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Porträt

04.03.2020

Augsburger Band mit Migrationshintergrund = MHA

Die MHA–Mitglieder von links nach rechts: Marco Flamenco, Fil Mathieu, Philippo Gufo und Hasan Mahmoud.
Bild: Jakob Imhof

Plus Die Band MHA redet nicht, sondern spielt. Und zwar grenzüberschreitende, tanzbare Musik für alle. Es mischen sich Flamenco, Fünftonleiter, Punk und Rap.

Gitarrist Fil Mathieu und Rapper Hasan Mahmoud haben es sich gerade im Grandhotel Cosmopolis zum Gespräch gemütlich gemacht, als die Tür aufgeht und das strahlende Gesicht von Schlagzeuger Philippo Gufo eine schöne Überraschung verspricht. In seiner Tasche steckt ein Stapel der ersten Platte ihrer Band MHA, Andiamo, die am 7. März offiziell veröffentlicht wird und just an diesem Morgen frisch aus der Presse kommt.

Gufos Strahlen steckt an, man merkt, wie stolz die Band auf die Platte ist. Kein Wunder – ist ja auch alles selbst gemacht. Aufgenommen wurde im Proberaum, unterstützt von den Freunden Christoph Groß und Vincent Semlinger, nachdem die Songs innerhalb der letzten drei Jahre beim gemeinsamen Jammen entstanden waren. Das Cover ist schlicht; die Musik, die Band und die Idee dahinter alles andere als das. Andiamo klingt nach Aufbruchstimmung, für die Band bedeutet es: „Lasst uns was zusammen machen.“ Einfach mal machen, das ist der rote Faden der Bandgeschichte.

Im Jahr 2017 wurden Fil Mathieu und Mahmoud Kollegen bei der Post. Der Römer Mathieu machte Videos, Mahmoud mischte die Rapszene in Damaskus auf – Liebe zur Musik verbindet die beiden. Dann wurde gejammt und mit Drummer Abdul Hakim eine erste Form von MHA gegründet – benannt nach den Initialen der Mitglieder –, bis ein befreundeter Münchner Rapper in der Abkürzung die heutige Bedeutung las: Migrationshintergrund Augsburg. Philippo Gufo emigrierte vor einigen Jahren aus Schongau , stolperte im Bandwohnzimmer Neruda über Mathieu und wurde gleich als Schlagzeuger für den Zugvogelslam in der Mühle verpflichtet.

Augsburger Band mit Migrationshintergrund = MHA

MHA sieht sich nicht als politische Band

Die Teilnahme am interkulturellen Musikslam war Mahmouds Traum. Daher blieb seine Irritation nicht überraschend, als ihm seine Mitstreiter zehn Minuten vor dem Auftritt einen neuen Drummer vor die Nase setzten, der gerade einmal ein paar Bruchstücke der MHA-Songs zwischen Tür und Angel über einen Handylautsprecher gehört hatte. Den goldenen Zugvogel sollten sie dank ihrer Spontanität gewinnen, genauso wie einen neuen Freund und Mitmusiker; auch wenn „mir auf der Bühne auffiel, dass ich nicht mal Philippos Namen wusste, als ich mich bei allen bedanken wollte“, wie sich Mahmoud erinnert.

Migrationshintergrund Augsburg also. Ein Begriff, der regelmäßig im politischen wie zivilgesellschaftlichen Diskurs auftaucht und für gemischte Gefühle sorgt: Bereichert fühlen sich die einen, bedroht die anderen. MHA sehen sich jedoch nicht als politische Band, „wir wollen nicht in die Politik; wir reden nicht, sondern wir leben es“, sagt Mahmoud , und meint die Selbstverständlichkeit, die zwischen den Bandmitgliedern herrscht – sei es in der Musik oder bei der Freundschaft. Gufo hebt die wichtigste Botschaft von MHA hervor: „Wir sind alle eins. Wir können uns nicht mit dem ewigen ,Anti‘, dem immer ,Gegen-etwas-Sein‘ identifizieren.“ Und auch wenn es für sie selbstverständlich ist, am 21. März beim Tag gegen Rassismus auf dem Rathausplatz aufzutreten (Beginn: 17 Uhr), ist es Mahmoud ein Anliegen, noch einmal zu betonen, dass MHA „für jeden spielen wollen, egal, welchen Hintergrund die Person hat, egal, welcher Partei er angehört“.

Gute Vorbilder wollen sie sein, so Fil Mathieu. Er ist im Gespräch der Zurückhaltendste, beim Schreiben aber spielt er eine wichtige Rolle. Die Grundideen entstehen auf Mathieus akustischer Gitarre, die dann im Bandkollektiv arrangiert werden. Dabei werden die verschiedenen Einflüsse – Zweitgitarrist Marcos feines Flamencospiel, Mathieus Interesse an arabischen Harmonien, Philippos Punkrockhintergrund und Mahmouds Hochgeschwindigkeitsrap – „nicht angeglichen, sondern jeder bringt sein Ding, seine Kultur in die Musik“.

Das gipfelt dann in einem Song wie dem Albumopener Sadik: Die Basis ist ein pures Rock-’n’-Roll-Lick, veredelt mit ein wenig Rumba und ein bisschen Reggae, ein A-cappella-Gesangsteil wird abgelöst von einem Doubletime-Rap, der jede Blitzeranlage überfordern würde. „Das darf man doch nicht alles mischen, haben schon viele gesagt“, berichtet die Band. Aber sie finden, dass sie dürfen, und sie können es auch. Die weiteren neun Songs des Albums sprühen nur so vor Vielfalt und Energie. Man kann es Weltmusik taufen – allerdings nicht aus Verlegenheit, so wie in der Popwelt alles als Weltmusik eingeordnet wird, was ein wenig von westlichen Harmonien und Rhythmen abweicht. MHA machen Weltmusik im besten Wortsinne, auf Andiamo vereinen sie die Welt. Die ist nun geladen für das Release-Konzert am 7. März auf der Soho Stage.

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