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Augsburg: Theatersanierung: Es gibt neue Kritik und neue Unterstützer

Augsburg

Theatersanierung: Es gibt neue Kritik und neue Unterstützer

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    Am Donnerstag soll der Stadtrat über das weitere Vorgehen bei der Theatersanierung abstimmen.
    Am Donnerstag soll der Stadtrat über das weitere Vorgehen bei der Theatersanierung abstimmen. Foto: Silvio Wyszengrad

    Nein, Häme ist es nicht, die Kurt Idrizovic empfindet, eher Mitleid. Der Augsburger Buchhändler und einstige Mit-Initiator des Theater-Bürgerbegehrens sieht mit Sorge, dass die Sanierung des Staatstheaters Augsburg noch teurer werden könnte, als er und seine Mitstreiter einmal befürchtet hatten. Am Donnerstag soll der Augsburger Stadtrat der weiteren Planung samt der nun prognostizierten Kosten von bis zu 340 Millionen Euro zustimmen. "Ich glaube, dass sich die Stadt und ihre Bürger schwer tun werden, das zu schaffen", sagt Idrizovic. Auch der Zeitplan hat sich nach hinten verschoben: Vom ersten Vorhaben, im Großen Haus 2023 wieder zu eröffnen, ist man inzwischen weit entfernt.

    2016 hatte der Stadtrat die Theatersanierung mit einem Kostenrahmen von 186,3 Millionen Euro beschlossen. Schon damals war die hohe Summe für eine einzige Kultureinrichtung umstritten, weshalb sich bald ein Bürgerbegehren formierte. "Es war damals unser Versuch, bei so hohen Ausgaben wenigstens die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot zu holen", sagt Idrizovic. Die Augsburger hätten, wäre das Bürgerbegehren durchgegangen, über die Frage abgestimmt, ob die Stadt für Sanierung und Neubau neue Schulden aufnehmen soll. Am Ende kamen für die Abstimmung aber nicht genügend Unterschriften zusammen, die Initiatoren gaben auf.

    Theatersanierung in Augsburg: "Alles ist noch schlimmer gekommen als befürchtet"

    Heute sei alles noch schlimmer gekommen als damals befürchtet, sagt Rudolf Reisch, der das Bürgerbegehren mit angestoßen hatte. Wenn man die Ausgaben für das Theater auf die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt umrechne, "dann kostet es die Augsburger pro Kopf dreimal so viel wie die Elbphilharmonie die Hamburger". Dort sei aber immerhin ein Denkmal entstanden, von dem die ganze Welt spreche. "In Augsburg hat es für den Neubau nicht mal einen Architektenwettbewerb gegeben", moniert Reisch. Was er ebenfalls kritisiert: "Man wollte durch die Sanierung und den Neubau auch eine schnelle Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Theater-Mitarbeiter schaffen. Jetzt wird man vor 2028 nicht am Kennedyplatz spielen können."

    Der geplante Termin für eine Übergabe des Großen Hauses an das Theater hat sich seit Beginn der Baumaßnahmen immer wieder nach hinten verschoben. Inzwischen geht die Stadt Augsburg vom Jahr 2027 aus, der Neubau mit Verwaltungsgebäude, Werkstätte und zweiter Bühne soll 2028 in Betrieb gehen – und damit vier Jahre später, als ursprünglich geplant. Jede Verzögerung wirkt sich schon wegen der Baupreissteigerungen auf die Gesamtkosten aus. Die Stadtverwaltung mahnt deshalb, das Projekt jetzt möglichst zügig zu Ende zu bringen und nicht durch neue Kostendiskussionen weiter zu verzögern.

    Stadtrat Roland Wegner stellt Antrag auf ein Ratsbegehren

    Peter Bommas, ebenfalls ein Initiator des Bürgerbegehrens, ist inzwischen resigniert. Die Entscheidung am Donnerstag steht aus seiner Sicht schon jetzt fest. "Grüne und CSU wollen diese Sanierung. Es sieht nicht so aus, als wäre hier noch mal eine neue Diskussion gewünscht." Er und seine anderen Mitstreiter wollen deshalb auch keinen neuen Vorstoß für ein Moratorium oder ähnliches mehr unternehmen. Zudem sind die Enttäuschungen von einst immer noch da. "Man hat uns beschimpft und als Theatermörder angefeindet. Davon mussten wir uns erst einmal befreien", sagt Idrizovic.

    Stadtrat Roland Wegner (V-Partei) will das Projekt im Gremium nicht einfach durchgewunken wissen. Deshalb hat er einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Die Stadt möge ein Ratsbegehren durchführen, um die Bürgerinnen und Bürger einzubinden. Abgestimmt werden soll über die Frage, ob die Sanierung gestoppt werden soll, um kostengünstigere Alternativen zu prüfen. Der Stadtrat würde damit die Entscheidung selbst an die Bürger weitergeben, statt sie selbst zu treffen. In einer früheren Phase der Sanierung war ein solches Ratsbegehren schon einmal Thema gewesen, die Stadt hatte sich aber dagegen entschieden.

    Initiative "Theaterviertel jetzt" veröffentlicht Manifest für die Sanierung

    Für eine schnelle Sanierung mobilisieren möchte dagegen die Initiative "Theaterviertel jetzt". Unterstützt wird sie unter anderem vom Kulturbeirat, von Unternehmen wie Klassik Radio und Xentral, von Lokalen wie Oh Boi oder dem Weissen Lamm sowie von Einzelhändlern. Am Mittwoch veröffneten die Mitglieder ein Manifest, das ab sofort auch in Läden und öffentlichen Räumen ausliegt. "Kleinmut und Zaudern, politisches Taktieren und das destruktive, gegenseitige Aufwiegen von Sanierungsbedarfen in der Gesamtstadt müssen jetzt aufhören", betonen die Unterstützer - und sind überzeugt: "Das Theaterviertel wird ein Herzstück des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Augsburg. Es wird wertvolle Impulse für eine prosperierende Innenstadt setzen und die Lebensqualität wesentlich erhöhen."

    Die Forderungen, die im Manifest aufgestellt werden, sind eindeutig: Die Theatersanierung müsse schnellstmöglich fortgesetzt werden, der Stadtrat solle sich zudem deutlich zu diesem Projekt bekennen. Begleitend zur Sanierung fordert die Initiative die Entwicklung des angrenzenden Quartiers zum Theaterviertel, in dem sich Gäste des Staatstheaters auch vor und nach den Vorstellungen gerne aufhalten. Damit dies gelingen könne, müssten sich Kulturschaffende, Händler und Gastronomen vernetzen, auch die Stadt müsse aber ihren Beitrag leisten.

    Schon früh in der Diskussion war die Entwicklung der angrenzenden Straßen zum Kreativquartier Thema gewesen. Die Stadt hatte argumentiert, dass ein saniertes Theater, das auch der freien Szene zur Verfügung stehe, sich positiv auf das gesamte Viertel auswirken könne. Im Zusammenspiel mit dem Konzertsaal im ehemaligen Gebäude der Grottenaupost sollte sich dieser Teil der Innenstadt zum kulturellen Zentrum entwickeln. Die Initiative Theaterviertel fordert die Stadt nun auf, diese Ankündigungen wahrzumachen. Dazu gehöre unter anderem, den Fuggerboulevard fertigzustellen und öffentlichen Straßenraum sowie leer stehende Ladenflächen für die Nutzung durch Gastronomen und Kultur freizugeben. Am 21. Juli will die Initiative am Theater symbolisch einen Grundstein für das Viertel legen.

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