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Rassismus bei Pippi & Co.? Stadtbücherei in Augsburg will Kinderbücher prüfen

Augsburg

Rassismus bei Pippi & Co.? Stadtbücherei will Kinderbücher prüfen

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    Ein Sammelband über Pippi Langstrumpf. Die Stadtbücherei in Augsburg denkt darüber nach, die kritischen Bücher mit einer Art Warnhinweis zu versehen.
    Ein Sammelband über Pippi Langstrumpf. Die Stadtbücherei in Augsburg denkt darüber nach, die kritischen Bücher mit einer Art Warnhinweis zu versehen. Foto: Georg Wendt, dpa

    Die Debatte gibt es schon länger. Einen größeren öffentlichen Aufschrei gab es vor über zehn Jahren, als der Oetinger-Verlag entschied, die deutsche Ausgabe des Kinderbuchklassikers Pippi Langstrumpf zu ändern. Pippis Vater wurde darin bis dato etwa als "Negerkönig" bezeichnet, er wurde zum "Südseekönig". Auch andere Bücher, etwa Michael Endes Jim Knopf, geraten immer wieder in die Kritik – mit der Begründung, sie würden rassistische Sichtweisen und Klischees transportieren. Die Augsburger Stadtbücherei reagiert darauf. Demnächst sollen Studierende der Augsburger Hochschule den Bestand an Kinderbüchern durchforsten und entsprechend kritische Literatur identifizieren. Wie die Stadtbücherei am Ende mit den Büchern umgehen wird, ist noch offen. Erste Überlegungen gibt es aber.

    In dieser Woche gab es in der Stadtbücherei eine Diskussion unter dem Titel "Onkel Tom und Pippi Langstrumpf in Lummerland? Mit Kindern rassismuskritisch lesen" – veranstaltet von der Stadt. Die Leiterin der Stadtbücherei, Tanja Fottner, kündigte dabei an, die städtische Einrichtung werde sich des Themas nun verstärkt annehmen. Am Ende des Prozesses könne auch ein anderer Umgang mit Klassikern stehen. "Vielleicht müssen wir Pippi & Co. nicht mehr ganz vorn präsentieren, sondern etwas weiter hinten", sagte Fottner. Eine Möglichkeit könnte laut der Bücherei-Chefin auch sein, Kinder- und Jugendbücher, die aus Sicht von Rassismus-Fachleuten kritisch einzustufen sind, entsprechend zu markieren. 

    Kritik an Pippi & Co.: Ein QR-Code als Warnhinweis?

    Eine Idee, die derzeit auch von der Münchner Stadtbücherei verfolgt wird, ist, die Bücher mit einem QR-Code zu versehen – scannt man den Code mit dem Smartphone ein, gelangt man auf eine Internetseite mit Erklärungen und Erläuterungen. Sie könne sich vorstellen, in den Prozess nicht nur Expertinnen und Experten einzubinden, sondern auch Betroffene und Interessierte aus der Bürgerschaft, sagte Fottner. Dass Pippi & Co. aus den Regalen der Bücherei verschwinden, sei allerdings nicht geplant. 

    Verbote will auch die schwarze Kulturwissenschaftlerin Olaolu Fajembola nicht. Sie saß bei der Diskussion in der Stadtbücherei mit auf dem Podium. Allerdings hält sie Einordnungen und Erklärungen für wichtig. Kritisch seien neben diskriminierenden Wörtern auch Sichtweisen, wie sie zum Beispiel bei Pippi Langstrumpf vermittelt würden: Ein weißes Mädchen reise durch die Welt und werde von den Menschen im Süden sofort als "höherwertig" akzeptiert, der weiße Vater werde automatisch König.

    Die Studierenden der Hochschule werden wohl im zweiten Quartal dieses Jahres mit ihrer Untersuchung des Kinderbuchbestands beginnen. Noch steht Pippi Langstrumpf ohne Warnhinweis und unkommentiert im Regal der Kinderbuchabteilung. Laut Bücherei-Katalog gibt es in Augsburg auch noch die alte, unbearbeitete Version der Bücher, Auflage 1986. Das dürfte wohl auch dem stets knappem Budget geschuldet sein. 

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