Brechtfestival

25.02.2019

Bacardi-Cola-Feeling im Provinoclub

Anton Weil (von links), Laura Eichten und Fabian Raabe verwandeln Michel Decars Roman "Tausend deutsche Diskotheken" im Provinoclub in ein Live-Hörspiel.
Bild: Alicia Arias

Plus Zurück in die 1980er Jahre führt Michel Decars "Tausend deutsche Diskotheken". Während des Live-Hörspiels zum Brechtfestival wird mächtig getrunken.

Im Provinoclub in Augsburg! Wo sonst? Dieser Ort, der mit viel Liebe und Herzblut wieder aus einer Vergangen- und Vergessenheit geholt worden ist, der heute wieder lebt. Man sieht noch, dass dieses Haus heruntergekommen war, das verleiht dem alternativen Club zusätzlich Patina und Charme. Wenn Patrick Wengenroth, der künstlerische Leiter des Brechtfestivals, über den Provinoclub spricht, kommt er ins Schwärmen. Der Wahlberliner konnte mitten in Augsburg im Neubau-Textilviertel einen Ort der Subkultur entdecken, eine aus der Zeit gefallene Oase.

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Seit drei Jahren gehört der Provinoclub fest zu den Spielstätten des Brechtfestivals. Wo sonst als dort hätte „Tausend deutsche Diskotheken“ einen besseren Ort in Augsburg gefunden? Am Sonntagabend bietet der Provinoclub die ideale Kulisse für dieses Live-Hörspiel. Der Dramatiker und Schriftsteller Michel Decar bringt seinen ersten Roman nach Augsburg, der Stadt, in der er zur Schule gegangen ist. Und nicht alle, die dieses Hörspiel sehen wollen, bekommen eine Karte – ausverkauft.

Mit Ballonseide und Flauschwolle

Und schon geht es zurück in die 1980er Jahre. Im Eintritt inklusive ist an diesem Abend ein Glas Bacardi-Cola. Denn Bacardi-Cola kippt Frankie, die Hauptfigur des Romans, in hoher Stückzahl hinunter. Das Publikum darf an dem Abend mitmachen. Vor allem aber leeren die drei Schauspieler Laura Eichten, Fabian Raabe und Anton Weil vorne an der Theke fast zwei Flaschen Rum, während sie in Trainingsjacke aus Ballonseide und Flauschwoll-Pullover in Pink einen Auszug des Romans zum Vibrieren bringen. Voller Einsatz also. Zum Glück für sie dauert das Hörspiel nur ein bisschen länger als eine Stunde.

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Es geht um den Privatdetektiv Frankie, der 1988 einen kuriosen Auftrag eher widerwillig angenommen hat. Er sucht einen Erpresser. Und den einzigen Anhaltspunkt, den es gibt, ist ein Song: Madonnas „White Heat“ lief während des Erpressertelefonats. Jetzt klappert Frankie Münchens Diskotheken ab, eine nach der anderen, raucht ein paar Zigaretten, trinkt ein paar Bacardi-Cola. Und wenn er am nächsten Morgen einen Kater hat und ihm der Schädel brummt, weil er abends von einem Türsteher malträtiert worden ist, dann serviert ihm seine Mutter Maggi. Was wiederum die drei Schauspieler vorne dazu veranlasst, sich auch Maggi-pur reinzukippen.

So wie Decar in seinem Roman in langenWiederholungsketten mit Klischees spielt, nehmen das die drei Schauspieler auf.Ein Schelmenstück, in dem auch unterschiedliche Kurzzeit-Beziehungsklischeesdurchdekliniert werden. So schnell sich Frankie auf verflossene Liebschaften wiedereinlässt, weil er die Recherche auf ganz Deutschland ausdehnen muss undSchlafplätze in Frankfurt und Düsseldorf benötigt, so schnell findet alles wiederein Ende, weil die alten Probleme schnell die neuen Probleme werden. EinSchelmenstück, das im Provinoclub relativ abrupt abbricht, mitten im Buch.Langer Applaus!

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