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Popmusik

08.02.2020

Ala Cyas Musik ist der Spiegel ihrer Seele

Die Augsburger Musikerin Ala Cya startet bald mit vier weiteren Musikerinnen eine Süddeutschland-Tournee. Zuvor gibt sie im Grandhotel Cosmopolis noch einen Soloabend, an dem auch neue Songs zu hören sein werden.
Bild: Robert Hagaff

Plus Zu ihren ersten Auftritten musste die Augsburger Musikerin Ala Cya überredet werden. Heute ist ihr wichtig, dass sich Frauen im Popgeschäft nicht Konkurrenz machen.

Die Frage, was Popmusik eigentlich zu Popmusik macht, wird seit ihrer Erfindung kontrovers diskutiert. Nimmt man nur die Musik, kann ein allein im Schlafzimmer produzierter Lo-Fi-Akustik-Song lupenreiner Pop sein. Denkt man an die großen internationalen Namen, verwässert die Musik schnell im Interesse an der Person des Popstars selbst, samt der vermeintlichen Teilnahme an dessen Leben in den sozialen Netzwerken und den sehnsüchtig erwarteten Skandalen.

Billie Eilish bewegt sich in den höchsten Sphären der Popmusik, spätestens seit sie mit gerade mal 18 Jahren die vier Hauptkategorien der Grammy Awards 2020 abgeräumt hat. Nur ist sie eben keine vom Management zur lasziven Verführerin gemachte Britney Spears oder eine mit unnatürlicher Alterslosigkeit kokettierende J.Lo, sondern eine junge unabhängige Künstlerin, die schlabbrige Klamotten als Statement versteht und sowohl in ihrer Musik als auch in ihrer Darstellung den ehrlichen Eindruck macht, dass sie auf Ratschläge alternder Plattenbosse oder gieriger PR-Agenten gut verzichten kann. „Im Rahmen der Popmusik ist das in gewisser Weise schon revolutionär“, so die Augsburger Musikerin Alicja Rzedkowska, die ebenfalls schon in sehr jungen Jahren unter dem Namen Ala Cya mit ihrer Musik aufgetreten ist.

Die kommende Single von Ala Cya erscheint am 6. März

Künstlerische Unabhängigkeit und Offenheit gegenüber musikalischen Einflüssen aller Art, das haben beide Künstlerinnen gemeinsam. Ebenso die sehr persönlichen Texte zu Wesen und Verhalten der Menschen gegenüber der Erde und ihren Bewohnern. Ala Cyas kommende Single „The Warriors Song“, ab dem 6. März auf allen gängigen Streamingportalen zu hören, ist ein wunderschönes, zaghaftes und doch eindringliches Stück elektronischer Popmusik. Entstanden ist es dank ihres Weltschmerzes, der gerne in Momenten des Alleinseins in der Natur von ihr Besitz ergreift.

Ala Cyas Musik ist der Spiegel ihrer Seele

Der Krieger, den sie mit ihrer leisen, kraftvollen Stimme besingt, ist der Gedanke, „sich nicht hängenzulassen, zu versuchen, das Licht in der Dunkelheit zu sein. Denn ohne Dunkelheit gibt es auch kein Licht“. Thomas Eifert half beim Ausproduzieren eines neuen Klangs, der die Zweisamkeit von Stimme und Begleitinstrument der „Treasurehunt- EP“-Songs in Richtung Synth-Pop führt.

Offenheit gegenüber allen Arten von Musik wurde Ala Cya schon in die Wiege gelegt. Die Melodien in ihrem Kopf, das kathartische Gefühl beim Klavierspielen, die Präsenz ihrer Gesangsstimme waren eine solche Selbstverständlichkeit für sie, dass „ich anfangs dachte, gar keine Künstlerin zu sein; ich hatte nicht das Gefühl, dass ich etwas Besonderes kann. Ich dachte, das ist bei jedem so“. Eines Abends im Neruda, ein Ort, der ihr schnell ans Herz wuchs, überredete sie ein Freund, eine Gitarre in die Hand zu nehmen und ihre Lieder zu spielen.

Bald startet die Sängerin ihre Süddeutschland-Tournee

Fikret Yakaboylu, Betreiber des Kulturcafés in der Alten Gasse, war es schließlich, der das Besondere sah und hörte und Alicja Rzedkowska samt ihren Liedern sanft aus der Sicherheit der eigenen vier Wände in die Öffentlichkeit schob. Es verlangt schließlich einiges an Mut, mit seiner Kunst seine Persönlichkeit und Emotionen der Öffentlichkeit preiszugeben: „Wenn ich mich zeige, dann in der Musik. Sie ist der Spiegel meiner Seele.“ Ihre Stücke entstehen in der Isolation, fern vom Rummel der Städte. Erst vor ein paar Tagen kehrte sie von einer langen Schreib- und Arbeitsphase aus Italien nach Augsburg zurück.

Doch nun soll es mit der Einsamkeit erst einmal vorbei sein. Mit den Künstlerinnen Cosma Joy, Die Nowak, Elena Steri und Hanna Sikasa geht sie auf Konzertreise, „Songs from her[e]!“ heißt die Tour durch Süddeutschland, die sie am 20. März ins Peripher in Augsburg führt. Dass Künstlerinnen in den Szenen unterrepräsentiert sind, beweisen die unzähligen Plakate kleiner wie großer Festivals, die in der Saison an die Wände gekleistert werden, um ihre testosteronstrotzenden Programme zu bewerben. „Und oft entsteht gerade dann auch noch ein Konkurrenzkampf unter den Musikerinnen“, beobachtete Ala Cya. Diese Tour soll der Konkurrenz Kooperation entgegensetzen: gemeinsam statt gegeneinander.

Schon am Samstagabend, 8. Februar, kann man Ala Cya auf der Bühne erleben, noch einmal ganz alleine. Im Grandhotel Cosmopolis gibt sie eine Art Abschiedskonzert, „ein kleiner Abschied von den Soloauftritten, von der Tagebuchform der Treasurehunt-EP“. Danach geht es weiter mit Band. Man darf sehr darauf gespannt sein.

  • Ein Hörbeispiel von Ala Cya finden Sie hier.
  • Ala Cya ist live im Grandhotel Cosmopolis, Springergässchen 5 in Augsburg am Samstag, 8. Februar, um 21 Uhr zu erleben.
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