Die Augsburger Baumallianz lässt beim Umgang mit großen, alten Bäumen in der Stadt nicht locker. In einem neuen Fall prangert die Initiative "Baumfrevel" auf einer Baustelle im Kammgarnquartier an. Sie fordert von der Stadt einen sofortigen Baustopp und eine Überprüfung der Schäden, "um zu retten, was noch zu retten ist", so Sprecher Christian Ohlenroth.
Auf dem Grundstück Raunerstraße 23 wird ein bestehendes Wohngebäude saniert und umgebaut. Aus Sicht der Baumallianz wurde auf der Baustelle massiv gegen die Baumschutzverordnung verstoßen. Betroffen sei eine Kastanie, an der bis an den Stamm Bauschutt und Baumaterial deponiert sei. Dadurch können Wurzeln beschädigt werden. Auch außerhalb des Grundstücks sei Baumaterial auf öffentlichem Grün unter den Bäumen abgestellt worden, der eingesetzte Baukran habe Äste ganz abgerissen oder mit dem Seil die Rinde aufgerieben. Weitere Bäume seien ebenfalls von den Bauarbeiten beeinträchtigt.
Stadt ordnet Schritte zum Baumschutz auf einer Baustelle an
Experten der Stadt waren inzwischen vor Ort. Wie das Amt für Grünordnung auf Anfrage mitteilt, wurden Ablagerungen im Wurzelbereich der Kastanie festgestellt. Die Untere Naturschutzbehörde habe angeordnet, diese "unverzüglich zu entfernen", auch Haufen von Kies und Erde sollen beseitigt werden. Schwere Bauteile auf den öffentlichen Flächen seien bis Montag entfernt worden, auch die Baustellentoilette soll weg. Inzwischen sei ein Zaun zum Schutz der Kastanie aufgestellt. Schäden durch den Kran in der Krone der Kastanie seien nicht festgestellt werden.
Betroffen von den Bauarbeiten sei zudem ein großer, geschützter Haselnussstrauch, so Grünamtsleiterin Anette Vedder. Die Feinwurzeln müssen nun mit einem Vlies abgedeckt und feucht gehalten sowie beschädigte Äste nachgeschnitten werden. "Die Einhaltung der Baumschutzmaßnahmen wurde angeordnet", so Vedder.
Kritik: Warum gibt es bei Bauarbeiten keine Vorabkontrollen?
Mitglieder der Augsburger Baumallianz stellen immer wieder Baumschäden auf Baustellen in Augsburg fest. Dabei gibt es eine städtische Baumschutzverordnung und einen eigens erstellten Leitfaden für Bauarbeiten. Es sei nach wie vor unbegreiflich, dass die Stadt nicht grundsätzlich vor Beginn von Bauarbeiten entsprechende Kontrollen durchführe, kritisiert Ohlenroth. "Dann würden wir uns alle zusammen viel Arbeit und Ärger ersparen und für einen effektiven Baumerhalt sorgen."
Bei der Stadt sieht man für ein frühes, engmaschiges Kontrollnetz aktuell keine Möglichkeiten: "Eine Baukontrolle auf Baustellen vor Baubeginn ist aufgrund der personellen Kapazitäten im Bauordnungsamt derzeit nicht möglich." Das Gleiche gelte für Baustellen mit Baumbestand. Auch der Unteren Naturschutzbehörde sei es personell nicht möglich, jede Baustelle zu kontrollieren.
Für viele Augsburger ist das Grün in der Stadt andererseits eine Herzenssache. Unsere Redaktion erreichen fast wöchentlich Anfragen, wenn Anwohner oder Passanten einen großen Baum in Gefahr sehen. Beispiele: Norbert Schaepe aus Haunstetten kritisierte, dass große Platanen an der Stadtmetzg zu vertrocknen drohen. Beim Grünamt will man nun beobachten, ob sich die Bäume wieder erholen. Es sei nicht möglich, auch Altbäume im Stadtgebiet regelmäßig zu gießen. Ferner sorgt sich Schaepe um einen großen Baum vor St. Margaret. Eine bislang völlig vitale Weide sei so verstümmelt worden, dass sie keine Hauptäste und Blätter mehr habe und somit zwangsläufig eingehen werde, befürchtet er und fragt sich: Gilt in Augsburg Baumschutz nur auf dem Papier?
Zwei Weiden werden in Augsburg zum Trauerfall
Wie die Stadt mitteilt, ist bei der Weide ein Kronenteil vermutlich bei einem Sommergewitter ausgebrochen. Dadurch seien weitere Äste an- und abgebrochen, diese hätten sauber nachgeschnitten oder ganz entfernt werden müssen. Erfahrungsgemäß kann die Trauerweide sehr gut aus "schlafenden Augen" austreiben. "Wir gehen daher davon aus, dass der Baum wieder austreibt und eine Sekundärkrone aufbauen kann", so die Leiterin im Amt für Grünordnung, Anette Vedder.
In Göggingen trauern Anwohner um eine große Weide angrenzend zur Butzstraße. Der große, alte Baum sei kürzlich gefällt und klein gehäckselt worden. "Steht so ein riesiger und schöner Baum nicht unter Baumschutz oder Naturschutz", fragen sie sich. Die Stadt teilt dazu mit, dass Weiden (anders als andere Laubbäume) tatsächlich nicht unter die Baumschutzverordnung fallen. Weiden können somit genehmigungsfrei entfernt werden, wenn im Sommerhalbjahr keine geschützten Tierarten in dem betroffenen Baum wohnen.