wie die aktuelle habe er aber noch nie erlebt.

    Augsburger Outdoor-Geschäfte stellen gestiegene Nachfrage fest

    Das geht damit los, dass teils Kundinnen und Kunden bei Madeleyn gekaufte Militärausrüstung – von der Bundeswehr ausrangiert, aber einwandfrei – direkt ins ukrainische Kriegsgebiet schicken. Der Großteil ist aber für Eigenbedarf gedacht. Die gefühlte Notwendigkeit stimmt dabei mit der tatsächlichen nicht immer ein. Da sind die "Klassiker", nach Auskunft von Madeleyn auch derzeit sehr beliebt: vor allem Gaskocher und -kartuschen, aber auch mobile Lampen und Akkus, Wasserfilter. "Ich halte diese Grundausstattung für sinnvoll", sagt Madeleyn. Sie sei bezahlbar und bei kurzzeitigen Stromausfällen – "mit einem größeren Blackout rechne ich nicht" – hilfreich. Er empfehle aber "nichts Unnötiges" – dabei gebe es diese Anfragen und Käufe durchaus. "Wir hatten hier ausgemusterte Gasmasken, teils aus der russischen Armee, uralt und nur Deko. Drei Tage nach Kriegsbeginn in der Ukraine waren alle weg, weil die Leute Sorge vor einem Giftgasangriff hatten." Weitere Wünsche, die Madeleyn zuletzt nicht bedienen konnte oder wollte: fertiggepackte Flucht-Rucksäcke, teure und technisch anspruchsvolle Petromax-Petroleumlampen, Nachtsichtgeräte.

    Blackout und Co.: So sorgen Sie für den Notfall vor

    Nahrung für zehn Tage oder mehr sollte meist ausreichen, um auch in schwierigeren Lagen die Zeit zu überbrücken, bis Hilfe eintrifft oder die Situation ausgestanden ist, heißt es vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Auch ein kleiner Vorrat ist besser als kein Vorrat.

    2 Liter Flüssigkeit pro Person und Tag: Für zehn Tage kalkuliert das Amt mit 20 Litern pro Person, dabei sind täglich 0,5 l zum Kochen vorgesehen.

    2200 Kalorien pro Person und Tag: Damit ist im Regelfall der Energiebedarf eines Erwachsenen abgedeckt. Unter www.bbk.bund.de kann man mit Checklisten seinen Vorrat ausgewogen gestalten. Konkrete Beispieltabellen, auch für Vegetarier, sowie einen Rechner gibt es auf dem Ernährungsvorsorge-Portal der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung unter www.ernaehrungsvorsorge.de.

    Nur, was man mag und verträgt: Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten oder Besonderes wie Babynahrung, aber auch persönliche Vorlieben, sollte man beim Vorrat nicht außer acht lassen.

    Prinzip „lebender Vorrat“: Am besten wird der Vorrat in den alltäglichen Lebensmittelverbrauch integriert. So wird er immer wieder verbraucht und erneuert, ohne dass Lebensmittel verderben. Neu Gekauftes kommt nach hinten ins Regal, so braucht man erst die älteren Lebensmittel auf.

    Stück für Stück aufbauen: Es ist nicht erforderlich, den Vorrat auf einen Schlag anzulegen. Man kann ihn auch nach und nach aufbauen, indem man beim Einkaufen einfach mehr haltbare Produkte (wie Nudeln) mitnimmt.

    Hinweise zur Lagerung beachten: Lebensmittel sollten kühl, trocken und dunkel aufbewahrt werden, die Verpackung sollte luftdicht sein.

    Medikamente und Hygieneartikel bevorraten: Wer auf bestimmte Medikamente angewiesen ist, sollte so viel davon zuhause haben, dass man damit über die Runden kommt. Auch Hygieneartikel (Toilettenpapier, Windeln, ...) sollten für zwei Wochen ausreichen. In die Hausapotheke gehören zudem Schmerzmittel, Verbandsmaterial, Fieberthermometer etc.

    Haustiere nicht vergessen: Auch Haustiere haben im Notfall Bedürfnisse. Deshalb ist es wichtig, ausreichend Nahrung, Einstreu und andere Tierprodukte wie Medikamente auf Vorrat zu haben.

    Campingkocher/Grill nur draußen verwenden: Sonst könnte lebensgefährliches Kohlenstoffmonooxid zu Vergiftungen oder gar zum Tod führen.

    Technische Geräte: Campinglampen, Stirnlampen, Taschenlampen mit Batterien, batteriebetriebenes Radio.

    Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen zuhause haben. (Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe; Dr. Sandra Kreitner; www.schritt-fuer-schritt-krisenfit.de)

    Dass Verunsicherung wilde Blüten treiben und zu irrationalen Kaufentscheidungen führen kann, erlebt die Verbraucherzentrale immer wieder. Teils würden sich dies auch Unternehmen zunutze machen, sagt Hans Werner Ziegler von der Augsburger Beratungsstelle. Mit Blick auf Krisenausstattung seien ihm aktuell noch keine konkreten Fälle von Abzocke gemeldet worden. "Es ist aber realistisch, dass sich diese in den kommenden Wochen und Monaten häufen", so Ziegler. Er empfehle Verbraucherinnen und Verbrauchern, die Situation ruhig zu beobachten, keine Hamsterkäufe zu tätigen und auf eine "normale" Vorratshaltung zu setzen. "Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen."

    Hamsterkäufe: Verbraucherzentrale rät ab, Realität im Baumarkt

    Diesem Rat folgt nicht jeder, wie sich derzeit etwa im Bauzentrum Mahler zeigt. Marktleiter René Berger berichtet von Hamsterkäufen, etwa von Benzinkanistern. "Manche kommen hier relativ blind herein und kaufen einfach, was verfügbar ist", sagt Berger. Erst kürzlich habe eine Frau unbedingt ein Notstromaggregat besorgen wollen, ohne dabei auf Modell oder Größe zu achten. "Sie konnte es dann nicht abtransportieren", so Berger. Bei vielen Kundinnen und Kunden spüre man Verunsicherung, der Beratungsbedarf sei hoch.

    "Sehr stark nachgefragt" sind nach Bergers Auskunft derzeit Notstromaggregate, auch Gas sei ein großes Thema. Teils würden Gasflaschen nicht mehr verkauft, sondern nur noch wieder aufgefüllt, "weil die sonst jeder bunkert". Ebenfalls heiß begehrt: Heizlüfter, "Balkonkraftwerke" – also Mini-Solaranlagen – und alles, was Energie oder Wasser sparen kann: Armaturen, Brauseköpfe, Isolierungen. Engpässe gibt es in verschiedenen Produkt-Bereichen schon das ganze Jahr über. "Wir haben momentan auf jeden Fall genug zu tun", sagt Berger und muss los. Die Kundschaft wartet.

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