Die seit Jahren geforderte Verkehrsberuhigung der Hallstraße als Schulcampus ist in weite Ferne gerückt. Holbein-Gymnasium und Ulrichschule haben zwar einen neuen Vorstoß für die Umgestaltung der Straße zwischen Konrad-Adenauer-Allee und Maximilianstraße unternommen. Zudem demonstrieren Schüler und Schülerinnen freitags regelmäßig auf der zur Pausenzeit gesperrten Fahrbahn. Doch die Stadt winkt ab: Nach Jahren der Planung, die wegen der unterschiedlichen Interessen vor Ort zu keinem Ergebnis führten, liege der Prozess aktuell auf Eis.
Der "Shared Space" in der Hallstraße stieß auf wenig Gegenliebe
Die Lage in der Hallstraße ist nicht einfach. Im Zuge des Kö-Umbaus vor fast zehn Jahren sank die Zahl der Autos von vormals etwa 10.000 auf 2000 am Tag. Ein Schulcampus lässt aber nach wie vor auf sich warten. Ein von der Stadt veranstalteter Architektenwettbewerb sah einen sogenannten „Shared Space“ mit platzähnlichem Ausbau, Bäumen und Brunnen vor, in dem Auto-, Rad- und Fußverkehr gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen. Bei den Schulen kam das mäßig an, vor allem aus Sicherheitsbedenken, aber auch, weil alter Baumbestand beseitigt worden wäre. Seitdem wurde immer wieder geprüft und neu geplant – ohne Ergebnis.
Jetzt unternehmen die Schulen und deren Elternbeiräte einen neuen Vorstoß. Demnach soll es schnelle Maßnahmen für mehr Sicherheit geben. Als erste Schritte schlagen die Schulen eine zeitweise Sperrung für den Durchgangsverkehr, Fahrbahnmarkierungen und -schwellen sowie eine elektronische Anzeige vor. Langfristig sei eine Umgestaltung mit Nutzung der Straße für außerschulische Veranstaltungen abends und am Wochenende denkbar.
Kinder und Jugendliche bräuchten in den Pausen Platz, so Bernhard Stegmann, Leiter des Holbein-Gymnasiums. „Beide Schulen können dies ihren zusammen rund 1400 Schülerinnen und Schülern nicht in angemessenem Umfang im Freien anbieten. Die temporären Sperrungen haben gezeigt, wie die Schulgemeinschaften hier profitieren könnten.“ Stegmann verweist darauf, dass die Hallstraße nicht ungefährlich sei, weil die Schulgebäude auf beide Straßenseiten verteilt sind. Zuletzt sei es zu zwei Unfällen gekommen. Stegmann: „Es kam dabei, zum Glück, nur zu leichteren Blessuren.“ Die Aktionen, bei denen Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung von Fridays for Future regelmäßig am Freitagvormittag die Hallstraße in Beschlag nehmen, begrüßt der Elternbeirat. Zu lange sei diese unbefriedigende Situation schon ein Thema. Schülersprecher Emil Winklharrer bemängelt die derzeitige Pausensituation am Holbein-Gymnasium: „Gerade jüngere Schüler können sich gar nicht austoben.“
Stadt verweist auf rechtliche Schwierigkeiten und "angespannte Haushaltslage"
Bei der Stadt verweist man darauf, dass die jetzt gemachten Vorschläge schon geprüft worden seien. Eine Sperrung sei ein Problem, weil die parallel laufenden Gassen den Verkehr abbekämen. Anlieger in der Hallstraße hätten bei einer Sperrung zudem schon vorab mit Klagen gedroht. Auch eine zeitlich begrenzte Fußgängerzone sei geprüft worden, rechtlich aber nicht zulässig. Schwellen sieht die Stadt im Hinblick auf Brems- und Beschleunigungsmanöver kritisch. Infrage komme die Aufstellung einer Geschwindigkeitsanzeige. Zunächst solle eine temporäre Anlage aufgestellt und deren Daten ausgewertet werden.
Was eine bauliche Umgestaltung betrifft, scheint es aktuell keine konkrete Perspektive mehr zu geben. Nach dem Architektenwettbewerb 2011 wurde zwar in eine konkrete Planung eingestiegen. Die Belange der Schulen (unter anderem Verkehrsberuhigung), der Anlieger (Erreichbarkeit) und der Allgemeinheit (hochwertige Freiraumgestaltung) seien schwierig unter einen Hut zu bringen. Man könne auf Basis der bisherigen Überlegungen weiterdiskutieren, für eine Neuplanung sei aber kein Geld da. Für die baulichen Maßnahmen gilt dies erst recht. „Sollte sich in Zukunft trotz der angespannten Haushaltslage nochmals eine Chance ergeben, wird die Bauverwaltung sich wieder konstruktiv und im Dialog mit allen Beteiligten für die Umgestaltung dieses wichtigen öffentlichen Raums einsetzen“, so das Stadtplanungsamt.
Auch bei der Fuggerstraße ist noch kein Ende in Sicht
Die Hallstraße ist nicht der einzige Straßenzug, der im Zuge des Kö-Umbaus neu gestaltet werden sollte. Auch die Fuggerstraße ist noch eine unvollendete Aufgabe, die seit Jahren geschoben wird. Hier ist der Umbau zum „Boulevard“ mit einer vierreihigen Allee in der Straßenmitte geplant. Die Fuggerstraße war im Zuge des Kö-Umbaus vom Durchgangsverkehr befreit worden, sodass die vormals mehrspurige Straße eine ungenutzte Fläche darstellt. Aktuell nutzen AVV-Regionalbusse die freie Spur als Standplatz in Pausen. Sobald das Busterminal am Hauptbahnhof steht, soll das Vergangenheit sein. Allerdings hieß es seitens der Stadt zuletzt bereits, dass in dieser Legislatur kein Geld für den Fuggerstraßen-Umbau vorhanden sei.