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„Ende eines Albtraums“: Augsburger Jude Daniel Melcer holt Israel-Flaggen ein

Augsburg

„Ende eines Albtraums“: Augsburger Jude Daniel Melcer holt Israel-Flaggen ein

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    Daniel Melcer hat die zwei Israel-Flaggen eingeholt. Zwei Jahre lang dienten sie als „Zeichen der Hoffnung“.
    Daniel Melcer hat die zwei Israel-Flaggen eingeholt. Zwei Jahre lang dienten sie als „Zeichen der Hoffnung“. Foto: Marcus Merk

    Fast zwei Jahre zierten sie ein Haus in der Konrad-Adenauer-Allee. Im Herbst 2023 hisste der Augsburger Jude Daniel Melcer zwei Israel-Flaggen vor seiner Werbeagentur – als „Zeichen der Hoffnung“, wie er sagt. Nur wenige Wochen zuvor, am 7. Oktober, tötete die Terrororganisation Hamas mehr als tausend Jüdinnen und Juden in Israel und nahm hunderte Geiseln. Mehrfach zerstörten seither Israel- und Judenhasser Melcers Flaggen, zuletzt zwei arabischstämmige Männer. Am Montag, nach der Unterzeichnung der Friedenserklärung und der Freilassung der letzten 20 noch lebenden jüdischen Geiseln, holte Melcer die Flaggen ein. Was bleibt von dem Signal?

    Der 7. Oktober war für Melcer und seine Angehörigen in Israel ein Albtraum. „Man kann sich nicht vorstellen, was dieser Tag mit uns gemacht hat“, sagt er. Seit dem Holocaust hat es keinen vergleichbaren Pogrom mehr an Juden gegeben. Nun, zwei Jahre später, sei man aus diesem Albtraum erwacht. Wird der Frieden halten? Aktuell gebe es keine Alternative zum Optimismus, sagt Melcer. „Wir sind durch dunkle Monate und Jahre gegangen. Jetzt ist die Sehnsucht groß, dass das Licht, das wir sehen, kein kurzes Blitzlicht, sondern der Anfang einer hellen Zukunft ist.“

    Stadt Augsburg hängte Ende 2023 die Israel-Flagge ab und erntete viel Kritik

    Dass ausgerechnet der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump zu „unbequemen Helden“ geworden seien, sei interessant. „Während wir uns in Deutschland mit der B-Note beschäftigen, gibt es eine andere Form der Realpolitik, die nicht das Ziel hat zu gefallen, sondern Fakten zu schaffen. Manchmal sind es nicht die Helden, die wir lieben, sondern die Helden, die wir brauchen.“ Melcer kritisierte in der Vergangenheit gegenüber unserer Redaktion unter anderem die Einstellung deutscher Waffenlieferungen an Israel.

    Kritik zog Ende 2023 auch die Stadt Augsburg auf sich. Wie berichtet, entschied die Stadt damals, zunächst eine am Rathausplatz angebrachte Israel-Flagge nur noch tagsüber zu hissen und schließlich komplett abzuhängen. Zuvor wurde sie zweimal heruntergerissen und beschädigt. Deutschlandweit brandete Kritik auf, Melcer sprach von „Teilzeit-Solidarität“ und hisste kurzerhand selbst zwei Flaggen. Und das, obwohl er eigentlich kein Flaggen-Typ sei, wie er betont.

    Nach dem 7. Oktober hisste die Stadt Augsburg auf dem Rathausplatz eine Israel-Flagge.
    Nach dem 7. Oktober hisste die Stadt Augsburg auf dem Rathausplatz eine Israel-Flagge. Foto: Anna Kondratenko (Archivbild)

    Mehrfach wurden die zwei Flaggen seither heruntergerissen und zerstört. Zuletzt Anfang Oktober. Zwei junge Männer afghanischer und syrischer Staatsangehörigkeit sollen diese laut Polizei heruntergerissen und schließlich angezündet haben. Die Polizei erwischte beide, gegen sie wird nun ermittelt. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. „An meinem Balkon sind Menschen mit Hitler-Gruß vorbeigelaufen. Andere haben ‚Scheiß Juden‘ gerufen. Der offene Antisemitismus sei auch in Augsburg deutlich geworden.

    Nach jeder Zerstörung hängte Melcer eine neue Flagge auf. „Ich wollte denen nie den Erfolg gönnen, dass dieses Zeichen verschwindet“, sagt er. Nach der Freilassung der letzten lebenden Geiseln holte Melcer die Flaggen am Montag endgültig ein. Melcer möchte sich nun zurücknehmen. „Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, gegen den Antisemitismus vorzugehen. Wir Betroffenen können nicht dafür werben, bitte nicht gegen uns zu sein.“ Es sei eine Aufgabe von Gesellschaft und Politik, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. „Mein Beruf ist nicht Jude.“

    Augsburger Jude kritisiert die Scheinheiligkeit im linken politischen Lager

    Melcer kritisiert die Scheinheiligkeit in Bezug auf Israel, die vor allem im linken politischen Lager herrsche. „Ich habe mich sehr gewundert, wie vielen Menschen die Empathie mit Israel gefehlt hat.“ Auch in seinem Bekanntenkreis habe er herbe Enttäuschungen erlebt. Etliche Menschen, die früher Israel und Tel-Aviv geliebt hätten, hätten am 7. Oktober geschwiegen. Seither habe es viele Demonstrationen für Palästina in Deutschland gegeben, viele Menschen hätten einen Waffenstillstand auf den sozialen Medien gefordert, Israel attackiert. Ein Frieden, sagt Melcer, wäre früher möglich gewesen, hätte die Hamas die Geiseln freigelassen. Nun sei dieser eingetreten, dennoch herrsche große Stille auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken. Die Folklore der Empörung scheine den Menschen leichter zu fallen, als die Freude über die Freilassung der Geiseln und das Ende des Kriegs, so Melcer.

    Auf Augsburg schaut er trotz antisemitischer Vorfälle mit einem milderen Blick. Es sei positiv, dass es in Augsburg keine großen Ausschreitungen gegeben habe. Es sei weitgehend friedlich geblieben. Melcer wünscht sich nun vor allem eines: Frieden. „Für Israel und den gesamten Nahen Osten.“

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