Stadt und Stadtwerke sehen den von einem Bürgerbegehren geforderten Straßenbahn-Ring um die Augsburger Altstadt überaus kritisch. Voraussichtlich würde ein Lückenschluss zwischen Kennedy-Platz und Pilgerhausstraße (Grottenau) sowie zwischen Forsterstraße/Milchberg und dem Jakobertor (Graben und Jakoberwallstraße) um die 120 Millionen Euro kosten. „Ein verkehrlicher Nutzen ist aber kaum gegeben, weil es hier schon eine Erschließung gibt – eben nur mit einem Bus statt mit einer Straßenbahn“, so Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle (CSU). Stadtwerke-Chef Rainer Nauerz sagte, ein solches Vorhaben sei nicht unmöglich, aber zu hinterfragen. Eine Förderung für das Vorhaben zu bekommen, sei unwahrscheinlich.
Was das Bürgerbegehren in Augsburg fordert
Wie berichtet, fordert ein von der ÖDP und der Alt-Augsburg-Gesellschaft initiiertes Bürgerbegehren den Straßenbahn-Tramring, um den Verkehr auch bei Veranstaltungen und Störungen in der Innenstadt besser aufrechterhalten zu können. Hinzu kommt, dass damit die Ein- und Ausrückgleise in der Maximilianstraße unnötig würden, die die Stadtwerke vor allem morgens brauchen, um zügig ihre Straßenbahnen ins ganze Netz zu verteilen. Die Straßenbahngleise stehen einer städtebaulichen Neugestaltung der Maxstraße – etwa mit einem Baum- oder Flanierstreifen in der Mitte – entgegen, wie ihn die Alt-Augsburg-Gesellschaft fordert.
In einer nun vorgestellten ersten Einschätzung, die Schwarz-Grün in Anbetracht des heraufziehenden Bürgerbegehrens bereits Ende vergangenes Jahr erbeten hatte, sehen Stadt und Stadtwerke mehr Probleme als Vorteile bei dem Tramring. Dies ist insofern interessant, als dass eine Tramlinie durch die Grottenau/Karlstraße auch in der städtischen Langfrist-Planung vorgesehen ist. Momentan, so die Stadtwerke, bringe dieses Vorhaben aber keine neuen Fahrgäste, ebenso wie Tramgleise im Osten der Altstadt. Zudem müsse man Streckenäste neu verknüpfen, was für Fahrgäste mehr Umsteigevorgänge und längere Fahrzeiten bringe. Hintergrund ist, dass dann nicht mehr alle Linien über den Königsplatz laufen würden.
Stadt Augsburg warnt vor großflächigen Baumfällungen
Erhebliche Schwierigkeiten sieht die Stadt auch bei der baulichen Umsetzung: In der Karlstraße/Grottenau werde man angesichts der geringen Breite Schwierigkeiten haben, alles unterzubringen. Und in der Jakoberwallstraße nahe der City-Galerie müssten mindestens zwei, womöglich drei Baumreihen in der Grünanlage zum Stadtgraben hin fallen, egal ob man die Tram auf eigenem Gleiskörper fahren oder im Straßenverkehr mitschwimmen ließe. Wie berichtet, haben die Initiatoren ein zweites Bürgerbegehren am Laufen, das mehr Baumpflanzungen möchte. Baureferent Steffen Kercher sagte, grundsätzlich seien Baumpflanzungen in der Maxstraße auch mit Tramgleisen denkbar, dann aber am Straßenrand. Das würde vermutlich einen zweistelligen Millionenbetrag kosten (den die Stadt aktuell nicht hat), es sei aber immer noch günstiger als der Tramring.
Im für den Nahverkehr zuständigen Wirtschaftsausschuss des Stadtrats zogen CSU und Grüne eine klare Schlussfolgerung. „Man sollte sich sehr genau überlegen, ob man die Planungskapazitäten noch weiter mit diesem Thema auslastet“, so Matthias Fink (CSU). Auch die Grünen merkten an, dass das Begehren angesichts der aktuellen Probleme im Nahverkehr nicht in die Zeit passe. Man habe mit Linie 5 und weiteren Vorhaben ohnehin schon genug vor der Brust, so Matthias Lorentzen. „Wir wissen, welche begrenzten Mittel da sind. Es wird schwierig, wenn man das jetzt auch noch in die Liste aufnimmt, während die anderen Projekte stocken.“ Der Verkehrsverband VCD Deutschland hatte sich im Vorfeld der Sitzung ablehnend geäußert.
Brandmiller: Wenn die Stadt keine Ideen hat, entwickeln die Bürger welche
Von der SPD kam Widerspruch. Die Verwaltung habe dem Geist des CSU-Grünen-Antrags folgend Gründe gegen das Vorhaben gesammelt, so Fraktionschef Florian Freund. Eine vorhandene Bus-Erschließung sei kein Totschlagargument gegen eine Straßenbahn. „Auch in Königsbrunn gab es Busse, und wir haben trotzdem die Linie 3 dorthin verlängert.“ Raphael Brandmiller (Generation Aux) hielt der Stadtregierung vor, selber keine Ideen zu entwickeln. „In den vergangenen fünf Jahren hat man nichts gehört, und genau darum kommen solche Ideen“, so Brandmiller.
Sebastian Berz, Vorsitzender der Alt-Augsburg-Gesellschaft, erklärte in einer Reaktion, man begrüße, dass sich die Stadt zügig mit der Idee des Bürgerbegehrens beschäftigt habe. „Die Kürze der Zeit lässt einen das Papier als interessante Einschätzung einstufen“, so Berz, die aber noch eine Reihe von Fragen offenlasse. Dies betreffe die Entwicklungsstrategie für die Straßenbahn insgesamt. Berz sagte auch, dass die Baumbestände an Forster- und Jakoberwallstraße wegen Überalterung in absehbarer Zeit ohnehin neu geplant werden müssten.
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