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Ausstellung
14.10.2021

Die Augsburger Galerie Cyprian Brenner schafft Momente der Andacht

Skulpturen von Silvia Siemes aus der Serie „Bleiben, Warten“ und großformatige Gemälde von Franz Baumgartner zeigt die Ecke-Galerie.
Foto: Maximiliane Umlauf

Plus Um das Zusammenspiel von Mensch und Natur dreht sich die aktuelle Ausstellung in der Galerie Cyprian Brenner. Zu gehen gibt es Werke von Franz Baumgarten und Silvia Siemes.

Auf diesen stillen See am Fuße der Berge möchte man gern hinausfahren und seine Ruhe genießen. Man möchte den Lichtspiegelungen zusehen und sich von dem Wellengekräusel schaukeln lassen. Und immer ziehen die bewaldeten Hänge und das felsige Gebirge im Hintergrund die Blicke auf sich. Man kann förmlich den Duft der Tannen riechen, die Frische des Windhauchs spüren. Dabei ist alles nur gemalt in einem monumentalen Format von drei auf fast zwei Meter. Seelenlandschaften darf man die Bilder von Franz Baumgartner nennen, der vor dem Akademiestudium eine Ausbildung im Gartenbau gemacht hat.

Die Galerie Cyprian Brenner – Ecke-Galerie am Elias-Holl-Platz – lässt in ihrer aktuellen Ausstellung „Human Nature – Nature Human“ seine Gemälde von den berückend präsenten Terrakottafiguren von Silvia Siemes betrachten. Beide Künstler sind um die 60 Jahre alt und zeigen ein souveränes Schaffen.

Ausstellung in Augsburg: In Baumgartens Bildern herrscht die Natur

Baumgarten ist ein staunender Maler, der sich ebenso vom Sternenhimmel anziehen lässt wie von majestätischen Wäldern. Menschen kommen darin nicht vor, allein die Natur beherrscht das Bild, oft romantisch verklärt und idealisiert. Sein dicht bestandener, lichter Birkenwald strotzt vor grüner Vitalität allem Klimawandel zum Trotz. Die starken Bäume, die am weiten Horizont das Meer zwischen den grauen Stämmen erhaschen lassen, wirken wie feste Säulen des Himmelsgewölbes. Wohlgeordnet führt eine Allee aus Platanen die Straße ins gleißende Licht.

Genauso fesselt den Maler das nächtliche Firmament mit den Sternennebeln, die sich zu einer geheimnisvollen Gestalt formen. Oder es wirkt wie ein Blick in die Tiefsee in verwaschen dunklem Blaugrün mit Schirmpflanzen und einer aufsteigenden algigen Wolke. „Hohepriester“ nennt er zwei Berggipfel, die aus waberndem Dunst und eisgrauem Himmel herausragen. Andacht vermittelt dieser Malgestus, der auf höhere Kräfte um uns Menschen hinweist. Sie geben sich in Schönheit und Erhabenheit und entziehen sich ins Unbestimmte wie die Novembersonne, die durch den bedeckten Himmel schimmert.

Siemes formt aus Terrakotta Menschenfiguren

Die Skulpteurin Silvia Siemes, die zunächst Kerammodelleurin gelernt hat, bedient sich indes eines handfesten, irdischen Materials. Aus Terrakotta formt sie in rauer Materialität ihre Menschenfiguren, die meist in sitzender oder kniender Haltung verharren, doch zugleich den Eindruck vermitteln, als würden sie alsbald aufspringen und aktiv werden. Siemes bildet die agilen Körper in präziser Art und Anatomie aus, wenn auch mit einer gewissen Unschärfe. Deren Haare bestehen oft nur aus groben Strähnen. Anschließend werden die meist weiblichen, stets bekleideten Figuren mit eingefärbtem Schlicker bemalt und individuelle Züge in Gesichter und Körper eingeschrieben. Jede Figur besitzt ihren eigenen Charakter und eigenen Charme.

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Ihr „Bleiben, Warten“ – so der Titel der neuesten Serie – ist ein gespanntes, aufmerksames Tun. Hier halten Menschen – übrigens in sehr unterschiedlicher Größe, von kindlich klein bis fast zu Erwachsenenkörper angelegt – Ausschau nach dem Leben, nach Begegnung, nach sich selber. Auch die Betrachterinnen und Betrachter vermögen sich dieser transzendenten Ausrichtung nicht zu entziehen. Die Galerie verwandeln sowohl die Figuren als auch die Gemälde zu einem Tempel des Sich-Selbst-Befragens und der tieferen Erkenntnis.

Laufzeit bis 21. November; geöffnet Di. bis Sa. von 12 bis 18 Uhr.

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